Welt

Zwischen Russland und Ukraine droht Krieg

Heute Redaktion
14.09.2021, 02:26

Der Russland-Experte Gerhard Mangott befürchtet, dass die geplanten EU-Wirtschaftssanktionen gegen Russland einen "direkten russisch-ukrainischen Krieg" auslösen könnten. Wenn der Kreml nichts mehr zu verlieren habe, könnte er seine Position "verhärten", schreibt Mangott in einem Gastkommentar für die "Wiener Zeitung".

für die "Wiener Zeitung".

"Die Sanktionen werden Russlands Wirtschaft vehement schaden", betont Mangott. Ein Einlenken Moskaus im sei aber "nicht sicher". "Vielmehr ist das Risiko hoch, dass es seine Position verhärten könnte. Wenn es nichts mehr zu verlieren hat, kann es die bewaffnete Auseinandersetzung auch eskalieren. Die Kämpfe in der Ostukraine könnten zu einem direkten russisch-ukrainischen Krieg werden", argumentiert der Innsbrucker Politikwissenschaftler.

Mittelfristig könnte die Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage durch die Sanktionen zwar dazu führen, dass die Unzufriedenheit mit der Kreml-Führung zunehme, doch auch das "muss nicht so sein". "Die Leidensfähigkeit der Russen angesichts des ausländischen Drucks ist bekannt." Auch sei derzeit die "Partei des Krieges" in Russland deutlich stärker.

Retourkutsche

Wirtschaftliche Gegenmaßnahmen Russlands müsse die EU nicht fürchten. Moskau könne der EU nämlich nicht schaden, "ohne sich damit viel härter zu schaden", schreibt Mangott. "Russland könnte daher einen anderen Adressaten für Gegenmaßnahmen suchen: Die Ukraine." Moskau könnte nicht nur die schon eingeführten Handelsbeschränkungen "deutlich ausweiten", sondern "als stärkstes Instrument" auch mit der Ausweisung ukrainischer Gastarbeiter beginnen. Damit würde die wirtschaftliche Stabilisierung der Ukraine noch teurer als bisher geplant. "Das wäre ein sehr hoher Preis, den die EU zahlen müsste."

100 Milliarden Euro

Die EU-Wirtschaftssanktionen werden Russland heuer und kommendes Jahr fast 100 Milliarden Euro kosten. Der Schaden für Russland wird heuer 1,5 Prozent und nächstes Jahr sogar 4,8 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung betragen oder 23 bzw. 75 Milliarden Euro in absoluten Zahlen.

Sanktionsliste wurde länger

Die EU hat ihre Sanktionsliste am Dienstag ausgeweitet. Die Liste der Stufe 2 wurde um 14 Personen und Entitäten verlängert. Bisher hatte die EU Einreiseverbote und Kontensperren gegen 87 Personen und 18 Organisationen und Unternehmen verhängt. Welche neuen Namen konkret auf der Liste stehen, ist noch nicht bekannt. Die EU-Botschafter der 28 Staaten beraten zur Stunde über Stufe 3 der Eskalationsskala, die Wirtschaftssanktionen. Entscheiden müssen darüber letztendlich die Staats- und Regierungschefs.

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