Filmkritik

06. Juni 2019 11:09; Akt: 06.06.2019 11:41 Print

"Dark Phoenix": X-Men-Finale ohne Feuerwerk

Nach fast 20 Jahren geht mit Jean Greys Auszucker die X-Men-Welt, wie wir sie kennen, unter. Statt großem Hurrah erwartet uns ein nettes Plätschern.

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Seit Disney Fox geschluckt hat, gehören die X-Men und die Avengers plötzlich zum gleichen Unternehmen. Es wird spekuliert, dass sie demnächst Seite an Seite auftauchen werden. Das X-Men-Universum, wie es bisher aussah, ist mit "Dark Phoenix" Geschichte.

Jean Greys (Game-of-Thrones-Star Sophie Turner) Abenteuer läutet nach fast 2 Jahrzehnten das Ende einer Ära ein. Leider haben die Macher die Chance nicht voll genützt.

Der gute Magneto, der böse Professor und die vergebene Chance

Den jungen X-Men um Professor Charles Xavier (James McAvoy) stünden in ihrer neuen Timeline wieder alle Möglichkeiten offen. Plötzlich können Mutanten, die von Anfang an dabei waren, sterben, Magneto (Michael Fassbender ist genial!) kann den Tag retten und der ständige Held Professor X muss erkennen, dass seine Weste gar nicht so weiß ist, wie er und alle seine Fans geglaubt haben. Trotzdem kommt das Pseudo-Finale schaumgebremst daher.

Die Story ist schnell erzählt: In den 90ern gerät ein Spaceshuttle voller Astronauten außer Kontrolle. Der US-Präsident ruft die X-Men um Hilfe. Das Mutanten-Team rettet den Tag, doch Jean Grey/Phoenix stirbt fast. Eine außerirdische Macht fährt in ihren Körper und macht sie schlagartig gefährlicher als alle anderen X-Men. Die Polizei will sie mit allen Mitteln aufhalten und auch manche der Mutanten wollen ihr an den Kragen.

Was sie alle nicht wissen: Außerirdische sind Grey gefolgt und wollen ihre immense Macht für eigene Zwecke missbrauchen und bedrohen so den Planeten.

Jean/Phoenix ist unkontrollierbar und psychisch labil. Die X-Men stehen vor schwierigen Fragen, auf die es keine leichten Antworten gibt. Wann ist ein Freund ein Freund und wann muss man beginnen, ihn zu bekämpfen? Professor X muss sich mit Kritik aus den eigenen Reihen auseinandersetzen. Bis wann ist man noch ein wohlmeinender Mentor, ab wann wird man ein manipulativer Despot?

Trailer:

Schaumgebremstes Finale

"X-Men: Dark Phoenix" will die Mutantentruppe nach dem enttäuschenden "X-Men: Apocalypse" aus ihrem Tief holen. Das schafft der Film auch zum Teil. Genug Dramatik bietet das Drehbuch, aber so richtig abheben will die Story nicht.

Das hat mehrere Gründe: Einerseits spart "X-Men: Dark Phoenix" mit Hintergrundinfos. Von den Außerirdischen, die immerhin die Menschheit bedrohen, erfährt man nicht einmal den Namen. Dafür werden Storyelemente wiedergekäut, die man bereis aus vorhergehenden Filmen kennt.

Dramatische Kämpfe als Drehbuch-Schwachstelle

Die Kampfszenen sind groß aufgezogen und dramatisch anzuschauen (Magneto schiebt eine U-Bahn in ein Haus! Ein Zug verdreht sich in sich selbst und zerlegt sich in seine Einzelteile!). Man wird das Gefühl aber nicht los, dass die Kampfszenen nur zum Gaudium der Zuschauer eingebaut wurden, um mit visuellen Effekten aufzutrumpfen.

Phoenix und die Außerirdischen lassen die X-Men so alt aussehen, dass der Kampf eigentlich nach wenigen Sekunden vorbei sein könnte. Dass sie geduldig stehen bleiben und immer und immer wieder auf sich schießen lassen, ergibt zwar gute Bilder, ist aber ziemlich sinnbefreit.

Fazit:

"X-Men: Dark Phoenix" sollte man als Fan nicht auslassen und es ist sogar für Neulinge ein guter Einsteigerfilm. Für das Finale einer epischen Filmreihe hätte man sich aber ein bisschen mehr erwartet.

"X-Men: Dark Phoenix" läuft ab 7. Juni in Österreichs Kinos.

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(lam)

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