Man merkt ziemlich schnell: Das hier ist kein gewöhnlicher Konzertfilm. Und auch kein klassischer Musikfilm. "HIT ME HARD AND SOFT: THE TOUR" will mehr. Und das schafft der Film auch.
Bevor die Premiere im Donauplex losging, wurde der dritte Stock zum "Billie Paradies" umgewandelt. Blauer Teppich, Vinyl-Stand mit Merch und das berüchtigte Veganista-Eis gab es auch zum probieren. Wer sich erinnert: Billie Eilish selbst machte vor ihrer Wien-Show einen Abstecher zum Eis-Lokal und nahm sich die Sorten Wildflower und The Greatest.
Danach ging es in den Imax-Saal. Schon der Einstieg zeigt, dass das hier ein ganz besonderer Film ist: Keine sterile Bühnenaufnahme. Billie Eilish steht nicht über dem Publikum, sie ist mittendrin. Die Kamera klebt an ihr, folgt ihr durch Lichtblitze, Nebel, Schweiß und Emotionen. Es ist nah, manchmal fast zu nah. Aber genau das ist die Idee.
Dass das Ganze gemeinsam mit James Cameron entstanden ist, merkt man weniger an spektakulären Effekten als an der Inszenierung. Alles wirkt durchdacht, groß gedacht, aber nie glattgebügelt. Statt perfekter Pop-Choreografie gibt es kontrolliertes Chaos. Genau so, wie Billie es offenbar will.
Musikalisch liefert der Film genau das, was Fans erwarten. "Bad Guy" bekommt eine neue Energie, "Happier Than Ever" wird zum emotionalen Ausbruch, und dazwischen gibt es immer wieder diese kleinen, fast intimen Momente, in denen Billie scheinbar nur für eine einzelne Person singt, obwohl Tausende zuschauen.
Besonders auffällig: das Publikum ist nicht Beiwerk, sondern Teil des Films. Man hört es ständig, sieht es ständig. Weinen, schreien, lachen – alles bleibt drin. Das macht den Film roh, manchmal unruhig, aber extrem lebendig.
Visuell spielt der Film mit Farben, Lichtstimmungen und Perspektiven, ohne je in reine Effektshow abzudriften. Billie selbst wirkt dabei weniger wie ein Popstar auf Distanz, sondern wie jemand, der die Kontrolle bewusst teilt. Mit ihrem Publikum, der Kamera und dem Moment.
Und genau das ist vielleicht die größte Stärke dieses Projekts: Es will nicht perfekt sein. Es will echt sein. Manchmal laut, manchmal überfordernd, aber ehrlich.