Zuwanderer-Schüler: Handeln statt hetzen!

Jeden Montag gibt Niki Glattauer in "Heute" Noten.
Jeden Montag gibt Niki Glattauer in "Heute" Noten.Sabine Hertel
Glattauer gibt Noten. Heute: Zuwanderer-Schüler: Handeln statt hetzen! Dänemark deckelt Muslim-Schüler. Und: "Lehre mit Matura" ist der falsche Weg.

Zuwanderer-Schüler: Handeln statt hetzen!

In Wien sprechen 60 Prozent der Kindergartenkinder privat nicht Deutsch; und bei den Mittelschulen gibt es keine mehr, in der die Zahl der sprachlich einheimischen Kinder 25 Prozent übersteigt. Ufff, oder? Mit solchen Fakten kritisiere ich aber nicht die Kinder oder deren Eltern, sondern die Schulpolitik. Seit jeher gehen deren Vertreter falsch damit um – die einen mit Trennen, die anderen mit Unter-den-Tisch-Kehren.

Was richtig wäre? Zuerst einmal ehrlich hinschauen, und so z. B. sehen, dass unsere Kindergärten ihren Auftrag unter den gegebenen Umständen nicht mehr erfüllen können; oder die verzweifelte MS-Lehrerin sehen, die in ihren vollgestopften vierten Klassen zu 90 Prozent Rumänen, Bulgaren, Serben, Türken, Afghanen, Syrer & Co. sitzen hat und diese jetzt für unseren Arbeitsmarkt "berufsvorbereiten" soll. Hinschauen. Sehen. Und dann handeln statt wie die einen zu hetzen oder wie die anderen schönzufärben. Z. B. so wie Dänemark. Bitte weiterlesen!

Note: Nicht genügend!

Glattauer gibt Noten
Niki Glattauer war 25 Jahre Lehrer und Schuldirektor in Wien. Er hat bisher 13 Bücher veröffentlicht, alle zum Thema Schule wurden Bestseller. Jeden Montag vergibt er in einer Kolumne für "Heute" Schulnoten.

Alle seine Artikel findest Du hier.

Dänemark deckelt Muslim-Schüler mit 30 Prozent

Die höheren Söhne und Töchter vermeintlich im schulischen Töpfchen; im Kröpfchen 100 Prozent Zuwanderer-Kinder, bildungsfern, einkommensarm, en gros aus muslimischen Familien: In Kopenhagen ist es nicht anders als in Wien, Linz, St. Pölten, Graz, Bregenz. Nur dass die (sozialdemokratische) dänische Regierung jetzt den Mumm aufbringt gegenzusteuern.

Der "Presse" entnehme ich, dass beginnend mit Kopenhagens Gymnasien (Schüler ab 15) die Zahl der Kinder aus muslimischen Zuwandererfamilien künftig mit 30 Prozent gedeckelt werden soll. Um das zu erreichen, werden für die künftige, neu geregelte Zuweisung der Schulplätze nicht mehr Wohnadresse und Schulweg entscheidend sein, sondern die ethnisch-religiöse und finanzielle Stellung der Eltern in der Gesellschaft. Wow! Mischen statt trennen, hereinholen statt ausgrenzen, einen statt gegeneinander ausspielen – nur so erreicht man Integration und verhindert Parallelgesellschaften.

Note: Sehr gut

"Lehre mit Matura" ist leider der falsche Weg

Vor mehr als 20 Jahren wollte der ÖVP-Politiker Johannes Hahn (später in die EU fortgelobt) etwas ganz Ähnliches wie jetzt Dänemark (oben) und erntete dafür von rechts wie links Schelte. Ich sage, er hat recht gehabt, und erlaube mir Polemik: "Sag's Multi" (mehrsprachiger Redewettbewerb an Österreichs Schulen) ist zwar nett, aber eigentlich wäre "Sag's Deutsch" angesagt. Nur erreicht man das weder durch Redewettbewerbe noch durch Absondern der Kinder in "Spricht kein Deutsch"-Klassen, sondern im Gegenteil nur durch vernünftiges Mischen.

Fatal auch in diesem Zusammenhang die Degradierung der Hauptschule. Jetzt wirbt die Regierung für "Lehre nach der Matura". Gesamtgesellschaftlich leider wieder kontraproduktiv! Denn was bleibt für die Abgängerinnen von MS und Polys? Das Dauerticket fürs AMS.

Note: Unbefriedigend
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