Am Sonntag kassierten die "Veilchen" nach 828 Minuten wieder einen Gegentreffer, mussten sich Wolfsberg mit 0:1 geschlagen geben. Martins, 28-jähriger Defensiv-Allrounder aus Luxemburg, fehlte in der Partie gesperrt, nachdem der Verteidiger seine zweite rote Karte der Saison gesehen hatte. Und prompt verloren die Wiener.
"Das Spiel gegen Rapid war der Knackpunkt. Wir haben mit neun Leuten 40 Minuten lang verteidigt. Dann haben wir uns gesagt: Wenn wir das zu neunt können, können wir es zu elft auch. Wir sind dann auch ein bisschen tiefer gestanden. Wenn man zu Null spielt, hat man sicher einen Punkt", so Martins im "Sky"-Podcast "Der Audiobeweis". Auf dem Weg in die Meistergruppe war die Pleite gegen den WAC und Ex-Coach Manfred Schmid ein Rückschlag. "Es fehlen vier Punkte auf sie, es bleibt weiter eng. Wir haben gegen Salzburg und Sturm gepunktet, das war wichtig", erklärte der luxemburgische Teamspieler. "Wir haben vollstes Vertrauen in unser Trainerteam. Ich glaube, der Trainer hat die Aufgabe, zu merken, was das Beste für uns ist, und genau so hat er das gelöst", erklärte Martins den violetten Aufwärtstrend der letzten Wochen.
In der laufenden Saison hält die Austria eine traurige Bestmarke: Sechs Ausschlüsse hat kein europäisches Team bisher zusammengebracht. Nur acht Vereine in ganz Europa haben mehr als vier rote Karten gesehen. Die "Veilchen" eben bereits sechs. Mit dem Ausschluss gegen Co-Trainer Ahmet Koc kommt sogar noch eine siebte rote Karte hinzu. Martins ist für zwei dieser Platzverweise verantwortlich. "Darüber wird auch schon gesprochen. Das haben wir aber intern gelöst, da zahle ich auch gerne etwas in die Mannschaftskassa. Ich würde sagen, es ist Rote-Karten-Unglück. Ich hoffe, dass das nicht so weitergeht", meinte Martins.
Für den ersten Ausschluss, einen bösen Tritt ins Gesicht gegen den heranstürmenden Alexander Prass, wurde der 28-Jährige für drei Spiele gesperrt. "Es war meine erste rote Karte überhaupt. Es sah wirklich ganz schrecklich aus, war aber keine Absicht. Es ist einfach Zufall, Unglück, dass solche Sachen passieren. Gegen Salzburg waren es Emotionen. Jemand hat mich festgehalten, ich wollte mich befreien und treffe ihn dann. Ich habe lieber eine gelb-rote Karte für ein taktisches Foul, aber glatt Rot wegen einer Tätlichkeit gehört nicht zu Marvin Martins", meinte der Abwehrspieler.
Martins kam 2021 zur Wiener Austria, hat bis jetzt 70 Spiele für die "Veilchen" absolviert. Damals war "Co" Reinhold Breu, der lange im luxemburgischen Verband tätig war, der Wegbereiter für den Wechsel. Zuvor kickte Martins bei Casa Pia in der zweiten portugiesischen Liga. "Als ich den Anruf von meinem Manager bekommen habe, war ich schon überrascht. Er hat gesagt, dass die Austria mich will. Ich konnte es gar nicht glauben", erinnert sich der 28-Jährige. "Die Austria ist doch einer der größten Vereine in Österreich, ein Traditionsverein. Wenn man über den österreichischen Fußball redet, hört man immer Austria Wien. Ich habe nicht lange überlegt. So eine Chance bekommt man nicht immer. Ich habe sofort zugesagt", erinnert sich Martins, der zu Beginn in Wien eine schwierige Zeit durchmachte, mit einer Schambeinentzündung lange ausfiel. Damals unterstützte ihn vor allem die Familie. Sowie Kapitän Manfred Fischer.
Unter Austria-Coach Michael Wimmer wurde Martins dann zum Innenverteidiger einer Dreierkette umfunktioniert, ergatterte aufgrund seiner Spielweise in der violetten Kabine den Spitznamen "Van Dijk". "Es hat von Anfang an funktioniert. Jetzt bin ich sogar zentraler Innenverteidiger. Das war auch etwas Neues für mich", erzählte Martins, der auch aufgrund seiner Schnelligkeit in die Mitte rückte. "Der Trainer hat mir gesagt, dass es schwer wird, diese Position zu spielen, wenn ich nicht mindestens 34 km/h schnell bin. Ich kratze jetzt an den 35 km/h."
Martins spielte sich jedenfalls ins Rampenlicht, sein Vertrag läuft noch bis 2025, die Austria fasst eine Verlängerung ins Auge. Der 28-Jährige könnte aber noch einmal einen großen Schritt wagen. "Wenn ich sagen würde, ich will bei der Austria mein Karriereende haben, dann würde ich lügen. Ich schließe es nicht aus, noch einen Schritt zu machen", so Martins. "Deutschland ist ein Ziel, Frankreich ist ein Ziel", meinte der 28-Jährige.