Zoom muss Strafe von 85 Millionen Dollar zahlen

Zoom soll Nutzerinnen und Nutzer über die Sicherheit bei Videokonferenzen getäuscht und Daten mit Facebook ausgetauscht haben. 

Bis zu 25 Dollar – so viel sollen Kundinnen und Kunden von Zoom erhalten. Denn der Videokonferenzanbieter soll zu unsicher gewesen sein und gegen den Datenschutz verstoßen haben. Gegen Zoom ist darum in den USA eine Sammelklage eingereicht worden. Der Videokonferenzanbieter hat sich nun bereit erklärt, insgesamt 85 Millionen Dollar an die Klägerinnen und Kläger zu bezahlen, wie Bloomberg.com berichtet. Zudem fordert das Gericht, dass Zoom seine Datenschutzpraktiken verbessert. Die Einigung erfordert noch der Zustimmung einer Richterin an einem Gericht in Kalifornien.

Aus den Gerichtsakten geht hervor, dass Zoom seine Nutzerinnen und Nutzer über die Sicherheit der Video-Chats und deren Verschlüsselung getäuscht und Daten in unzulässiger Weise mit Facebook geteilt hat. Auch soll es Zoom versäumt haben, private Meetings vor Störungen durch Hacking-Angriffe zu schützen. Die Art von Angriff wurde als Zoombombing bekannt.

Stöhnen aus dem Lautsprecher

Bei den sogenannten Zoombombings verschaffen sich die Angreifer unerlaubt Zutritt in ein Meeting, mit der Absicht dieses zu stören. Es gab auch Fälle in der Schweiz, etwa im April 2020 an der Wirtschaftsschule KV in Winterthur. "Es traten mehrere fremde Personen der Videokonferenz bei. Dann hörte ich ein Stöhnen über die Lautsprecher, erst dann realisierte ich: Da läuft ein Porno auf meinem Bildschirm", sagte eine Schülerin damals zu "20 Minuten". Die Klasse sei geschockt gewesen. Die Lehrerin habe alle aufgefordert, das Zoom-Meeting zu verlassen. Die Lektion wurde danach auf Skype weitergeführt.

Am Anfang der Covid-Pandemie wuchs Zoom rasant, da viele Firmen ihre Tätigkeit ins Homeoffice verlegten. Innerhalb von wenigen Wochen explodierte die Zahl der Nutzerinnen und Nutzer um das 20-fache. Zoom kam nicht nur bei Firmen, sondern auch bei Behörden zum Einsatz. Im Frühling 2020 zeigten sich jedoch Probleme bei Zoom, zahlreiche Datenschützerinnen und Datenschützer warnten sogar vor der App. Daraufhin verboten einige Firmen den Einsatz von Zoom, darunter das Raumfahrtunternehmen von Elon Musk, Space X. Auch das Federal Bureau of Investigation warnte vor dem Einsatz der Software.

Weiter auf Wachstumskurs

Auch 2021 ist Zoom weiter auf Wachstumskurs: Der Videokonferenzdienst Zoom will sich mit seinem bisher größten Zukauf breiter aufstellen. Für 14,7 Milliarden US-Dollar (13,52 Milliarden Franken) will Zoom die US-Firma Five9 aufkaufen. Das Unternehmen bietet Cloud-Software für Kundenkommunikation an.

Update: Zoom hat sich mittlerweile zu dem Fall geäußert. Ein Sprecher des Unternehmens sagt dazu: "Der Datenschutz und die Sicherheit unserer Nutzer und Nutzerinnen haben höchste Priorität, und wir nehmen das Vertrauen, das unsere Nutzerinnen und Nutzer in uns setzen, sehr ernst. Zoom hat seit April 2020 eine Menge Arbeit geleistet, um Sicherheits- und Datenschutzbedenken auszuräumen, einschließlich der Einführung einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und über 100 Funktionen, die sich auf den Datenschutz und die Sicherheit beziehen."

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