Rettungsschiff

28. Juni 2018 06:12; Akt: 28.06.2018 06:13 Print

Lifeline hat nach Irrfahrt in Malta angelegt

Das Flüchtlings-Rettungsschiff Lifeline hat in Malta angelegt. Die schutzwürdigen Migranten werden auf mehrere europäische Länder verteilt.

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Die tagelange Irrfahrt des Flüchtlings-Rettungsschiffs Lifeline über das Mittelmeer ist vorbei: Das von der deutschen Hilfsorganisation Mission Lifeline betriebene Schiff mit rund 230 Flüchtlingen an Bord legte am Mittwochabend im Hafen von Valletta auf Malta an. Italien hatte dem Schiff ein Anlegen verweigert, Malta hatte erst nach mehreren Tagen einem Einlaufen zugestimmt. Die Migranten sollen nun auf acht EU-Staaten verteilt werden.

Die Lifeline hatte die Flüchtlinge am Donnerstag vergangener Woche vor der libyschen Küste gerettet. Seitdem harrte das Hilfsschiff in internationalen Gewässern aus.

Nach ihrer Ankunft auf Malta sollen die Flüchtlinge zunächst medizinisch versorgt, identifiziert und die schutzwürdigen auf die EU-Länder verteilt werden. Der maltesische Regierungschef Joseph Muscat erklärte dazu: Die Verfahren würden "unverzüglich beginnen", um die nicht asylberechtigten Flüchtlinge "in Übereinstimmung mit dem Gesetz" zurückzubringen. Die Erlaubnis zum Anlegen sei keine "Blaupause" für künftiges Vorgehen.

Diskussionen in Deutschland

Neben Malta erklärten sich nach maltesischen Angaben auch Italien, Luxemburg, die Niederlande, Portugal, Irland, Belgien und Frankreich bereit, Lifeline-Flüchtlinge aufzunehmen. Belgien und Luxemburg wollten nach eigenen Angaben jeweils 15 der Migranten aufnehmen, die Niederlande 20, Portugal etwa ein Zehntel der Flüchtlinge an Bord.

Auch in Deutschland hatte die Situation der Lifeline zu Diskussionen geführt. Mehrere Bundesländer hatten angeboten, ebenfalls Lifeline-Flüchtlinge aufzunehmen.

Innenminister Horst Seehofer verteidigte dagegen seinen harten Kurs in der Flüchtlingspolitik im Bundestag. Wegen der von anderen Staaten erklärten Aufnahmebereitschaft gebe es "nach momentanem Stand keine Handlungsnotwendigkeit für Deutschland". "Der bedauernswerte Fall der Lifeline zeigt, wie notwendig ein Regelwerk in Europa wäre", sagte Seehofer zu der tagelangen Odyssee des Schiffs.

"Seehofer trägt die Verantwortung"

Die Hilfsorganisation Mission Lifeline hatte Seehofer scharf attackiert und ihm zuvor vorgeworfen, vor dem Hintergrund des Asylstreits in der Union eine "Lösung zu blockieren". In einem Offenen Brief auf der Website der Organisation hieß es: "Es fühlt sich beschämend an, dass die Bundesregierung durch die Behinderung der Seenotrettung dazu beiträgt, dass mehr Menschen im Mittelmeer sterben."

Bevor das Schiff die Erlaubnis erhielt, in den Hafen von Valetta zu fahren, hatte Lifeline-Mitgründer Axel Steier zudem erklärt: Wenn die Lage an Bord des Schiffes angesichts des schlechten Wetters und der Erschöpfung vieler Flüchtlinge eskaliere, trage Seehofer allein die Verantwortung.

Die maltesischen Behörden kündigten an, das Schiff für Ermittlungen zu beschlagnahmen. Nach den Worten Muscats hatte der Kapitän gegen "internationale Gesetze verstoßen und Anweisungen der italienischen Behörden missachtet", und das Schiff damit selbst in seine schwierige Lage gebracht.

Dramatischer Appell

Die Hilfsorganisation wies die Vorwürfe zurück. Die Lifeline habe sich lediglich der Anweisung widersetzt, die geretteten Flüchtlinge in Tripolis der "sogenannten libyschen Küstenwache" zu übergeben, erklärte Mission Lifeline in einer Stellungnahme. Die Organisation verweist auf den Grundsatz der Nichtzurückweisung in der Genfer Flüchtlingskonvention.

Der Kapitän Claus-Peter Reisch hatte die maltesischen Behörden zuvor in einem dramatischen Appell darum gebeten, das Schiff vor der Küste Maltas vor hohen Wellen und starkem Wind in Sicherheit bringen zu dürfen. Die Lifeline habe schon jetzt viele Seekranke an Bord, erklärte Reisch in einer E-Mail, welche die Organisation bei Twitter verbreitete.

Kurz nach dem Anlegen in Valetta rief die Organisation bei Twitter bereits für neue Spenden für die nächste Rettungsmission auf.

Mitte Juni war auch das Flüchtlingsschiff Aquarius mit mehr als 600 Menschen an Bord zunächst von Italien und Malta abgewiesen worden. Erst nach einer mehrtägigen Irrfahrt konnten die Flüchtlinge der Aquarius in Spanien an Land gehen.

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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Insider am 28.06.2018 09:13 Report Diesen Beitrag melden

    Steirer gehört als Schlepper festgenommen

    Lifeline hatte die Flüchtlinge vor der libyschen Küste NICHT gerettet! Steirer ist aufgrund eines von einem Satellitentelefon ausgegangenen Anrufs zu einer bestimmten Position hingefahren und hat Migranten aus einem Boot übernommen. Es handelt sich nicht um Libyer, sondern um Menschen südlich der Sahara. Dort gibt es keinen Krieg, nur Armut. Die Genfer Konvention greift hier nicht, weil Armut kein Fluchtgrund ist. Libyen wollte die Menschen zurück bringen was von Steirer abgelehnt wurde. Er widersetzt sich gegen die Anordnung der Küstenwache und betätigte sich als Schlepper. Er macht weiter!

  • Lea am 28.06.2018 09:31 Report Diesen Beitrag melden

    Wer finanziert die Schlepper?

    Die Lifeline ist kein Hospital-Schiff. Sie hat keine Möglichkeiten gerettete Menschen zu versorgen. Die Migranten liegen am Schiffsboden aus Stahl und müssen aufbereitetes Seewasser trinken. Es gibt nur für die 17-köpfige Besatzung Kajüten und Essen. Es gibt keine Medikamente. Der Kapitän, der mit der Absicht auf den Hafen von Tripolis zusteuert um dort Menschen abzuholen, die sich durch illegalen Landübertritt in Europa ein besseres Leben erhoffen, handelt nicht als Seenotretter. Das ist übelste Schlepperei auf Kosten der Ärmsten. Woher kommt das Geld dafür?

  • Marine Traffic am 28.06.2018 09:39 Report Diesen Beitrag melden

    Aquarius bringt weitere Armutsmigranten

    Die Aquarius fährt nach Marseille und wird dort morgen eintreffen. Bin gespannt ob Frankreich die Besatzung festnimmt und das Schiff beschlagnahmt.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Kalinka am 29.06.2018 10:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Na ja

    Sehr interessantes Video im Umlauf wie lifelinemitarbeiter am Hafen den Einsatz Kräften den stinkefinger zeigen. noch interessanter der Plan wie die Flüchtlinge? nahe der Grenze aufgenommen wurden von wo sie angeblich geflüchtet sind.

  • Peter Lüdin am 28.06.2018 19:34 Report Diesen Beitrag melden

    Die...

    NGO-Boote haben nur ein Ziel: Migranten, die in Europa legal keinen Zugang bekämen weil sie die Anforderungen für ein Einreisevisum nicht erfüllen können, genau dorthin zu bringen. Würden die NGO-Boote sich auf die Rettung Schiffbrüchiger beschränken, müssten sie die Geretteten der Libyschen Küstenwache übergeben oder sebst direkt in den nächstgelegenen sicheren Hafen bringen. Das wäre dann aber ein Hafen in Nordafrika.

  • Bertl Kral am 28.06.2018 14:01 Report Diesen Beitrag melden

    Seenotrettung

    bedeutet NICHT, daß man Schleppern bei deren Tätigkeit wissentlich hilft, indem man vor deren Küste nur darauf wartet "Retter" spielen zu dürfen !

    • Kritischre Geist am 28.06.2018 14:46 Report Diesen Beitrag melden

      @Bertl Kral

      Diese Schlepper, die sich als Fluchthelfer inszenieren, sind süchtig nach dem Gefühl moralischer Überlegenheit. Das schlimmste für sie wäre, wenn wir diese Migranten wirklich auf offiziellem Wege in die EU lassen würden. Denn dann wäre ihre Tätigkeit plötzlich überflüssig. Sie könnten sich nicht mehr als Menschenretter verkaufen und abends nicht mehr mit dem erhebenden Gefühl schlafen gehen, gegen den Westen gekämpft zu haben. Es sind in erster Linie narzisstische Bedürfnisse, die diese NGOs motivieren.

    • Patrizia am 28.06.2018 17:03 Report Diesen Beitrag melden

      @Kritischer Geist

      Genauso ist es! Das konnte man in der letzten Puls4 Diskussion mit den Flüchtlingshelfern gut erkennen. Sie sehen mit ihrem Rettersyndrom gar nicht ein, dass sie einigen Menschen ein möglicherweise besseres Leben verschaffen, aber für Hunderttausende und schlussendlich ganz Europa ein Chaos, Unrecht und einen Bürgerkrieg provozieren.

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  • Aufwachen am 28.06.2018 11:33 Report Diesen Beitrag melden

    Import afrikanischer Arbeitssklaven

    Dass Politiker Handlanger der Großkonzerne sind, weiß nach CETA und TTIP mittlerweile jeder. Aber dass durch die Massenmigraton zunehmend einheimische Arbeitskräfte durch billige Arbeitssklaven aus der arabisch-muslimischen Bevölkerung Nordafrikas ersetzt werden sollen, dürfte die Bevölkerung offenbar noch nicht checken. Das ist keine Fluchtbewegung, sondern moderne Sklaverei. Leiharbeiter-Unternehmen sind erst der Anfang. Damit klafft die Schere von Arm und Reich immer mehr auseinander.

    • Kritischer Geist am 28.06.2018 12:38 Report Diesen Beitrag melden

      @Aufwachen

      Unsere Wirtschaft braucht keine unqualifizierten Menschen - weder aus dem Inland noch aus dem Ausland. Als offenbar Linker sollten Sie nun Größe zeigen und zugeben, dass hier ein linkes Gesellschaftsxperiment scheitert, nämlich die Multikulti-Gesellschaft. Für die Wirtschaft ist die Zuwanderung unqualifizierter Menschen eher eine Belastung, denn die Sozialleistungen, die man diesen Menschen zukommen lasst, belasten bekanntlich die Wirtschaft. Die Schere zwischen Arm und Reich ist übrigens seit Jahrzehnten konstant. Allen neomarxistischen Unkenrufen zum Trotz.

    • Jutta am 28.06.2018 13:23 Report Diesen Beitrag melden

      @Kritischer Geist

      Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Der Poster weist ja schon explizit auf den Missstand durch seinen Namen -Aufwachen- hin. Also wozu das Kommentar. Ihre Behauptung, dass die Schere seit Jahrzehnten konstant ist, widerspricht übrigens nicht nur der realen Entwicklung, sondern auch allen Studien.

    • Kritischer Geist am 28.06.2018 14:37 Report Diesen Beitrag melden

      @Jutta

      Welche Studien denn? Am deutlichsten gibt der Gini-Koeffizient Auskunft über die Differenz zwischen hohen und niedrigen Einnkommen. Und dieser ist seit Jahrzehnten mehr oder weniger konstant. Wann in der Menschheitsgeschichte wurden Reiche stärker besteuert? Wann gab es höhere Geldgeschenke fürs nichtstun? Wann war der Unterschied zwischen Arm und Reich kleiner als heute? Vor 50 Jahren, vor 100 Jahren, vor 1000 Jahren?

    • Sansibar am 28.06.2018 16:13 Report Diesen Beitrag melden

      @Kritischer Geist

      Die der Berechnung des Gini-Koeffizienten zu Grunde liegenden Daten umfassen nicht die Gesamtheit der Bevölkerung. Um umfassende Aussagen über den wirklichen Entwicklungsgrad eines Landes machen zu können, braucht man mehr Daten als diejenigen, die der Gini-Koeffizient zum Ausdruck bringt.

    • Kritischer Geist am 28.06.2018 17:14 Report Diesen Beitrag melden

      @Sansibar

      Das wäre mir aber ganz neu! ;-) Bitte bei der Wahrheit bleiben! Sonst bringen solche Diskussionen gar nichts. Es gibt keinen aussagekräftigeren Wert über die Einkommensverteilung als den Gini-Koeffizient. Und der belegt Schwarz auf Weiß, dass das sozialistische Ammenmärchen vom Auseinandergehen von Arm und Reich falsch ist. Eine Frage ist noch offen geblieben: Wann an der Menschheitsgeschichte ist denn angeblich der Unterschied zwischen Arm und Reich kleiner gewesen als heute?

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  • aristoteles am 28.06.2018 10:46 Report Diesen Beitrag melden

    Besitzstörung

    Wenn ein Fremder die Idee hat, in menem Einfamilienhaus bei mir zu wohnen, werde ich ihm vielleicht ein paar Adressen nennen, wo er übernachten kann ... aber sicher nicht bei mir. Da wird er zornig, beschimpft mich als Unmenschen, und statt dass er sich verzieht, macht er einen Klappsessel auf und setzt sich neben mein verschlossenes Eingangstürl. Da verständige ich die Polizei, damit sie ihn wegweist. Inhuman, gell ja?

    • Kritischer Geist am 28.06.2018 13:22 Report Diesen Beitrag melden

      @aristoteles

      Und wenn sich dann jemand findet, der Ihnen diesen Fremden dennoch ins Haus schafft und damit dafür sorgt, dass immer mehr kommen, dann ist dieser jemand den anderen moralisch überlegen ... so zumindest die perverse Logik der Willkommens-Befürworter.

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