Die heimischen Zuckerrübenbauern wünschen sich Neonicotinoide zurück, die EU-weit verboten sind. Das geht aus einem Bericht des ORF Niederösterreich hervor. Punktuell Mittel gegen den Schädling namens Rübenrüsselkäfer zu spritzen, reiche nicht aus - die Trefferquote sei zu gering. Es handle sich um ein Problem für die ganze Union: Hier würden zu strenge Regeln gelten, Importe aus Brasilien oder Indien seien aber willkommen. Dort schaue man beim Anbau aber nicht so genau hin.
Die Rübenbauern haben meist Verträge mit dem heimischen Agrana-Konzern ("Wiener Zucker"). Der hält die Rübenbauern auch mit dem Ersatz von Saatgut bei der Stange, damit sie nochmals anbauen, wenn es früh in der Saison Schäden gibt.
Und Schäden gibt es heuer bisher laut dem Bericht auf insgesamt etwa 12.000 Hektar alleine in Niederösterreich. "Uns fehlen die Werkzeuge, um irgendeine Handhabe gegen die Käfer zu haben", sagte Herbert Hager, Zuckerrübenbauer aus Auersthal im Weinviertel nahe Wien in der Sendung "Aktuell nach fünf". "Wir spritzen halt, wenn wir den Käfer glauben zu treffen und die Trefferquote ist sehr, sehr gering." Die Neonicotinoid-Alternative der Flächenspritzung funktioniere nicht, genauso wie Pheromonfallen nicht ausreichen würden.
4.000 Hektar sind dem Bericht zufolge heuer bisher "vernichtet" und etwa 8.000 Hektar "stark beschädigt" worden. Rübenbauern-Präsident Ernst Karpfinger warnte davor, dass immer mehr Rübenbauern aufhören. "Wir laufen Gefahr, dass wir die Produktion in Europa verlieren." Es gehe um Eigenversorgung. Zuletzt war eine von zwei (Agrana-)Zuckerfabriken bereits wegen sinkender Anbauflächen und Erntemengen in Gefahr, aber doch vorerst gesichert.
Neonicotinoide gelten als hochwirksame Insektizide. Saatgut wird damit umhüllt, Käfer können es im Boden nicht mehr schädigen. Umweltschützer machen sie für Bienen- und Insektensterben verantwortlich. Befürworter stellen das in Abrede.