Wirtschaft

Zyperns Banken bis Donnerstag zu

Heute Redaktion
14.09.2021, 03:11

Nach dem dramatischen Rettungsmarathon für Zypern vor der Staatspleite herrscht weiter Ausnahmezustand im Land: Eigentlich hätte der zypriotische Staatspräsident Nikos Anastasiades sich am Montag in einer Rede ans Volk wenden sollen, doch diese wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Als er dann vor die Kamera trat, blieb viel Erklärungsbedarf. Auch bei den Banken herrscht ein Verwirrspiel, sicher ist jedoch, dass sie doch nicht wie geplant am Dienstag aufsperren, sondern bis Mittwoch sicher geschlossen bleiben.

herrscht weiter Ausnahmezustand im Land: Eigentlich hätte der zypriotische Staatspräsident Nikos Anastasiades sich am Montag in einer Rede ans Volk wenden sollen, doch diese wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Als er dann vor die Kamera trat, blieb viel Erklärungsbedarf. Auch bei den Banken herrscht ein Verwirrspiel, sicher ist jedoch, dass sie doch nicht wie geplant am Dienstag aufsperren, sondern bis inklusive Mittwoch sicher geschlossen bleiben.

Zyperns Banken öffnen nun doch nicht wie geplant am Dienstag. Wie die Zentralbank des Mittelmeerstaats am Montagabend mitteilte, sollen alle Banken bis eingeschlossen Mittwoch geschlossen bleiben. Ursprünglich sollten die meisten Banken, bis auf die Bank of Cyprus und die Laiki Bank (Cyprus Popular Bank), am Dienstag wieder öffnen. Die Geldinstitute sind bereits aus Angst vor einem Ansturm der Kunden seit mehr als einer Woche geschlossen.

Kleine Banken protestierten gegen Öffnung

Die kleinen Kooperativbanken, die kleine zypriotische Hellenic Bank sowie alle ausländischen Banken hätten laut ursprünglichem Plan bereits am Dienstag wieder öffnen sollen. Wie die Nachrichtenagentur dpa aus Kreisen des Ministeriums erfuhr, hängt die Änderung damit zusammen, dass die kleinen Banken heftig gegen ihre Öffnung getrennt von den großen protestiert hätten.

Die Lage in Zypern bleibt auch einen Tag nach der Verkündung eines Rettungspakets unübersichtlich. Zyperns Präsident Nikos Anastasiades hat die mit den internationalen Geldgebern seines Landes vereinbarten milliardenschweren Rettungsmaßnahmen als "schmerzhaft" bezeichnet. Die Mittelmeerinsel werde aber "wieder auf die Beine kommen", gab sich Anastasiades am Montagabend in einer vom Fernsehen übertragenen Rede an die Nation überzeugt.

Die Verhandlungen mit der Eurozone und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) bezeichnete er als "sehr schwierig". Es habe dabei "dramatische Augenblicke" gegeben, sagte Anastasiades. Gemeinsames Ziel sei es aber gewesen, "unser Land zu retten". Die Finanzminister der Eurozone hatten am frühen Montagmorgen in Brüssel beschlossen, Zypern Finanzhilfen von bis zu zehn Milliarden Euro zu gewähren. Zugleich soll der Bankensektor des Landes umstrukturiert werden. Zudem ist ein Abschlag auf Bankguthaben von mehr als 100.000 Euro bei der marktführenden Bank of Cyprus in Höhe von 30 Prozent vorgesehen. Die Milliardenhilfen sollen der Eurorettungsfonds ESM und der IWF leisten.

"Nicht so einfach"

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte am Montagabend im ZDF, Zypern sei "in einer schwierigen Lage", aus der das Land "nicht so einfach" wieder herauskommen werde. "Deswegen werden die Menschen eine schwere Zeit haben, das ist unvermeidlich", sagte Schäuble. Er glaube aber, es sei "eine Vereinbarung getroffen, die die Grundlage sein kann für den bestmöglichen Weg, auch für Zypern, diese Krise zu überwinden".

Zyperns Präsident hat seine für 18 Uhr angekündigte Rede an die Nation zuvor auf unbestimmte Zeit vertagt - dann wurde sie überraschend doch übertragen.

Banken dürften sich nicht mehr auf Rettung verlassen  

Auch an den internationalen Märkten hat die Freude über die Einigung nur wenige Stunden gewährt. Spätestens als der Eurogruppen-Vorsitzende Jeroen Dijsselbloem sagte, der Umgang mit den beiden Großbanken Zyperns - also deren Abwicklung und Umstrukturierung - sei ein Modell für den Rest Europas, drehten die Börsen ins Minus. Dijsselbloem präzisierte auch, dass sich Banken künftig nicht mehr darauf verlassen sollten, dass sie gerettet würden.

Verstärkt wurde die Verunsicherung noch durch Medienberichte, die Ratingagentur Moody's werde Italiens Bonität herabstufen, auch wenn noch nicht bekannt ist, ob ein ursächlicher Zusammenhang mit der Lage Zyperns besteht. Immerhin hat die Europäische Zentralbank (EZB) am Montagabend angekündigt, sie werde den zypriotischen Banken weiter Nothilfen zur Verfügung stellen. Aber sie werde die Entwicklung weiter aufmerksam verfolgen. Damit ist aber vorerst das Überleben der beiden Großbanken gesichert.

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