Drama im Mittelmeer

26. Juni 2018 07:21; Akt: 26.06.2018 07:21 Print

Auf Flüchtlingsschiff bricht Krätze aus

Niemand will die 230 Migranten und 17 Besatzungsmitglieder auf dem deutschen Rettungsschiff Lifeline aufnehmen. Die Lage an Bord wird immer schlimmer.

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Das dänische Containerschiff Alexander Maersk mit mehr als 100 geretteten Migranten an Bord hat nach tagelangem Warten in Italien angelegt.

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Während das Rettungsschiff Lifeline mit rund doppelt so vielen Insassen weiter im Meer vor Malta ausharren muss, konnte der Frachter nach Medienberichten in der Nacht auf Dienstag im sizilianischen Pozzallo ankern. Erst kurz zuvor hatte die neue Regierung Italiens dies genehmigt.

Der Bürgermeister der Stadt Pozzallo erklärte italienischen Nachrichtenagenturen am Montagabend, Innenminister Matteo Salvini habe der Alexander Maersk erlaubt, in den Hafen einzulaufen. "Wir werden diese Menschen mit der gleichen Menschlichkeit wie immer aufnehmen", sagte Roberto Ammatuna. "Heute ist ein wichtiger Tag, weil es sich (...) gezeigt hat, dass die Solidarität immer noch ein verbreitetes Gefühl ist."

Das Schiff der Reederei Maersk hatte in der Nacht auf Freitag 113 Migranten im Mittelmeer aufgenommen und die letzten Tage auf die Erlaubnis gewartet, anlegen zu dürfen. Salvini, Chef der rechten Regierungspartei Lega, will vor allem Hilfsorganisationen die Häfen in Italien versperren. Er hält die Freiwilligen für Handlanger der Schlepper.

Sofortige Beschlagnahmung

So harren etwa 230 Migranten und 17 deutsche Besatzungsmitglieder seit Donnerstag auf dem Schiff Lifeline der Dresdner Organisation Mission Lifeline im Meer vor Malta aus. Kein Land hat sich bisher bereiterklärt, die Lifeline aufzunehmen.

Salvini und auch der Chef der mitregierenden Fünf-Sterne-Bewegung, Luigi Di Maio, sagten, wenn die Lifeline in Italien anlege, werde das Schiff sofort beschlagnahmt und die Besatzung festgenommen. Malta und Spanien hatten auch schon abgelehnt.

"Katastrophale hygienische Verhältnisse"

Für Dienstag ist schlechtes Wetter angekündigt, was die Lage der Menschen an Bord noch prekärer machen würde. Um Mitternacht schrieben die Helfer auf ihrer Twitter-Seite: "Gerade eben musste der erste wegen eines medizinischen Notfalls von der Lifeline evakuiert werden." Und auch für alle anderen würden sich die Bedingungen zusehends verschlechtern.

Laut dem "Focus" sei an Bord mittlerweile sogar die Krätze ausgebrochen. Mehrere deutsche Politiker, welche das Schiff besucht haben, berichten dem Magazin, dass die "hygienischen Verhältnisse katastophal" seien. "Ich habe einen Säugling mit den juckenden, rötlichen Hautreizungen gesehen", sagte die Grünen-Abgeordnete Luise Amtsberg. "Die Leute haben keine Reserven mehr."

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(chk/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Max Mustermann am 26.06.2018 07:42 Report Diesen Beitrag melden

    Schlepperei

    Das sind keine Rettungsschiffe. Das ist Schlepperei übelster Art. Hört auf, uns das als karitative Aktionen darzustellen. Mir tun ausschließlich die Europäer leid, die diese Leute ohne Perspektive aufnehmen sollen.

  • Michael am 26.06.2018 08:06 Report Diesen Beitrag melden

    sofort verhaften

    Das sind einfach Handlanger der Schlepper - und nichts anderes ! Wenn sie Menschen retten wollten, warum bringen sie diese dann nicht auf dem kürzesten Weg ans Festland ? Und der kürzeste Weg ist nicht nach Europa !! Im Endeffekt könnten sie die Personen ja gleich von der anderen Seite des Mittelmeeres abholen und herüberbringen.

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  • Reinhard am 26.06.2018 07:54 Report Diesen Beitrag melden

    Verwantwortungslos

    Ich finde es verantwortungslos von der Crew die Menschen so nah vom rettenden Ufer an Bord zu nehmen und hunderte Kilometer weit über offenes Meer zu transportieren und sie dann in irgendeinem Hafen ihrem Schicksal zu überlassen.

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • Peter Rudolf Vavak am 26.06.2018 16:47 Report Diesen Beitrag melden

    Hamburger Hafen

    ---zum Hamburger Hafen und dann zu Familie Merkel,,Willkommen" !!

  • Reinhard am 26.06.2018 11:30 Report Diesen Beitrag melden

    Man muss sofort dafür sorgen

    dass dieses Schiff wieder nach Lybien fährt. Wer weiss welche Krankheiten die noch an Bord haben. Für die deutschen Besatzungsmitglieder wird man ja in Lybien Quarantänestationen haben.

  • Gertrude am 26.06.2018 11:22 Report Diesen Beitrag melden

    Schlepperei muß gestoppt werden!

    Die Lifeline ist ein deutsches Rettungsschiff, ergo durch die Strasse von Gibraltar, an Spanien und Portugal und Frankreich vorbei, durch den Ärmelkanal nach Deutschland! Es ist ein deutsches Schlepperschiff, also zurück dorthin, wie kommen die europäischen Mittelmeerstaaten dazu, diese Schiffe anlegen zu lassen? Ein BRAVOOO an Salvini! Hart bleiben!

  • Drakensang am 26.06.2018 11:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlepperei mit Nötigung

    Nicht nur dass die Leute mit Schiffen, nicht ausreichender medizinischer Versorgung, schlechten hygienischen Verhältnissen herumgekarrt werden, kommt es dann noch bei Nichtaufnahme seitens der Zielstaaten zu einer humanitären Nötigung, was unbedingt sofort abgestellt gehört.

  • jklöalsdf am 26.06.2018 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    Return to sender

    Und wir drücken schon wieder auf das Gewissen! Das Einfachste wäre, die Leute wieder dorthin zu bringen, wo sie hergekommen sind.