Österreich

"Zurück in die Türkei" – Wut-Lehrerin ins Bierzelt

Glattauer gibt Noten. Heute: Wut-Lehrerin passt besser ins Bierzelt. Schüler aggressiv, weil er nicht beten durfte. Und: Sommerschule.
Niki Glattauer
23.04.2023, 21:33
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Wut-Lehrerin passt besser ins Bierzelt…

Bis in die ORF-Nachrichten schaffte es eine MS-Lehrerin in Wien, die die Schüler ihrer Deutschförderklasse (aus Syrien, der Türkei, Ukraine) ausländerfeindlich anmotzte ("Du kannst auch zurück in die Türkei!") und sich minutenlang in Hetztiraden erging ("Hat die Mama oder der Papa einen Job? Wahrscheinlich nicht! Zahlst du die Schule? Ich zahle alles und alle anderen, die einen Job haben", usw.).

Bei allem Verständnis für sie und alle anderen aus guten Gründen tief frustrierten Kolleginnen mit viel berechtigter Wut im Bauch: Wer sich gegen Kinder "aufkickln" lässt, passt besser in ein Bierzelt als in eine Schulklasse.

Traurig, dass menschenverachtende Misstöne hinter geschlossenen Klassentüren erst öffentlich werden, wenn es die "richtigen" Kinder trifft. Der Präsident des Vereins "Ukrainehilfe", der von einer „seiner“ Schülerinnen informiert worden war, brachte den Fall ins Ö1-Journal. Hätte das der syrische oder türkische Papa auch geschafft?

„Note: Nicht genügend“

Glattauer gibt Noten
Niki Glattauer war 25 Jahre Lehrer und Schuldirektor in Wien. Er hat bisher 13 Bücher veröffentlicht, alle zum Thema Schule wurden Bestseller. Jeden Montag vergibt er in einer Kolumne für "Heute" Schulnoten.

Alle seine Artikel findest Du HIER >>

Schüler aggressiv, weil er nicht beten durfte

Hohe mediale Wellen schlug der "Heute"-Exklusivbericht über einen Jugendcoach im Wiener WUK, der einem 17-jährigen das Beten verbot. Der Lehrer wollte den Schüler, der wiederholt disziplinäre Probleme gemacht hatte, zur Rede stellen, fand ihn – betend – in einem leeren Klassenraum und machte ihm klar: "Du hast mich zwei Minuten warten lassen und ich warte wirklich nicht gern. Das ist meine Pause und ich muss zwei Minuten warten, bis du fertig bist mit Beten? Sicher nicht …!"

Aller woken Kritik entgegengehalten: Herr Kollege, das war die richtige Reaktion! Religion hin oder her, in der Schule geht Schule vor. Basta. Ich erinnere mich an einen Schüler, dem ich für sein muslimisches Mittagsgebet mehrmals mein Integrationskammerl zur Verfügung gestellt hatte. Bis es einmal – warum, weiß ich nicht mehr – einfach nicht ging. Der Schüler wurde aggressiv, ausfällig – und zwar genau zwei Mal: das erste und das letzte Mal. Bei mir hatte es sich für ihn ausgebetet.

„Note: Gut“

Sommerschule – Studenten ja, Lehrerin nein!

Unterrichten in der Sommerschule: Studentinnen ja, aber fertige Lehrerinnen jein. Eine Kollegin mit abgeschlossenem Lehramtsstudium (aber aktuell ohne Job) hatte sich in Niederösterreich für den finanziell lukrativen Sommereinsatz beworben. Jetzt bekam sie eine Absage. "Vielen Dank für Ihr Interesse an der Sommerschule", begann das Mail der NÖ-Bildungsdirektion ja noch vielversprechend, ehe klar wurde, dass das Interesse einseitig ist:

„Note: Nachprüfung“

"…muss ich Ihnen leider mitteilen, dass nur LehrerInnen mit einem aufrechten Dienstverhältnis unterrichten dürfen." Aha? Und die Studenten? Haben die denn ein "aufrechtes Dienstverhältnis"? Die enttäuschte Kollegin in ihrem Mail an mich: "Solange man mit fertig ausgebildeten LehrerInnen so verfahren kann, gibt es den behaupteten Personalmangel wohl nicht. Da gibt’s nur Misswirtschaft."

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