Kinokritik

30. Mai 2019 12:13; Akt: 31.05.2019 08:32 Print

"Rocketman": Hits allein reichen nicht zum Glück

von Marianne Lampl - "Rocketman" ist ein Feuerwerk für die Augen, ein Genuss für die Ohren und leider etwas schal im Abgang.

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"Vielleicht hätte ich unauffälliger sein sollen", zweifelt Elton John (Taron Egerton) an sich selbst. Gold, Glitzer und ein Privatjet: Zu viel gibt's nicht bei Elton John (Taron Egerton). Ein Treffen, das ihr Leben veränderte: Musiker Elton John (Taron Egerton) und Textschreiber Bernie Taupin (Jamie Bell) beschließen, zusammenzuarbeiten. Elton John (Taron Egerton) verliebte sich in John Reid (Richard Madden), der sein Manager wurde und für fast 30 Jahre blieb. Eltons Mutter Sheila Eileen (Bryce Dallas Howard) interessiert sich hauptsächlich für eine Person: sich selbst. Unfähig, Zuneigung zu zeigen: Eltons Vater Stanley (Steven Mackintosh) Wo Elton ist, ist Party - und das von Anfang an. Der junge Reggie (Matthew Illesley) mit seiner Großmutter Ivy (Gemma Jones), bei der er aufwuchs. Der echte Elton John streut seinem Darsteller Taron Egerton und dessen Stimme Rosen. Taron sang alles selbst und macht seine Sache fantastisch. Ein Freak, der nicht in die englische Welt der 50er und 60er passt: Eltons Unangepasstheit wird in einer Musicalnummer erklärt. Bernie Taupin (Jamie Bell) und Elton ziehen für eine zeitlang zusammen. Bernie schrieb den Text zu u.a. Your Song und Candle in the Wind. Eiskalt und äußerst erfolgreich: Manager John Reid (Richard Madden) Elton liebt John (Richard Madden) und John liebt Eltons Geld Produzent Ray Williams (Charlie Rowe, re.) entdeckt Elton John, wird aber nach dem 5. Album abgesägt. Die 80er sind da und Elton John (Taron Egerton) lebt noch immer. Als Eltons Ex ihn vor die Tür setzt, ziehen er und Bernie Taupin (Jamie Bell) heim zu Eltons Mama. Die Karriere hebt ab: Sein erstes Konzert im Troubadour ist für Elton John (Taron Egerton) der Durchbruch. Ab jetzt kann ihn nichts mehr stoppen. Rock'n'Roll statt Klassik: Elton (Taron Egerton) wird erwachsen. Stiefpapa, Mama, Oma: Das ist Eltons Background. Vor dem Konzert, das sein Leben verändern wird, sperrt sich Elton noch mit einer Panikattacke am Klo ein. Erste ausverkaufte Hallen: Eltons Karriere startet durch. Oma Ivy ist die gute Seele des Hauses, Mama Sheila Eileen ist nur im Vergleich zum ständig abwesenden Vater warmherzig. Vom kleinen dicken Jungen zum Superstar, der Stadien füllt und leider auch selbst meist abgefüllt ist: Elton John Luxus allein macht nicht glücklich: Beim feinen Essen mit seiner Mutter macht sie Elton (Taron Egerton) bittere Vorwürfe, weil er ständig mit Alkohol- und Drogen-Geschichten in den Medien ist. Mama kommt zu Besuch und bringt die Nachbarn mit: Elton ist in seinem Luxus und seiner Drogensucht gefangen. Bruch mit Bernie: Elton (Taron Egerton) wirft dem Songschreiber (Jamie Bell) vor, ihn allein gelassen zu haben. "Your Song": Jeder im Haus erkennt, dass Elton hier etwas Außergewöhnliches gelungen ist. Es wird der erste große Hit. John Reid (Richard Madden) wechselt die Produzenten und bricht mit dem Duo, das Elton groß gemacht hat. Wenig überraschend kommt das nicht gut an. Pinball Wizard: Extravangant, schrill und immer mit einem Glas Hochprozentigem in der Hand Alles Geld der Welt kann Elton (Taron Egerton) nicht glücklich machen. Brille: check, Federn: check Songschreiber Jamie Bell als Bernie Taupin und Taron Egerton als Elton John in "Rocketman" Filmplakat: Rocketman läuft ab 30. Mai 2019 in Österreichs Kinos

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Elton John, das steht für schrille Kostüme, wahnwitzige Brillen, mehr Mega-Hits, als man an Fingern und Zehen abzählen kann, Drogen, Alkohol und die wilden 60er, gefolgt von den wilden 70ern und wilden 80ern.

Elton John, das war der dicke, kleine, sensible, unglaublich talentierte Junge Reginald Dwight, der zu einem schillernden Paradiesvogel wurde, der Stadien füllt und im Luxus schwelgt.

Taron Egerton ist Elton Johns Wunschkandidat

"Rocketman" ist Elton Johns Film-Biografie. Vieles an dem Film ist toll. Taron Egerton zum Beispiel, der Elton John verkörpert. Der 29-Jährige wird nicht müde, zu erzählen, dass "Rocketman" der wichtigste Film seines bisherigen Lebens ist. Und dass Elton ihm seinen Segen gegeben hat.

Taron Egerton singt Elton John

Kein Wunder, Taron legt eine außergewöhnlich tolle Leistung als Sänger hin. Aber es gibt einen Grund, warum Elton John ein Weltstar wurde. Egal, wie großartig der Gesang von Egerton ist, an den echten Elton kann er nicht herankommen. Sonst würde er sein Geld damit machen, Stadien zu füllen und nicht vor der Kamera zu stehen.

Eltons Wunsch nach Privatsphäre behindert den Film

"Rocketman" ist Elton Johns Film-Biografie, autorisiert von Elton John. Mitproduzent ist David Furnish, Eltons Ehemann. Das ist ist der Segen, aber auch das Problem des sehnlich erwarteten Biopics. Denn der Star schützt seine Privatsphäre eifersüchtig. Nichts von sich verraten zu wollen und trotzdem eine Biografie zu autorisieren, geht sich nicht ganz aus.

Verraten wird in "Rocketman" nur, was schon bekannt ist. Dass Elton aus einem lieblosen Elternhaus kommt. Dass er Kokain-abhängig, Medikamenten-abhängig, Shopping-süchtig, bulemisch und Sex-süchtig war.

Auf der Suche nach Liebe gerät Elton an den falschen, seinen Manager John Reid (Richard Madden), die Leere in seinem Leben betäubt er mit Luxus, viel Drogen und noch mehr Alkohol. Das kostet ihn zweimal fast das Leben. Und trotzdem steht er am nächsten Tag wieder auf der Bühne.


Große Tanzszenen, geniale Kostüme: "Rocketman"

Elton Johns Greatest Hits als Musical-Film mit Längen

Die besten Songs des Superstars sind geschickt in die Geschichte verwoben und treiben die Handlung voran. Sie machen das Biopic zu einem Musical mit Massen-Tanzszenen. Doch weil Elton John nicht zu viel preisgeben will, hat der Film Längen. Denn wie oft kann man erzählen, dass man sich nach Liebe sehnt, bevor es wirklich jeder verstanden hat? Zum Glück kommt bald der nächste Superhit, der die hin und wieder dünne Story kaschiert.

Kostüme und Maske sind oscarverdächtig

Apropos ablenken: Die Kostüme und Maskenbildner haben sich einen Oscar verdient. Man würde kaum glauben, was der Star im Laufe seines Lebens alles getragen hat, würde man die alten Fotos nicht kennen.

Trailer "Rocketman"

Trailer lenkt auf falsche "Bohemian Rhapsody"-Fährte

Doch gerade wegen der Kostüme und natürlich wegen der legendären Musik weckt der Trailer Erwartungen, die der Film nicht erfüllen will. Regisseur Dexter Fletcher gelang mit dem Biopic über die Band Queen ein immenser Erfolg. "Bohemian Rhapsody" endet in einem Triumph, obwohl jeder weiß, wie tragisch Freddie Mercurys Leben endete. Elton John sitzt mit 72 in einer seiner Villen, ist einer der reichsten Männer Englands, hat seine große Liebe gefunden, zwei wunderbare Kinder und ist gerade auf einer ausverkauften Tour. Trotzdem ist "Rocketman" soviel dunkler als die Queen-Biografie. Warum eigentlich?

Zuschauer sehnt sich nach ein bisschen Liebe

Wäre es zu viel verlangt gewesen, dem "Rocketman" am Schluss doch noch ein bisschen Liebe zuzugestehen, nachdem man zwei Stunden lang mit ihm mitgelitten hat? Mehr als nur eine kurze Einblendung im Abspann, dass Elton mit David Furnish glücklich wurde, ohne ihn je herzuzeigen? Das war Elton John wahrscheinlich zu persönlich. Und Persönliches will Elton John lieber für sich behalten.

Zum Vergleich: So singt der echte Elton John seinen Hit "Rocket Man" Live at the Royal Festival Hall London 1972

Fazit:

Geniale Songs, tolle Leistung des Casts, allen voran Taron Egerton, aber man wird das Gefühl nicht los, dass uns Elton über sein Leben eigentlich nichts verraten wollte.

"Rocketman" kann man sich trotzdem gut anschauen. Aber Achtung: Unbedingt vorher alle Elton John-Alben bereitlegen. Denn nachher will man sie unbedingt nochmal hören.

Rocketman läuft ab 30.5.2019 in Österreichs Kino

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