5 Stunden zu spät, dann aus Bahnhof "geworfen"

Christine B. ist sauer. Trotz mehrstündiger Verspätung, ließ sie das Security-Personal um zwei Uhr morgens nicht im Hauptbahnhof auf den Anschlusszug warten.

Es kommt nicht oft vor, dass der Zug länger Verspätung hat, als die eigentliche Fahrt dauern müsste. Dies widerfuhr Christine B. (52) am 1. Oktober, als sie mit ihrer Familie von einem Prag-Ausflug die Rückreise antrat.

Montagnachmittag startete die Fahrt mit dem "Regiojet" (Tschechisches Unternehmen) und geriet auf halber Strecke ins Stocken. Nach ca. drei Stunden des Wartens ging es weiter – es musste ein Umweg gefahren werden, der die Fahrt um weitere zwei Stunden verlängerte. Ermüdet und entnervt kamen die Fahrgäste in der Nacht auf Dienstag um zwei Uhr morgens an. Über achteinhalb Stunden dauerte die Reise bis zur Ankunft in Wien.

Vom Gleis zum Hauptausgang eskortiert

Dann ging der Ärger weiter: "Wir fühlten uns wie gerädert, mussten weiter nach Baden, die Anschlusszüge fuhren aber längst nicht mehr und das erste, was uns das Security-Personal nach unserer Ankunft mitteilte, war, dass wir den Hauptbahnhof verlassen müssen."

Aus sicherheitstechnischen Gründen hieß es. Sie, ihre Familie und die anderen Fahrgäste wurden aus dem Hauptbahnhof eskortiert, das ÖBB-Personal empfahl den Fahrgästen den beheizten Bus-Warteraum zu benutzen, um dort auf die Anschlusszüge zu warten.

Den wollte die Familie auch verwenden, zog es aber vor, wieder hinauszugehen, erzählt die 52-Jährige vom nächsten Rückschlag: "Es war nicht auszuhalten, der Gestank im Bus-Warteraum war fürchterlich. Wir suchten dann nach einer Möglichkeit, um weiter zu kommen. Zum Glück hat uns ein Night-Line-Fahrer mitgenommen, obwohl wir im Bus keine Tickets kaufen konnten."

Vom Opernring aus kam die Familie mit dem sogenannten Casino-Bus zur Wunschdestination Baden: Statt ca. 22 Uhr endete der scheinbar nicht enden wollende Trip erst bei Tagesanbruch am 2. Oktober.

"Lapidare" Antwort auf Beschwerde-Mail

Nach der Odyssee schickte Christine B. ein Beschwerde-Mail an den ÖBB-Kundenservice: "Aus Sicherheitsmaßnahmen wird der Hauptbahnhof geschlossen und der Bahnkunde ist somit in der Nacht vor dem Bahnhofsgebäude besser aufbewahrt? Oder wird erwartet, dass man sich ein teures Taxis nach Niederösterreich nimmt? Für solche Fälle muss zumindest ein Wartebereich (im Hauptbahnhof Anm. d. R.) mit WC zu Verfügung stehen."

Die darauffolgende Antwort eines Mitarbeiters beschreibt die aufgebrachte Zugfahrerin als "lapidar". Darin heißt es: Man würde die "Unannehmlichkeiten bedauern", welche sie und ihre Familie bei der Ankunft erlebt hätten.

Außerdem: "Ich habe Ihren Input in unser System aufgenommen und eingearbeitet, um eine Optimierung zu erwirken." Aber wie kann eine Optimierung erwirkt werden? Öffnet die ÖBB bei solchen Sonderfällen den Bahnhof?

Regiojet ist nicht ÖBB

"Heute" fragte selbst nach und erhielt von ÖBB-Sprecherin Juliane Pamme konkretere Antworten: "Während der Sperre zwischen 1.30 und 4 Uhr, bringt das Reinigungspersonal den Hauptbahnhof wieder auf Vordermann und der Stromverbrauch wird grundsätzlich runtergefahren. Es hat somit auch praktische und wirtschaftliche Gründe, wieso wir uns dazu entschlossen haben, nicht nur der Sicherheit wegen. Der Bus-Warteraum wird ebenfalls täglich geputzt. Da aber dieser Raum von allen Menschen benutzt werden darf, können wir eine möglich empfundene Geruchsbelästigung nicht ausschließen."

Der wesentlichste Punkt jedoch ist, wie Pamme betont, folgender: "Die Frau reiste mit einem Regiojet, ein tschechisches Unternehmen, das mit der ÖBB nichts zu tun hat. Wenn diese Verspätung einen von unseren Züge betroffen hätte, dann hätten wir nach einer Lösung gesucht. In einem Fall wie diesem, wenn es nicht anders geht, bieten wir kulanterweise in der Regel eine kostenlose Übernachtung im Hotel an."

UPDATE:

Nur zwei Tage nach dem "Heute"-Artikel haben sich sowohl RegioJet als auch die ÖBB bei Christine B. gemeldet und möchten den geplagten Fahrgast entschädigen. Von der ÖBB erhielt B. einen Reisegutschein von 50 Euro. Die Firma RegioJet hat mit der 52-Jährigen ebenfalls Kontakt aufgenommen, möchte umfassende Entschädigungen anbieten und klärte auf, wie es zu der monumentalen Verspätung kommen konnte:

"Wir bedauern die Verzögerungen und Unannehmlichkeiten sowie die damit verbundenen Schwierigkeiten, die jene Fahrgäste im Zusammenhang mit der Verspätung hatten. Zu dieser Verspätung war es durch einen Gebäudebrand auf tschechischem Gebiet gekommen.

Deshalb war der Schienenverkehr zwischen Prag und Brünn für mehrere Stunden gesperrt. Alle betroffenen Züge nach Wien mussten über Olmütz umgeleitet werden – das war höhere Gewalt. Während der gesamten Reisezeit wurden die Fahrgäste kostenlos mit Getränken versorgt. Die bezahlte Geld-Summe für die Tickets geht zu 100 Prozent an die Fahrgäste zurück."

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