65.000 in der Innenstadt

04. September 2018 07:49; Akt: 04.09.2018 08:39 Print

Protest-Konzert legt Chemnitz praktisch lahm

Die Toten Hosen machten sich mit anderen deutschen Bands gegen rechte Gewalt stark. Trotz chaotischen Verhältnissen blieb es friedlich.

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Nach dem gewaltsamen Tod eines 35-jährigen Deutschen marschieren in Chemnitz die Rechtsradikalen auf und bringen der Stadt eine traurige Schlagzeile nach der anderen. Größen der deutschen Punkrock- und Hip-Hop-Szene hielten dagegen und veranstalteten in Chemnitz ein Gratis-Konzert. Unter dem Motto "Wir sind mehr" wurde gegen rechte Gewalt gerockt.

20.000 wurden in der Innenstadt am Karl-Marx-Monument erwartet, laut "Bild" waren es am Ende 65.000. Gewalttätige Auseinandersetzungen blieben aus, von den 79 Menschen, die medizinisch versorgt werden mussten, klagten die meisten lediglich über Kreislaufprobleme. Elf kamen ins Spital. Eine gute Bilanz für ein Konzert dieser Größenordnung.

Die größte Belastung brachte der Event dem Nahverkehr der Stadt. Die Toten Hosen richteten auch ihnen ein herzliches Dankeschön aus. "Chemnitz: Danke an alle, die hier waren und alle, die nie angekommen und im Verkehrschaos stecken geblieben sind", heißt es auf dem offiziellen Instagram-Account der Band. "Ihr habt heute Geschichte geschrieben!"

Die Rückreise der Fans gestaltete sich dann doch einfacher als gedacht. "Ich weiß nicht, wie sie's geschafft haben", zitiert "Bild" eine Sprecherin der Deutschen Bahn. "Es sind alle weggekommen."

Klare Ansagen
Das "Wir sind mehr" startete mit einer Schweigeminute, dann wurde es laut in Chemnitz. Neben den Toten Hosen traten auch Kraftklub, K.I.Z., Trettmann, Feine Sahne Fischfilet und Nura/Marteria & Casper auf. Die Interpreten brachten ihre Messages klar auf den Punkt.

"Wer meint, Messer ziehen zu müssen, ist ein verf… A…loch!", verkündete etwa Monchi, seines Zeichens Sänger von Feine Sahne Fischfilet. Aber die Trauer zu missbraucen, um Menschen wegen Hautfarbe zu attackieren, das sei nicht weniger schlimm.

"Wir geben uns nicht der Illusion hin, dass man ein Konzert macht und dann ist die Welt gerettet", erklärte Kraftklub-Frontman Felix Brummer. "Manchmal ist es wichtig, zu zeigen, dass man nicht allein ist."

Keine Gegen-Demonstrationen
Rechte Gegenveranstaltungen hatte die Stadt Chemnitz zuvor untersagt. Das ausländer- und islamfeindliche Bündnis Thügida und die rechtspopulistische Bewegung Pro Chemnitz durften nicht demonstrieren - weil durch das Konzert bereits alle Veranstaltungsflächen belegt waren.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • WehrtEuchEndlich am 04.09.2018 09:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesinnungsterror

    Typisch, dass man bei Linken Gegenveranstaltungen untersagt, während man umgekehrt sehr wohl toleriert, dass Linke Horden bei angemeldeten Demos der andersdenkenden Bürger randalieren. So ist man dann zwangsläufig in der Mehrheit, obwohl die reale Mehrheit längst genug hat von dieser Links-Linken Wahnsinnsideologie, die uns alle in den Abgrund zu reißen droht.

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  • Sochal am 04.09.2018 09:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gratis Konzerttickets

    Ja klar bei dem Lineup sind die Leute bestimmt wegen der Message gekommen und nicht wegen gratis Konzerttickets... immer wieder schön zu sehen wie sich so manche selbst belügen!

  • Phönix am 04.09.2018 10:14 Report Diesen Beitrag melden

    Und wann gibt es Gratiskonzerte

    gegen Gewalt von Links? Wann für die "sexuelle Unverwundbarkeit unserer Frauen"? Hoffentlich auch bald, denn sonst müsste man diese Aktion als Heuchelei, als spekulative Eigenwerbung bzw. reinen Aktionismus bezeichnen.

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • Mario am 04.09.2018 20:48 Report Diesen Beitrag melden

    Finde es sehr, sehr bedenklich ...

    ... liebe Heute-Redaktion, dass ihr da so mitmacht und alle Chemnitzer über einen Kamm schert und als Rechtsradikale kategorisiert!!!Das ist nicht korrekt!Vor allem weil doch jeder sich inzwischen sein eigenes Bild machen kann und auch gemacht hat auf anderen, nennen wir es Internetseiten.Bin sicher dies ist euch auch nicht entgangen.Zieht man dann noch die Kommentare und die Aufruf-Counter in betracht könnt ihr easy 1+1 zusammenzählen und zum Schluss kommen, dass man sich so keine Freunde macht.Da scheinen andere Meinungsmacher die Scheckbücher gezückt zu haben.STOP THAT!

    • Bergischer Zwergkräher am 05.09.2018 08:28 Report Diesen Beitrag melden

      Da schau' her !

      @Mario: Das WUNDERT mich jetzt aber, dass die Heute-Schreibstube Deinen Kommentar veröffentlicht hat. Sonst wird nämlich jede kritische Äußerung zur "Haus-Redigierung" streng ignoriert...

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  • angi am 04.09.2018 13:07 Report Diesen Beitrag melden

    an die Opfer denkt niemand

    wann gibt es ein Konzert für alle Opfer seit 2015 (nicht nur in Deutschland)

    • Coucou de Rennes am 05.09.2018 08:32 Report Diesen Beitrag melden

      Alles da.....

      @Angi: Es gibt eine eigene Internet-Liste mit allen Anschlägen un der (erschreckend hohen) Zahl von Terror-Opfern in Europa....selber googeln !

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  • Habakuk am 04.09.2018 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    Brot und Spiele

    Wie im alten Rom. Der Tod von einem Menschen wird von ca. 65.000 Teilnehmern betanzt! Nicht nur mir fehlen die Worte!!!!!!

    • Kritischer Geist am 04.09.2018 12:36 Report Diesen Beitrag melden

      @Habakuk

      Und dann wirft man den wirklich Betroffenen vor, sie würden diesen Tod für rassistische Hetze instrumentalisieren.

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  • Hans Bender am 04.09.2018 11:10 Report Diesen Beitrag melden

    UNVERSTÄNDLICH ! ! !

    Mal sehen , ob sich die auch dann noch abfeiern , wenn MUDDI noch weitere X- Millionen kulturfremde Wertefeinde ins Land holt . 65.000 gröhlen sich in den kommenden sozialen , gesellschaftlichen und kulturellen Untergang ! Verrückt ! ! !

    • Geri am 04.09.2018 22:27 Report Diesen Beitrag melden

      @Hans Bender

      Das erinnert mich ein wenig an Star Wars Episode 3. Als alle gejubelt haben als Palpatine das Imperium ausrief !

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  • jeeep! am 04.09.2018 10:27 Report Diesen Beitrag melden

    Schade ....

    Solange immer wieder Rechts von Links und Links von Rechts provoziert wird, wird es ganz einfach leider kein friedliches Miteinander geben

    • Deutsches Zwerg-Lachshuhn am 05.09.2018 08:42 Report Diesen Beitrag melden

      GENAUE Analyse ?!

      @Jeep: Das "friedliche Miteinander" können Sie sich aber seit der Zwangsinvasion Europas abschminken; und um "links" gegen (sogenanntes) "rechts" geht es doch schon lang nicht mehr.....sondern vielmehr um "Elite" (Mutti/Steinmeier) gegen breite Bevölkerung ! Die ehemaligen "Ossis" haben da anscheinend weitaus sensiblere Antennen...warum wohl ?!

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