Der Australier hatte sich seinen Fahrkarten-Chip in die Hand implantiert. Weil er bei einer Kontrolle aber keinen altmodischen Schein vorzeigen konnte, wurde er jetzt verurteilt.
Er ist 34 Jahre alt, Wissenschaftler, Politiker, Katzenliebhaber und ein Cyborg. Die Rede ist von dem Australier Meow-Ludo Disco Gamma Meow-Meow (zu Deutsch: Miau!), der sich tatsächlich amtlich diesen Namen geben ließ. Er wurde am Freitag als Schwarzfahrer zu einer Geldstrafe verurteilt und das obwohl er bisher jede Fahrt bezahlt hatte. Doch wie er das tat, das schmeckte den Behörden überhaupt nicht.
Die öffentlichen Verkehrsmittel im Großraum Sydney setzten auf Plastikfahrscheine in Kreditkartenform inklusive NFC-Chip namens "Opal Card", die immer wieder mit einem Guthaben aufgeladen werden können. Genau diesen Chip hat sich der Australier bereits 2016 in seine linke Hand implantieren lassen. Seither konnte er die Ticketgebühr gänzlich ohne die unnötige Plastikkarte abbuchen. "Es gibt mir eine Fähigkeit, die nicht jeder andere hat. Wenn mir etwa die Geldbörse gestohlen wird, könnte ich immer noch selbst nach Hause kommen", schwärmte Meow-Meow damals gegenüber "ABC".
Cyborg als Schwarzfahrer verurteilt
Und wirklich, der praktische "Lifehack" funktionierte lange an den Automaten problemlos. Doch wie so oft scheiterte der (bio-)technologische Fortschritt an der Sturheit der Menschen. Als der 34-Jährige nämlich in eine Fahrkartenkontrolle der Verkehrbetriebe geriet, konnte er natürlich keine Opal Card vorweisen. Dass er den Chip unter der Haut trug, interessierte wohl weder Kontrolleure noch Öffibetreiber – der vermeintliche Schwarzfahrer landete am Mittwoch vor Gericht.
Nach zwei Tagen Verhandlung wurde der selbsttitulierte "Biohacker" zu einer Geldstrafe von 220 Australischen Dollar – umgerechnet etwa 140 Euro – verurteilt. Zusätzlich muss er die Verfahrenskosten tragen. "Es ist Irrsinn, wie weit die Behörden eine Sache treiben, die sie als illegal darstellen, obwohl sie einfach nur innovativ ist", ärgert sich Meow-Meow gegenüber der "Daily Mail Australia". "Ich bereichere mich nicht am System. Ich bin nur dem Gesetzgeber voraus, die Legislative hinkt der Technologie hinterher."
"The Future is Meow"
Überhaupt sei ihm Politik viel zu ideologisch geprägt. Um der Regierung eine wissenschaftlichen Zugang zu ermöglichen, ließ sich der Cyborg zum Spitzenkandidaten der "Science Party" in New England aufstellen. Mit dem klingenden Slogan "The Future is Meow" und trashigen Fotocollagen bewarb der politische Quereinsteiger seine Kandidatur auf Facebook. Immerhin: Bei der Wahl am 2. Dezember konnte der Exzentriker 1.183 Stimmen (1,3 %) für sich gewinnen.
Auch wenn die Polit-Karriere noch warten muss, gegen das aus seiner Sicht rückständige Gerichtsurteil will er weiter ankämpfen und plant schon das nächste Implantat. Die Öffis muss er derweil allerdings wie ein Normalsterblicher benutzen. Sein implantierter Opal Chip wurde von der Verkehrsbehörde deaktiviert.
Video: "7 News Sydney" berichtete Mitte Februar über den Fall:
(rcp)