Zu brutal? Transfrauen sollen aus Rugby verbannt werden

Transgender-Diskussion im Frauen-Rugby
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Der Weltverband fasst den Ausschluss von Transfrauen aus dem Frauen-Rugby ins Auge. Der Grund soll in den Genen liegen.

Der Weltverband World Rugby zieht in Betracht, Transfrauen aus dem Frauen-Rugby auszuschliessen. Grund dafür seien Sicherheitsbedenken, berichtete die englische Zeitung "The Guardian" unter Berufung auf einen 38-seitigen Bericht der Transgender-Arbeitsgruppe des Weltverbands. World Rugby wäre damit die erste internationale Sportorganisation, die diesen Weg wählt.

Der Bericht der Arbeitsgruppe beruht auf einer aktuellen Untersuchung. Diese hat ergeben, dass ein "mindestens 20 bis 30 Prozent höheres Verletzungsrisiko" bestehe, wenn eine Spielerin von einer Transfrau getackelt werde, welche die männliche Pubertät durchlaufen habe.

Derzeit wendet man im Rugby, wie in vielen anderen Sportarten, bei Transfrauen die Richtlinien des Internationalen Olympischen Komitees an. Gemäß diesen müssen sie ihren Testosteronspiegel mindestens zwölf Monate lang medikamentös unter einen gewissen Wert (10 Nanomol pro Liter) senken und dürfen dann an Frauenwettkämpfen teilnehmen.

Allerdings zeigt die Untersuchung von World Rugby nun, dass sie auch nach der Senkung ihres Testosteronspiegels "signifikante physische Vorteile" behalten. Selbst nach der Behandlung seien nur geringe Verluste an Knochenmasse oder Muskelvolumen bzw. -größe zu beobachten, und auch die Kraft bleibe größtenteils erhalten.

Diese körperlichen Vorteile seien im Vollkontaktsport Rugby entscheidend und die potenziellen Folgen gefährlich. Wegen des hohen Verletzungsrisikos legt der Entwurf der Arbeitsgruppe nahe, Transfrauen aus dem Frauen-Rugby auszuschließen.

Dieser Vorschlag sorgt in der Öffentlichkeit – vor allem in England, wo Rugby eine beliebte Sportart ist – für geteilte Reaktionen. Während die eine Seite erklärt, dass zwischen den Spielerinnen stets körperliche Unterschiede bestehen werden, und für Inklusion plädiert, zeigt sich die andere Seite erleichtert.

So sagt etwa Dr. Nicola Williams, Direktorin der Frauenrechtsgruppe "Fair Play for Women", bei BBC Sport: "Das ist bahnbrechend. Lange hat die Angst, dass man als diskriminierend bezeichnet werden könnte, dazu geführt, dass die meisten Sportverbände den Kopf in den Sand gesteckt haben." Daher müsse World Rugby für seinen Mut gelobt werden, dieses Thema nun anzusprechen und dabei einen wissenschaftlichen Ansatz zu verfolgen.

Medizinphysikerin und Transfrau Joanna Harper widerspricht: "Ich halte es zwar für vernünftig, Transfrauen Beschränkungen aufzuerlegen. Aber ich bin ganz sicher nicht mit dieser Idee eines völligen Verbots einverstanden."

Auch die LGBT+-Sportorganisation Athlete Ally sprach sich auf "Pink News" bereits gegen ein mögliches Verbot aus. "Wir fordern World Rugby auf, sich weiterhin auf die IOK-Richtlinien zu stützen, die seit Jahren ohne Probleme gelten. Transfrauen treiben Sport aus demselben Grund wie alle anderen: aus Liebe zum Spiel und aus Liebe zur lebenslangen Gemeinschaft, die er mit sich bringt."

Der Weltverband selbst betont derweil die Stellung von Rugby als eine integrative Sportart. "World Rugby ist entschlossen, weiterhin geeignete Wege für die Teilnahme von Transgender-Athleten zu erforschen, und finanziert auch noch weitere Forschungsarbeiten zu diesem Thema."

Ob Transfrauen tatsächlich von den Rugbyfeldern verbannt werden, wird im November entschieden. Dann soll der World Rugby Council über den Vorschlag abstimmen.

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