Szene

Proll: "Die intellektuelle Elite sagt zu uns: Pfui!"

Heute Redaktion
13.09.2021, 22:23

Am 25.10. versetzte Nina Proll die Social-Media-Meute mit 2.165 Zeichen in allergrößte Wallung. Ab 8.1. wird die Debatte wohl wieder aufkochen – "Vorstadtweiber", Runde drei!

Mit großer Wonne drehen Nina Proll alias Nicoletta und ihre "Busenfreundinnen" Maria Köstlinger (Wally), Martina Ebm (Caro), Hilde Dalik (Vanessa), Gerti Drassl (Maria) und Co. ab 8.1. (20.15 Uhr, ORF eins) das "sexistische Schwert" um: Die "Vorstadtweiber" gehen in die dritte Staffel, ihre Feuertaufe als heiße Furie feuert Doris Golpashin (Putzfrau Zorica). Bei der Medienpräsentation auf der Wiener Summerstage haben wir (ein Monat nach ihrem polarisierenden Facebook-Post) mit Proll über Anfeindungen, sexuelle Aggression von Frauen und betroffene Gesichter gesprochen.

"Heute": Macht's Ihnen nach dem #metoo-Wahnsinn jetzt noch mehr Spaß, TV-Fans diesen vor Incorrectness triefenden Sud vor die Füße zu leeren? Weil. Den "Vorstadtweibern" kann man ja nichts, die sind ja total überhöht…?

Proll: Vor allem ist die Serie so beliebt, dass wie ein bissl Narrenfreiheit haben. Vor einem Jahr hat sich keiner daran gestoßen, dass Proschat Madani dem Kellner mit einem "Hop Hop, an die Arbeit" in den Schritt greift. Jetzt empfindet man es als schockierend. Umso mehr Spaß macht es, das sexistische Schwert umzudrehen und zu zeigen, dass wir Frauen den Männern genau so begegnen dürfen, wie sie uns.

"Heute": Wer feindet Sie und Ihre "Freundinnen" an? Beim Interview zur letzten Staffel meinten Sie, "Feministinnen und all Frauen, die ihre sexuelle Freiheit nicht ausleben ausleben dürfen." Ist das auch heute noch so?

Proll: Ja. Die intellektuelle Elite, die vermeintlich feministische Texte schreibt oder glaubt, dass nur sie weiß, wie Feminismus funktioniert, findet uns pfui. Warum, das muss man sie selber fragen. Ich finde die Tatsache, dass es eine Serie gibt, in der fünf Frauen die Hauptrolle spielen, ist schon ein feministischer Großakt. Und dann noch der Humor und der Sexismus, der von uns praktiziert wird. Das ist einzigartig und trifft einen Nerv dieser Zeit. Auch, wenn die Frauen in unserer Serie natürlich den einfachsten Weg wählen, nämlich den, sich einen einflussreichen Mann zu angeln, um ihre gesellschaftliche Stellung zu verbessern. Noch besser wäre es natürlich, unsere "Vorstadtweiber" hätten selber einen Job und würden aus eigener Kraft etwas schaffen. Aber das Lustige ist ja, dass sie immer wieder so halbherzige Versuche machen und doch immer wieder scheitern. Für Zuschauer ist es natürlich auch wahnsinnig lustig, Frauen zu sehen, die in die vermeintlich bessere Gesellschaft wollen uns dabei immer wieder auf die Nase fallen. Trotzdem drängen sie immer wieder dort hin.



"Heute": Gibt's auch plumpe Attacken auf offener Straße?

Proll: Gar nicht. Frauen kommen viel mehr zu mir und sagen, wie sehr sie schon auf die dritte Staffel warten. Im Zuge meiner Bundesländer-Tour für meinen aktuellen Film ("Anna Fucking Molnar", Anm.) kamen Mädelsrunden zu mir und meinten: "Wir sind die Vorstadtweiber aus Freistadt". Oder Linz. Oder so.

Cheeese: Gar nicht so leicht für die Crew, die richtige Pose für die Fotografen zu finden

"Heute": Welche Reaktion auf Ihren Facebook-Eintrag hat sie am meisten überrascht?

Proll: Dass 500.000 Leute ihn gelesen haben und sich so viel aus der Seele gesprochen fühlten, damit hab ich nicht gerechnet. Ich hab im ersten Moment ja nur meinem eigenen Ärger Luft machen wollen. Aber natürlich schon mit der Absicht, dass es zu einer ernsthaftere Diskussion führt. Ich hatte den Eindruck, die gab es nicht. Es gab nur betroffene Gesichter.



"Heute": Gab's einen Moment, in dem sie danach gezaudert haben, diese Debatte weiter öffentlich zu führen?


Proll: Ja, ich wollte das ursprünglich ja überhaupt so stehen lassen. Ich hab aber gemerkt, dass das nicht geht, weil es so viele Menschen missverstehen. Also musste ich es erklären. Und deshalb hab ich das Ö3-Frühstück bei Claudia Stöckl gemacht. Ich hab mich ja schon davor mehrmals hingesetzt und versucht, etwas zu schreiben. Aber das hab ich immer wieder verworfen und mir gesagt, ach, was geht's dich an. Aber es geht mich was an. Das ist ein gesellschaftliches Thema, das geht uns alle was an. Auch die Männer, mit denen ich arbeite. Ich hatte halt das Gefühl, dass das Klima, in dem man arbeitet, sich zum Negativen verändert. Es gibt nur mehr Verlierer. Frauen, die sich schlecht fühlen. Männer, die sich schlecht fühlen. Das kann im 21. Jahhundert nicht die Lösung sein. Das gibt's doch nicht, dass wir hier in Mitteleuropa nicht damit fertig werden, wenn uns einmal wer einen schmutzigen Witz erzählt oder aufs Knie greift. Das kann ich nicht glauben.



"Heute": Ihr Mann Gregor Bloéb unterstützt Sie in dieser Sache nach vie vor. Sie meinten ja, er hat derartige Übergriffe selber schon zigfach erlebt…?


Proll: Ja, aber da ist ganz wichtig, zu sagen: Das definiert er ja nicht als solche. Das ist ja lustig, der amüsiert sich ja darüber. Er kommt nicht zu mir her und meint: "Ach Schatz, heute wurde ich wieder sexuell belästigt". Ich glaube halt, dass Frauen sexuell sehr aggressiv sein können. Und Männer werfen ihnen das nie vor. Ein Mann würde einfach nie auf die Idee kommen, zu behaupten, er wäre sexuell belästigt werden. Außerdem: Mein Mann kann sich wehren, da mach ich mir keine Sorgen.

"Heute": Gab's nach dem "Frühstück bei mir" ein Nachspiel mit Gabriela Benesch?

Proll: Nein, und ich möchte über sie auch gar nichts mehr sagen, weil ich sie mag. Aber wenn Sie mich via Facebook angreift, muss ich mich verteidigen. Ich bin da ja auch nicht besser: Auch ich bin schon mit tiefem Ausschnitt auf dem Schoß eines Produzenten gesessen. Aber ich Gegensatz zu ihr beklage ich mir hinterher aber nicht darüber, wie übel das Business ist.

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