"Babylon Berlin"

29. September 2017 03:45; Akt: 13.10.2017 07:33 Print

Karl Markovics: "Es geht nicht nur um Sex-Szenen"

von Liisa Mikkola - Am 13. 10. startet die neue SKY-Serie "Babylon Berlin". Darsteller Karl Markovics erklärt im "Heute"-Talk, warum es in der Serie um weit mehr als nur um Sex geht.

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Berlin im Jahr 1929: Die neue historische Action-Drama-Serie "Babylon Berlin", basierend auf den Romanen von Volker Kutcher, folgt dem Kommissar Gereon Rath (Volker Bruch), der in einem Erpressungsfall mit Verbindungen zu einem Pornoring ermittelt. Immer tiefer gerät er dabei in eine Dschungel aus Korruption, Prostitution und Waffenhandel. Regie führen Tom Tykwer, Henk Handloegten und Achim von Borries.

Cast & Serienstart
Zu den weiteren Darstellern zählen, unter anderem Karl Markovics ("Der Fälscher"), Hannah Herzsprung, Matthias Brandt, Jeanette Hain und Benno Fürmann.
"Babylon Berlin" feiert am 13. Oktober bei SKY und SKY Ticket Premiere . Die 16 Episoden (zwei Staffeln) sind immer freitags um 20.15 Uhr in Doppelfolge zu sehen.

Karl Markovics im Gespräch
"Heute" hat den österreichischen Filmstar Karl Markovics in Wien getroffen. Im Interview verrät er, was ihn an der Serie gereizt hat, warum die freizügigen Szenen in "Babylon Berlin" nicht so relevant sind und ob Fernsehen das neue Kino ist.

"Heute": Wie würden Sie ihre Rolle beschreiben?

Markovics: Samuel Kattelbach ist ein österreichischer Journalist und Schriftsteller, der für eine große Zeitung als Korrespondent in Berlin arbeitet. Die Figur ist in Anlehnung an Feuilletonisten aus der Zeit - wie Alfred Polgar, Joseph Roth, Anton Kuh - entwickelt worden.

"Heute": Was hat Sie an der Rolle gereizt?

Markovics: Ich habe einen unglaublich schönen Brief von allen drei Regisseuren bekommen. Außerdem mag ich die Figur sowie das Buch. Und ich lese gerne Alfred Polgar und Joseph Roth.

"Heute": Wie ist die Arbeit als Österreicher mit einem Cast, in dem vorwiegend Deutsche dabei sind?

Markovics: Ich habe seit sieben Jahren keinen österreichischen Film mehr gedreht. Heuer das erste Mal wieder. Ich habe davor schon in Österreich gedreht, aber nur deutsche Produktionen. Für mich ist es etwas ganz Normales mit deutschen Schauspielern zu drehen. Es ist allerdings das erste Mal seit langer Zeit, dass ich wieder einen Österreicher in einer deutschen Produktion spiele.

"Heute": Es ist sicher angenehm mal Österreichisch sprechen zu dürfen...

Markovics: Nein, das ist mir eigentlich wurscht. Es ist eher schwierig, da ich es gewohnt bin, wenn in Deutschland drehe, hochdeutsch oder sogar bundesdeutsch zu sprechen. Und ich muss mich dann bemühen. Der Kattelbach spricht ja nicht wirklich Dialekt, sondern österreichisches Hochdeutsch. Er spricht nicht so, wie sich die Deutschen einen Österreicher vorstellen.

"Heute": Wodurch erklärt sich der Reiz den die Goldenen Zwanziger auch heute noch auf TV- und Filmschaffende ausüben?

Markovics: Dass sie gar nicht so golden und unseren gar nicht so unähnlich waren. Dass sowohl politische als auch gesellschaftliche Unsicherheit immer extrem riskant ist.

"Heute": Sie meinen die Serie hat eine gewisse Aktualität?

Markovics: Ja, die Serie hat auf jeden Fall eine Aktualität - auch aufgrund der politischen Lage. Wir haben plötzlich wieder aufkeimenden Nationalismus und zunehmenden Rechtswuchs. Einen Ruck in vielen europäischen Staaten.

Wir haben heute ähnliche Probleme, wie die Menschen damals. Die Gesellschaft hat sich damals in einem Umbruch gefunden: Rationalisierung, der Geschwindigkeitsrausch, das Rationalisieren von Arbeit, das Prekariat.

All diese Themen, die heute noch wichtig sind, waren voll ausgeprägt. Insofern ist es fast wie ein Zerrspiegel. Wir sehen die Probleme von damals, die wir heute haben, nur zugespitzt. Das macht auch den Reiz von Babylon Berlin aus. Es geht hier nicht nur um Sex-Szenen.

"Heute": Die Serie ist eine der teuersten deutschsprachigen Serien. Wofür wurde so viel Geld ausgegeben?

Markovics: Eine historische Serie, in dieser Qualität - das können Sie nicht billig machen. Das sieht dann auch billig aus. Sie brauchen bei einer historischen Serie oft hunderte Komparsen. Dafür sind aufwendiges Make-up und aufwendige Kostüme notwendig. Das Geld ist schneller weg, als man glaubt.

"Heute": Ist Fernsehen das neue Kino?

Markovics: Für das junge Publikum ist das mit Sicherheit der Fall. Sie bringen junge Leute eher dazu einen gemeinsamen Serien-Abend ihrer Lieblingsserie zu machen oder sich beispielsweise die dritte Staffel eine ganze Nacht reinzuziehen.

Früher war es ja üblich ins Non-Stop-Kino zu gehen. Ich kann mich erinnern, ich war mit meiner Mutter in Wien einkaufen. Das war in den späten 60er Jahren. Und da ist man ins Non-Stop-Kino gegangen. Heute ist es das Fernsehen. Für die jungen Leute sind es vor allem die großen amerikanischen Miniserien. Und "Babylon Berlin" versucht zu beweisen, dass das auch in Europa möglich ist.

"Heute": Könnten Sie sich vorstellen wieder etwas für's TV zu machen?

Markovics: Ja sicher! Wenn der Stoff so eine Brisanz und Qualität hat, wie diese Serie, kann ich mir das sofort vorstellen. Ich werde nächstes Jahr vermutlich einen Fernsehkrimi machen.

"Heute": Berlin rückt immer mehr in den Fokus internationaler TV- und Filmemacher ("Homeland", "Berlin Station", "Babylon Berlin"). Wäre das für Wien auch vorstellbar?
Theoretisch ja, praktisch fällt mir dazu nicht ein, wer den Mut aufbringen sollte, das Geld in die Hand zu nehmen. Mir fällt ehrlich gesagt, auch nicht der Stoff ein, der es rechtfertigen würde, so etwas in Wien zu machen. Am ehesten eine Serie, die in der Zeit des Kalten Kriegs spielt.

"Heute": Was machen Sie lieber - Schauspiel oder Regie?

Das ist so unterschiedlich in der Art und ich muss mich zum Glück auch nicht entscheiden. Die Frage stelle ich mir nicht.

Trailer zu "Babylon Berlin"


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