Filmkritik

10. Juli 2019 11:00; Akt: 10.07.2019 18:05 Print

"Vox Lux" zeigt die fertige Figur hinter dem Superstar

von Marianne Lampl - Ein Anschlagopfer wird zum Superstar. Natalie Portman lässt uns unsere Erwartungen an Prominente hinterfragen.

Bildstrecke im Grossformat »
Kostüm, Make-up, Hairstyling: Alles ist extrem, alles verdeckt die Person dahinter. Wie die echte Celeste (Natalie Portman) ist, weiß kaum jemand. Die junge Celeste (Raffey Cassidy) wird binnen kürzester Zeit zum Megastar. In einer Kleinstadt im Staat New York begann alles, hier kommt die junge Celeste (Raffey Cassidy) her, hierher kehrt die erwachsene Celeste (Natalie Portman) mit ihrer Tochter Albertine (Raffey Cassidy) zurück. Celeste (Natalie Portman) kehrt mit ihrer Tochter Albertine (Raffey Cassidy) zu einem ausverkauften Konzert in ihre Heimatstadt zurück. Erste Plattenaufnahme: Noch hat Celeste (Raffey Cassidy) keine Ahnung vom Pop-Business, das ihr Leben bestimmen wird. Wo Celeste (Natalie Portman) auftritt, spielt sie vor ausverkauftem Haus. Die Choreografie für Celestes Auftritte stammt von Benjamin Millepied, Ex-Ballett-Chef der Pariser Oper und seit "Black Swan" Natalie Portmans Ehemann. Pressekonferenz: Bei einem Anschlag trugen die Täter Masken aus einem von Celestes Musikvideos. Die Sängerin muss sich dafür verteidigen. Celeste (Natalie Portman) tut sich abwechselnd Leid und lässt den Star raushängen. Blöd kommen braucht ihr niemand. Auf der Bühne eine Lichtgestalt: Celeste (Natalie Portman) füllt weltweit Stadien. Alles glitzert, alles strahlt, aber wieviel davon ist echt? So genau kann das keiner sagen. Einst waren Celeste und ihre ältere Schwester (Stacy Martin) beste Freundinnen. Jetzt ist sie Kindermädchen und Kratzbaum gleichzeitig. Die Songs zum Film kommen zum Großteil aus der Feder von Sia, die auch als ausführende Produzentin mitmischte. Mit einem einfachen Song in einer Kirche beginnt für die 14-jährige Celeste (Raffey Cassidy) der Aufstieg zum Superstar. Clestes große Schwester Eleanor (Stacy Martin) begleitet sie überall hin. Mit zunehmendem Alter verändert sich die Beziehung der beiden. Albertine (Raffey Cassidy) wuchs bei ihrer Tante auf. Mit ihrer Mutter Celeste zu reden ist fast unmöglich. Große Show: Vom einfachen Mädchen ist nichts mehr über. Celestes Tochter Albertine (Raffey Cassidy) und ihre Schwester Eleanor (Stacy Martin) Vox Lux läuft ab 25.7.2019 in Österreichs Kinos.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Als ein Mitschüler ihrer High School wild um sich zu schießen beginnt, wird Celeste (Raffey Cassidy) in den Hals getroffen. Sie überlebt als einzige ihrer Klasse das Massaker a la Columbine. Frisch aus dem Spital entlassen, singt sie in ihrer Kirche einen selbstkomponierten Song über die Tragödie – und landet einen Hit.

Vom Opfer zum Superstar

Der Song ist der Startschuss für ihre Pop-Karriere. Mit ihrer Schwester (Stacy Martin) und ihrem neuen Manager (Jude Law) fliegt sie als junger Teenager erst nach Europa und schließlich als Superstar an die Spitze der Charts.

Jahre später, Celeste (Natalie Portman) ist inzwischen über 30 und hat eine Tochter im Teenageralter (wieder Raffey Cassidy), eröffnen Terroristen an einem Strand in Kroatien das Feuer auf Badegäste. Ihre Identität verschleiern die Schützen mit Masken, wie sie Celestes Tänzer tragen.

Zurück zum Ursprung - und wieder ein Anschlag

Celeste ist kurz vor ihrem Stadiontour-Auftakt. Ihr erstes Konzert soll sie nach langer Zeit wieder in ihren Heimatort führen. Die Öffentlichkeit will, dass das einstige Anschlagsopfer sich wegen des Anschlags in Kroatien rechtfertigt.

Trailer

Superstar-Hölle statt Traumleben

"Vox Lux" (lat.: Die Stimme des Lichts) zeigt das Leben eines Superstars mit verschobenem Fokus. Ein Erzähler und mit einer Handkamera gedrehte "Homevideo"-Einschübe verstärken den Effekt. Der Erfolg von dem so viele träumen, wirkt gruselig. Ohne je ein richtiges Leben kennengelernt zu haben, hat sie jede Bodenhaftung verloren.

Sie liegt am Boden ...

Hinte der Glitzerfassade ist Celeste statt eines Idols und einer Lichtgestalt eine fertige Figur. Egal ob auf die Fragen ihrer Tochter zu ihrem Privatleben oder die Fragen der Journalisten zum Anschlag, eine klare Antwort ist aus Celeste nicht herauszubekommen. Wird ihr eine Situation zu viel, reagiert sie aggressiv, lässt den Rockstar raushängen oder beginnt zu weinen, zerfließt in Selbstmitleid, greift zu Alkohol oder Drogen.

Auf der Bühne versteckt sich Celeste hinter Glitzer-Make-up und Kostümen. Pop mag sie, weil man über diese Musik nicht zu viel nachdenken muss.

... die Welt will zu ihr aufschauen

Wenn man der instabilen Persönlichkeit zuschaut, wie sie ihr Leben nicht auf die Reihe bekommt, kann man nicht verstehen, wie irgendjemand ihr nacheifern will. Aber Fans, Medien und Gesellschaft verlangen von Celeste, dass sie die Rolle eines Vorbilds, einer moralischen Instanz einnimmt.

Hier setzt Regisseur Brady Corbet ("Childhood of a Leader") an. Niemand würde einen Installateur um eine Operation bitten. Warum also wird eine Sängerin, die keine Ahnung vom wirklichen Leben hat, gefragt, was sich Terroristen denken, wenn sie auf Unschuldige ballern?

Einen Anschlag zu überleben macht eine Person zum Opfer. Nicht zum Guru, Vordenker oder zum guten Menschen.

Die Welt will zu Stars aufschauen, ohne jedoch hinter die Fassade aus Glitzer blicken zu können. Sie schaut zu jemandem auf, der am Boden liegt. Benebelt durch Alkohol und Drogen manchmal sogar buchstäblich.

Natalie Portman singt ihren Hit "Wrapped Up" auf der Bühne

Starke Stars

Jude Law, Natalie Portman und Sia waren am Film als ausführende Produzenten beteiligt, Sia hat für Portman auch die meisten der Songs geschrieben. Die Hauptdarstellerin beeindruckt mit ihrem Gesang.

Portman als Superstar und Law als ihr Manager machen ihre Sache gut, trotzdem treibt der Film ruderlos dahin, so wie Celeste durch ihr Leben.

Nebulöse Message

"Vox Lux" ist durchaus sehenswert, aber es bleibt das Gefühl, dass sich die Macher ein ambitioniertes Ziel gesetzt haben, das sie nicht erreichen. Dass da eine Message sein sollte, die beim Publikum nicht ankommt.

Vox Lux läuft ab 25. Juli 2019 in Österreichs Kinos.

Bleiben Sie informiert mit dem Newsletter von heute.at


Das könnte Sie auch interessieren:

Jetzt kommentieren

Kommentar lesen

Hier können Sie einen Kommentar zum Thema verfassen: