Kindesmissbrauch

27. Februar 2019 07:24; Akt: 27.02.2019 07:30 Print

Australischer Kardinal George Pell inhaftiert

Der langjährige Papst-Vertraute George Pell ist nach seiner Verurteilung nicht mehr länger Finanzchef des Vatikans.

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Der australische Kardinal und frühere Papst-Vertraute George Pell ist nach seiner Verurteilung wegen Kindesmissbrauchs inhaftiert worden. Das ordnete ein Gericht in Melbourne am Mittwoch an.

Der Vorsitzende Richter Peter Kidd verzichtete darauf, dem 77-Jährigen wegen seines Alters oder seines Gesundheitszustands Haftverschonung zu gewähren. Zuvor hatten die Anwälte des Kirchenmannes einen Antrag zurückgezogen, dass der Geistliche gegen Kaution auf freiem Fuß bleiben darf.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft drohen dem früheren Finanzchef des Vatikan und Vertrauten von Papst Franziskus bis zu 50 Jahre Haft. Das Strafmaß soll am 13. März verkündet werden.

Der wegen Kindesmissbrauchs schuldig gesprochene australische Kurienkardinal und langjährige Papst-Vertraute George Pell ist nicht länger Finanzchef des Vatikans. Dies erklärte ein Vatikansprecher.

"Ich kann bestätigen, dass Kardinal George Pell nicht mehr Präfekt des Wirtschaftssekretariats des Vatikans ist", schrieb Vatikansprecher Alessandro Gisotti am Dienstagabend auf Twitter. Der Posten ist der drittwichtigste im Vatikan.

Pell hatte das Amt seit 2014 inne, das Mandat dauert üblicherweise fünf Jahre. Der Kardinal war aber bereits seit geraumer Zeit beurlaubt.

Schuldspruch unter Verschluss gehalten

Am Dienstag war bekannt geworden, dass ein Geschworenengericht den 77-Jährigen bereits im Dezember für schuldig befunden hatte, sich in den 90er Jahren in der Kathedrale von Melbourne an zwei Chorknaben vergangen zu haben. Um die Ermittlungen in einem zweiten Verfahren nicht zu beeinflussen, war der Schuldspruch bislang unter Verschluss gehalten worden.

Harter Schlag für katholische Kirche

Der Schuldspruch gegen Pell ist ein neuer harter Schlag für die katholische Kirche. Der Kardinal war lange Zeit einer der einflussreichsten katholischen Geistlichen. 2003 wurde er in das Kardinalskollegium berufen, das unter anderem den Papst wählt.

Die katholische Kirche sieht sich seit Jahren mit Missbrauchsskandalen in vielen Ländern konfrontiert. Dabei geht es auch um Vorwürfe der Vertuschung. Erst am Sonntag war im Vatikan ein mehrtägiger Krisengipfel zum Thema Kindesmissbrauch zu Ende gegangen. Papst Franziskus hatte zum Abschluss des Treffens versichert, die Kirche werde künftig jeden einzelnen Fall mit "äußerster Ernsthaftigkeit" verfolgen. Konkrete Maßnahmen kündigte der Papst aber nicht an.

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  • Vero am 27.02.2019 09:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Strenge Gesetze

    Respekt - dort gibt es eine knallharte Rechtssprechung! Wie würde das Urteil in Österreich ausgesehen??????

  • Kardinal am 27.02.2019 09:39 Report Diesen Beitrag melden

    Sünde

    So kriminell, psychisch gestört u. traumatisierend (pädophile) sexuelle Gewalttaten eben sind, entfernt man geistliches Gewand, berufliche Position od. Bildungsniveau eines Priesters, bleibt doch nur ein simpler (alter) Mann übrig, der meist noch in recht jungen Jahren sich einer zölibatären Lebensweise verpflichtete. Dekaden andauernde Repression eines biologischen Imperatives (Sexualität) müssen fast zwangsläufig zu abnormem Verhalten führen. Es bedürfte schon wirklicher Selbstdisziplinierung u. echtem "Ruf", diesen Lebenswandel aufrechterhalten zu können, was nur Wenige schaffen.

  • PeterKarl am 27.02.2019 12:10 Report Diesen Beitrag melden

    Vorbild Australien

    Endlich wird mal ein Schuldiger inhalftiert. In D. gibt es das nicht, da existieren zwei Systeme: Die unschuldige Kirche und im Denken machtlose Politiker.

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  • PeterKarl am 27.02.2019 12:10 Report Diesen Beitrag melden

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  • Vero am 27.02.2019 09:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Strenge Gesetze

    Respekt - dort gibt es eine knallharte Rechtssprechung! Wie würde das Urteil in Österreich ausgesehen??????