"Todesurteil"

28. Juni 2017 08:44; Akt: 28.06.2017 10:00 Print

Eltern verzweifelt: Gericht lässt Baby Charlie sterben

Die Entscheidung ist endgültig: Gegen den Wunsch der Eltern werden die lebenserhaltenden Maßnahmen für ihr Baby abgebrochen.

Zum Thema
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Die Geschichte von Charlie Gard rührt zu Tränen: Er wurde vor zehn Monaten als Sohn von Chris Gard und Connie Yates in England geboren, die seitdem gegen Staat und Gericht um sein Leben kämpfen.

Umfrage
Hatten Mediziner das Recht, über Charlies Leben entscheiden zu dürfen?
76 %
23 %
1 %
Insgesamt 2370 Teilnehmer

Seltene Krankheit
Anfangs war Charlie noch kerngesund, aber nach acht Wochen diagnostizierten die Ärzte eine seltene genetische Krankheit, die Muskelabbau und schwere Hirnschäden zur Folge hat. Seit September 2016 liegt er im Krankenhaus, er wird derzeit von Maschinen am Leben erhalten.

Heilung in den USA?
Im Jänner hörten Connie und Chris von einer experimentellen Behandlung in den USA, die ihrem Sohn helfen könnte. Über eine Crowdfunding-Kampagne im Internet sammelten sie schnell die benötigten 1,4 Millionen Euro. Doch der englische Staat lässt das Baby nicht ausreisen.

Ärzte gegen Eltern
Ein erbitterter Kampf vor Gericht begann: Die Ärzte argumentierten, dass die Behandlung Charlie nicht hilft, sondern nur noch mehr Leid zufügt. Sie wollen das Baby "in Würde sterben lassen". Für Charlie gebe es keine realistischen Heilungschancen.

Recht auf Leben
Die Anwälte der Eltern werfen dem Staat Menschenrechtsverletzungen vor. Charlie habe das Recht auf Leben. Auch das Recht der Eltern auf Achtung des Privat- und Familienlebens sei verletzt worden.

Zweimal wurden die lebenserhaltenden Maßnahmen (Beatmung u.a.), auf die Charlie angewiesen ist, gerichtlich verlängert. Zuletzt entschied das englische Höchstgericht jedoch, dass die Ärzte das Baby sterben lassen dürfen. Charlies Mutter brach im Gerichtssaal zusammen.

Charlie wird sterben
Eine allerletzte Instanz gab es aber noch: Den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR). Seit Dienstag sind die Hoffnungen der Familie endgültig zerschmettert: Der EGMR gibt dem englischen Gericht recht.

"Deadline"
Charlie wird sterben. Und das schon in wenigen Tagen. Die Behandlung in den USA wird er nicht erhalten. Die Eltern haben sich noch nicht zu diesem endgültigen Urteil geäußert.

Für Charlies Tod haben die Ärzte sogar schon einen Zeitplan. Es gebe aber "keine Eile", diese einzuhalten, wie das Krankenhaus mitteilt.

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(csc)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mel.D. am 28.06.2017 10:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unvorstellbar

    Unfassbar!! Es gab schon so einige wunder die medizinisch nicht erklärbar waren... Die Eltern kennen das Kind am besten und wenn die Eltern das Gefühl haben das es dem kleinen gut geht und die Hoffnung besteht das der kleine leben könnte welche Eltern würden dann nicht alles dafür tun damit er die Behandlung bekommt!!! Eine Frechheit das das Gericht den beiden ihren Sohn nehmen will.. menschlich ist das nun wirklich nicht mehr das ist nur reine Machtausübung! Das tut mir unendlich leid für euch :-(

    einklappen einklappen
  • Vota am 28.06.2017 10:05 Report Diesen Beitrag melden

    dsgfsgsdg

    Die sollen doch bitte das Kind ausreisen lassen wenn die Familie eh das Geld hat.... Darf man nicht einmal mehr um ein Leben kämpfen solang man will und es sich leisten kann? Wenn ich die Möglichkeit hätte (sowohl Finanziell als auch Experimentell), wenn da noch ein Funke Hoffnung wäre für ein Baby, würd ichs auch versuchen. Und wer mich versucht aufzuhalten müsste selbst zusehen dass die Ärzte ihm im Falle des Falles nicht die Maschinen abdrehen....

  • Regnirkatto am 28.06.2017 10:15 Report Diesen Beitrag melden

    So traurig... :-(

    :-((((

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Victoria am 28.06.2017 15:30 Report Diesen Beitrag melden

    Hoffnung

    Die Hoffnung stirbt zuletzt, die Eltern sollten alleinige Entscheidungen treffen, sonst niemand.

  • Calimero am 28.06.2017 14:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Giovanni Maio

    Lebenserhaltende Maßnahmen bei einem Kind sind ein Sonderfall in der medizinischen Behandlung. Denn grundsätzlich wird etwa eine Beatmung nur aufrechterhalten, wenn sie medizinisch sinnvoll ist und der Patient dies auch ausdrücklich wünscht. Nur wie lässt sich der Wille eines Kindes feststellen, das noch nicht einmal Sprechen gelernt hat?

    • Abrid am 28.06.2017 15:19 Report Diesen Beitrag melden

      laut Gesetz

      kommt die gesetzliche Vertretung den Eltern zu - also hat mir das Gericht nichts zu sagen - "Obsorge, das ist das Recht zu Pflege und Erziehung, Vermögensverwaltung und gesetzlicher Vertretung" Wenn ich dann keine lebensverlängernden Maßnahmen bei meinem Kind setzen darf, gehören die Kinder eh schon dem Staat, sobald dem Staat nicht passt wie man mit seinen Kindern umgeht oder sie erzieht, "gehören sie dem Staat" - Enteignung auf komische Art und Weise

    • Ariane am 28.06.2017 16:01 Report Diesen Beitrag melden

      Kinder

      Enteignung? Da werden Kinder wohl mit den Familienhund verwechselt.

    • Eli am 28.06.2017 18:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Calimero

      dafür gibt es eltern!!!

    einklappen einklappen
  • Calimero am 28.06.2017 14:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fragen

    Charlies Geschichte weckt Emotionen, weil sie quälende Fragen aufwirft: Darf ein Leben enden, bevor es überhaupt richtig begonnen hat? Rechtfertigt Hoffnung eine experimentelle Therapie? Und nicht zuletzt: Wann ist es an der Zeit, einen geliebten Menschen gehen zu lassen?

  • NoKomment8 am 28.06.2017 14:18 Report Diesen Beitrag melden

    Kleiner Charly....

    hört sich vielleicht BRUTAL an...aber...das ist der Lauf des Lebens... GSD sind wir nicht betroffen bzw. in der Situation entscheiden zu müssen über Leben&Tod...

  • fuhrinat am 28.06.2017 13:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Charlie

    Die Möglichkeit zur Behandlung in den USA muss den Eltern gewährt werden. Sollte es nicht funktionieren, kann man das Kind immer noch einschlafen lassen. Die Vorstellung das die Behandlung vielleicht geholfen hätte , muss für die Eltern unerträglich sein.