Ziegen, Steine und WC als Touristen-Hit?

Damit Steffl, Schönbrunn & Co. entlastet werden: Wien-Tourismus-Chef Norbert Kettner will Gäste in die Außenbezirke umleiten, "Heute" sah sich um.

Wien ist eine fast zwei Millionen Stadt. Da kann es ab und zu enger werden im Zentrum. „Unsere Aufgabe ist es, den Gästen schmackhaft zu machen, was es auch außerhalb des ersten Bezirks gibt", so die Pressesprecherin Andrea Zefferer von Wien Tourismus im Gespräch mit „Heute". Im März wollen Sie bei der weltgrößten Tourismusmesse in Berlin, ihre neuen Ideen für Wiener Touristen präsentieren. Es sollen neue Begegnungszonen auch an den Rändern von Wien, in den sogenannten Außenbezirken entstehen. Wiener und Nicht-Wiener sollen ein „neues Wien" entdecken.

Neue Begegnungsmoment für Wiener Touristen:

Die Ziegen am Rautenweg in Wien-Donaustadt


Wien-Tourismus Direktor Norbert Kettner erwähnte in einem Interview, dass am Rande von Wien, in Transdanubien, eine Besonderheit zu finden sei: die 32 Pinzgauer-Ziegen am Rautenweg. Seit den 90er Jahren gibt es in der Deponie diese Ziegen. Eine Tierärztin sei damals an die MA48 herangetreten um die Pinzgauer Ziege zu schützen. Es gab in ganz Österreich nur noch knapp 200 Exemplare der Ziege. Seitdem sind auf der Deponie über 100 Kitze geboren worden. Heute sind es rund 32 Tiere, die zugleich auch als „Gratis-Rasenmäher" dienen, erzählt Ulrike Volk, von der MA 48.



Was gibt es dort sonst zu sehen?



Die Deponie

Die Deponie dient heute lediglich der Ablagerung von aufbereiteten, geruchlosen Rückständen aus den Wiener Müllverbrennungsanlagen. Aus einer Tonne Restmüll entstehen bei der thermischen Behandlung circa 27 Prozent Verbrennungsrückstände, das heißt Schlacken und Aschen, welche zehn Prozent des Volumens von Restmüll aufweisen. Auch diese Abfälle müssen ordnungsgemäß entsorgt werden.

2ter Stephansplatz

Am Michael Häupl Platz befindet sich der Zweite Stephansplatz mit original Pflastersteinen aus dem Jahr 1978 (U-Bahn-Bau). Sie wurden im Zuge der Neugestaltung des Stephansplatzes im 1. Bezirk im Jahr 2017 auf die Deponie in die Donaustadt verlegt.

Wiener Pavillon Pissoir

Das aus dem Jahr 1929 „Wiener Pavillon Pissoir" stand bis 2012 im 16. Wiener Gemeindebezirk am Stöblerplatz. Dieses Jugendstil Pissoir wurde nach dem Patent zur Desinfektion von Wilhelm Beetz mit einem neuartigen „Öl-System" errichtet. Diese Anlagen waren relativ geruchslos und brauchten keine Tropfen Wasser. Als einen weiteren hygienischen Vorteil waren die tragenden Wände aus lackiertem Eisen hergestellt.

Geländer vom WC „Hoher Markt"

Das Jugendstil-Geländer umgab den Eingang des öffentlichen WCs am Hohen Markt im ersten Bezirk.

Deponiebahn

Ab ca. 1920 wurde der Abfall von Müllautor auf Eisenbahnen verladen, die den Müll auf der Deponie verteilten.

Eine oder keine Touristenattraktion?

Von Mai bis Oktober bietet die MA48 kostenlose Führungenfür Kinder und Erwachsene am Deponieweg an. Oft kommen Schulklassen oder auch internationale Delegationen, erklärt Ulrike Volk im Gespräch mit „Heute". Hier soll vor allem Wissensvermittlung über die Abfallwirtschaft vermittelt werden.

„Wir fühlen uns sehr geehrt, dass wir als potenzielle Touristenattraktion gesehen werden. Das hat auch damit zu tun, dass es hier nicht stinkt", so die MA48 Pressesprecherin.

Prinzipiell seien sie aber eine aktive Mülldeponie und kein Touristen-Hotspot und dazu habe es bis jetzt noch kein Gespräch zwischen Tourismusverband und MA48 gegeben.

Die Pinzgauer-Ziegen

MA48-Tierpfleger und Leiter des Deponiebaus Herbert Diesenreiter kümmert sich liebevoll um die Tiere und kennt einige von Ihnen auch mit dem Namen: Hellboy, etwa fehlt ein Stück Horn oder der besonders liebenswürdige Kuschler, der von ihm per Hand aufgezogen wurde. Die Ziegen essen gerne Disteln und dieses Jahr bekommen sie auch einige Wiener Christbaumreste zu essen.



Rund 50 % der Wien-Touristen kommen wieder



Wien habe rund 50 Prozent Wiederbesucher. „Alle, die zum ersten Mal kommen, werden natürlich ihren Weg in das Wiener Zentrum finden. Stephansdom, Hofburg und Museen, aber alle anderen, die zum zweiten Mal kommen, die sind auch an geheimen Spots interessiert", erklärt Andrea Zefferer im Gespräch mit „Heute". Die Ziegen am Rautenweg sind einer dieser geheimen Spots. Interessant könnte auch noch eine 44-minütige Meditationsfahrt mit dem D-Wagen von Hauptbahnhof bis nach Nussdorf sein, sowie eine Führung durch die „Wildnis" des Zentralfriedhofs.

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