Vor einem weiter wachsenden Mangel an geförderten Mietwohnungen warnt der Obmann der gemeinnützigen Bauvereinigung (GBV), Karl Wurm. Dies treffe primär die schwächsten Einkommensschichten, die sich keine teurere Behausung leisten könnten.
Von früher 70 Prozent sei der Anteil geförderter Wohnungen am gesamten Neubau auf 46 Prozent gesunken. Und für geförderte Bauten, etwa von GBV-Mitgliedern, gelte der Grundsatz "einmal gemeinnützig, immer gemeinnützig". Soll heißen: Dort bleiben die Mieten auch nach Auslaufen der Förderung niedrig - anders ist es in Bauten privater Bauträger.
Aktuell würden jährlich bundesweit rund 7.000 Neubauwohnungen zu wenig gefördert, allein im Mietwohnungssektor machte die Lücke jedes Jahr rund 3.600 Wohnungen aus, die Hälfte des gesamten Fehlbestands, warnte Wurm in einem Pressegespräch. Deshalb müsse dieser Bereich wieder oberste Priorität erhalten und die Bauleistung auf jährlich rund 30.000 geförderte Wohnungen steigen. Samt freifinanzierten Einheiten geht der GBV-Obmann von einem weiter hoch bleibenden gesamten Neubaubedarf von 48.000 Einheiten pro Jahr aus.
Neben einer Wiedereinführung der Zweckbindung für die Wohnbaufördermittel müssten unter Einbindung von Pensionskassen und Bundesfinanzierungsagentur (ÖBFA) auch neue Finanzierungsformen erschlossen und der Sanierungs-"Hype" beendet werden, der immer mehr Gelder aus dem Neubau abziehe und diesen "aushungere".
Enormer Zuzug nach Wien
Es gehe um die Sicherung einer den Bedarf deckenden Wohnbaufinanzierung, die den neuen Herausforderungen Rechnung trage - etwa dem anhaltenden Zuzug in die großen Städte, der Grundstücksknappheit im urbanen Raum und den schleppenden Umwidmungen und Förderbewilligungen. Allein Wien verzeichne jährlich einen Zuzug von 15.000 bis 20.000 Menschen, Graz um die 2.200, Salzburg 700 - und zugleich sinke die Neubauleistung speziell bei Mietwohnungen.