Welt

Zugunglück: Lokführer wird dem Richter vorgeführt

Heute Redaktion
14.09.2021, 02:59

Gegen den Lokführer des Unglücks-Zuges von Spanien ist ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung eröffnet worden. Der 52-jährige Francisco sei am Samstag aus dem Krankenhaus entlassen und auf die Hauptpolizeiwache im Unglücksort Santiago de Compostela gebracht worden, teilte Innenminister Jorge Fernandez Diaz mit. Francisco soll bis Sonntagabend der Justiz überstellt werden, fügte der Minister an.

ist ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung eröffnet worden. Der 52-jährige Francisco sei am Samstag aus dem Krankenhaus entlassen und auf die Hauptpolizeiwache im Unglücksort Santiago de Compostela gebracht worden, teilte Innenminister Jorge Fernandez Diaz mit. Francisco soll bis Sonntagabend der Justiz überstellt werden, fügte der Minister an.

. Nach Angaben der Behörden starben nach der Entgleisung des modernen Talgo-Zuges 78 Menschen.

Trauerfeier am Montag

178 Fahrgäste und Bahnmitarbeiter wurden verletzt, einige von ihnen schwer. Am Samstag teilten die Regionalbehörden Galiciens mit, 31 Verletzte des Unglücks seien noch in kritischem Zustand. Die offizielle Trauerfeier für die 78 Todesopfer des Unglücks soll am Montag (um 19.00 Uhr) in der Kathedrale von Santiago stattfinden. Erste Todesopfer wurden am Samstag beigesetzt.

"Ich habe es vermasselt"

Francisco war bereits Donnerstagabend im Krankenhausbett festgenommen worden. Am Freitag verweigerte er der Polizei nach Medienberichten die Aussage. Auch das Angebot psychologischer Betreuung habe er zurückgewiesen. Einem Bericht der Zeitung "El Mundo" zufolge soll Francisco kurz nach dem Unglück gesagt haben: Laut Medien hat der Lokführer im Gespräch mit Vorgesetzten eingeräumt, viel zu schnell gefahren zu sein.

"Es gibt rationale Hinweise dafür, dass er eventuell Verantwortung für diese Ereignisse trägt", sagte der Minister über den Lokführer. Das eingeleitete Verfahren gegen Francisco ist eine Art Voranklage, die im deutschen Recht so nicht existiert.

"Sicherheitssysteme erfüllen alle Vorschriften"

An der Seite ihres Kollegen Fernandez Diaz wies Verkehrsministerin Ana Pastor Vorwürfe von Gewerkschaften, Medien und Kollegen des Lokführers zurück, die Sicherheitssysteme an der engen Unglückskurve seien ungenügend. Das System erfülle alle spanischen und europäischen Vorschriften. "Auch die Arbeiter müssen sich an die Vorschriften halten", sagte sie. Die Ermittlungen würden den Hergang klären.

Das Oberlandesgericht der Autonomen Region Galicien (TSJG) hatte vor der Ministermitteilung bekannt gegeben, die Vernehmung des beim Unfall am Kopf verletzten Beschuldigten werde aus gesundheitlichen Gründen nicht vor Sonntag stattfinden. Francisco wurde auch vom Präsidenten der Eisenbahninfrastruktur-Behörde Adif, Gonzalo Ferre, belastet. Der Eisenbahner hätte den Bremsvorgang gemäß den Sicherheitsvorschriften schon vier Kilometer vor der Unfallstelle beginnen müssen, sagte Ferre.

Lokführer kein Passagier

Ferre betonte, alle Sicherheitssysteme hätten funktioniert, für den Fall eines Systemausfalls verfüge der Lokführer aber über einen genauen Plan mit allen Anweisungen. Der Behördenchef: "Das ist ja die Aufgabe des Lokführers: die Geschwindigkeit zu kontrollieren. Sonst wäre er Passagier." Unter anderem soll auch die Auswertung der Blackbox Ermittlern Aufschlüsse zur Klärung des schwersten Eisenbahnunglücks in Spanien seit mehr als 40 Jahren geben.

Wie die zu hohe Geschwindigkeit zu erklären ist, mit der der Zug nach bisherigen Erkenntnissen in die Kurve vier Kilometer vor dem Bahnhof des Wallfahrtsortes einfuhr, ist allerdings vorerst weiter unklar.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen