Radikale Forderung

08. März 2019 07:50; Akt: 08.03.2019 11:48 Print

Macht es Sinn, für Umwelt auf Kinder zu verzichten?

von J. Käser - Eine deutsche Autorin fordert dazu auf, aus Umweltschutzgründen aufs Kinderkriegen zu verzichten. Nicht alle finden diese Idee moralisch vertretbar.

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Sollen Frauen vermehrt aufs Kinderkriegen verzichten, um das Klima zu schützen? "Ein Kind ist mitunter das Schlimmste, was man der Umwelt antun kann", sagt die deutsche Autorin und Lehrerin Verena Brunschweiger. Am Mittwoch hat sie ihr Buch "Kinderfrei statt kinderlos - Ein Manifest" veröffentlicht "Jedes nicht in die Welt gesetzte Kind bedeutet eine CO2-Einsparung von rund 58,6 Tonnen im Jahr", so Brunschweiger. Zum Vergleich: Ein Jahr lang vegan zu essen führt laut kanadischen Forschern zu CO2-Einsparungen von 3,76 Tonnen. "Mir wird immer wieder unterstellt, dass ich keine Kinder mag. Aber das ist falsch. Ich bin allgemein sehr umweltbewusst - fahre so gut wie nie Auto, fliege nicht und esse kein Fleisch - ich könnte es schlicht nicht mit mir vereinbaren, Kinder zu kriegen", so Brunschweiger. "Ein endlicher Planet hat nicht Platz für unendlich viele Menschen. Deshalb bin ich für eine Bevölkerungsreduktion auf 7 Milliarden Menschen", sagt Brunschweiger. Nur, wenn es nicht zu viele Menschen gebe, könnten Natur und Tierwelt nachhaltig erhalten bleiben. Wirtschaftsethiker Ulrich Thielemann findet den Ansatz, als private, umweltpolitische Maßnahme auf Kinder zu verzichten abwegig: "Das Umweltproblem zu einem Bevölkerungsproblem umzudefinieren war immer schon die Lieblingsvorstellung der Konservativen." "Kinder in die Welt zu setzen oder es zu lassen, ist ein Menschenrecht. Nun soll es zur moralischen Menschenpflicht werden, dies zu unterlassen", sagt Thielemann. Er hält es nicht für plausibel, dass sich die Idee von Brunschweiger ausbreitet. Denn die Vorstellung, den eigenen, innigst gewünschten Nachwuchs zum Umweltproblem zu erklären, widerspreche grundlegenden menschlichen Vorstellungen. Gefährlich werde es allerdings, wenn aus der moralischen Pflicht eine Rechtspflicht würde. Die von Brunschweiger genannte Entlohnung für Kinderlosigkeit bis zum 50. Lebensalter ziele in diese Richtung. "Die Frage ist, woher die finanziellen Mittel für so etwas stammen sollten, da dadurch gleichzeitig doch das Wachstum gemindert würde", so Thielemann. Der einfachere und unmittelbarere Weg, um die Umwelt zu schonen, wäre ... ..., den globalen Wettbewerbsdruck zu reduzieren und den Entwicklungsländern eine eigenständige, möglichst ökologisch nachhaltige industrielle Entwicklung zu ermöglichen.

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"Ein Kind ist mitunter das Schlimmste, was man der Umwelt antun kann", sagt die deutsche Autorin und Lehrerin Verena Brunschweiger. Am Mittwoch hat sie ihr Buch "Kinderfrei statt kinderlos – Ein Manifest" veröffentlicht und damit eine Debatte entfacht. Als sie vor einigen Jahren ihren Partner geheiratet habe, habe sie damit begonnen, sich intensiv mit dem Kinderkriegen zu beschäftigen. Durch ausführliche Recherchen sei sie zum Schluss gekommen, vor allem aus Umweltgründen, auf Kinder zu verzichten.

Umfrage
Sollte man der Umwelt zuliebe auf Kinder verzichten?
60 %
1 %
15 %
24 %
Insgesamt 2645 Teilnehmer

"Jedes nicht in die Welt gesetzte Kind bedeutet eine CO2-Einsparung von rund 58,6 Tonnen im Jahr", sagt Brunschweiger zum Schweizer Nachrichtenportal "20 Minuten". Zum Vergleich: Ein Jahr lang vegan zu essen, führt laut kanadischen Forschern zu CO2-Einsparungen von 3,8 Tonnen. Der Verzicht aufs Kind sei damit ein besonders wirksamer Schritt, um das Klima zu schützen, schlussfolgert die Autorin.

Kinder als größte CO2-Schleuder

"Mir wird immer wieder unterstellt, dass ich keine Kinder mag. Aber das ist falsch. Ich bin allgemein sehr umweltbewusst. Ich fahre so gut wie nie Auto, fliege nicht und esse kein Fleisch. Ich könnte es schlicht nicht mit mir vereinbaren, Kinder zu kriegen, wenn ich weiß, dass sie die größte CO2-Schleuder sind", erklärt Brunschweiger.

Ein Experten-Zusammenschluss habe vor einiger Zeit die Idee erarbeitet, Frauen, die bis 50 Jahre kinderfrei sind, mit gut 44.000 Euro zu belohnen. Diesen Ansatz findet sie gut. Generell laste auf den Frauen noch immer ein großer gesellschaftlicher Druck, wenn es ums Kinderkriegen gehe:

"Nur weil ich eine Gebärmutter und zwei Eierstöcke habe, heißt das nicht, dass ich diese auch gebrauchen muss."

Eine umweltbewusste Frau, die einen starken Kinderwunsch hege, könne auch einfach eins statt mehrere Kinder bekommen. Und die Adoption sei ebenfalls eine gute Option. "Ein endlicher Planet hat nicht Platz für unendlich viele Menschen. Deshalb bin ich für eine Bevölkerungsreduktion auf 7 Milliarden Menschen", sagt Brunschweiger. Nur wenn es nicht zu viele Menschen gebe, könnten Natur und Tierwelt nachhaltig erhalten bleiben.

"Lieblingsvorstellung der Konservativen"

Wirtschaftsethiker Ulrich Thielemann findet den Ansatz, als private, umweltpolitische Maßnahme auf Kinder zu verzichten, abwegig: "Das Umweltproblem zu einem Bevölkerungsproblem umzudefinieren, war immer schon die Lieblingsvorstellung der Konservativen." Das sei nichts weiter als Ablenkung von den tatsächlichen Herausforderungen, vor denen wir stehen, nämlich den Wachstumszwang zu reduzieren, den uns der heute vor allem globale Wettbewerb aufzwinge.

"Kinder in die Welt zu setzen oder es zu lassen, ist ein Menschenrecht. Nun soll es zur moralischen Menschenpflicht werden, dies zu unterlassen", sagt Thielemann. Er hält es nicht für plausibel, dass sich die Idee von Brunschweiger ausbreitet. Denn die Vorstellung, den eigenen, innigst gewünschten Nachwuchs zum Umweltproblem zu erklären, widerspreche grundlegenden menschlichen Vorstellungen.

Problem vor allem in den armen Ländern

Gefährlich werde es allerdings, wenn aus der moralischen Pflicht eine Rechtspflicht würde. Zwar schlage Verena Brunschweiger dies nicht direkt vor, die von ihr genannte Entlohnung für
Kinderlosigkeit bis zum 50. Lebensalter ziele aber in diese Richtung. "Die Frage ist, woher die finanziellen Mittel für so etwas stammen sollten, da dadurch gleichzeitig doch das Wachstum gemindert würde", sagt Thielemann.

In der westlichen Welt würden die Geburtenraten ohnehin seit Jahrzehnten auf einem tiefen Niveau liegen. Hoch seien die Raten dort, wo Armut und ökonomischer Druck auf menschliche Grundbedürfnisse herrschen. "Kinderreichtum dürfte in den ärmeren Gebieten weniger Ausdruck eines innigen Kinderwunsches sein, als vielmehr eine Überlebensversicherung", sagt Thielemann. Könnten diese Staaten oder Entwicklungsländer am mittleren globalen Wohlstandsniveau teilhaben, würden auch die Geburtenraten sinken. Gleichzeitig gäbe es dann aber auch mehr globales Wachstum und damit stärkeren Ressourcenverbrauch.

"Das ist das Dilemma. Hier zeigt sich der globale Umweltkonflikt in seiner ganzen Härte", erklärt der Wirtschaftsethiker. Der einfachere und unmittelbarere Weg, um die Umwelt zu schonen, wäre, den globalen Wettbewerbsdruck zu reduzieren und solchen Ländern eine eigenständige, möglichst ökologisch nachhaltige industrielle Entwicklung zu ermöglichen.

Ist auch für Sie klar, dass Sie keine Kinder wollen? Haben Sie das Gefühl, sich dafür rechtfertigen zu müssen? Teilen Sie Ihre Erfahrung mit uns!

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • silver. am 05.03.2019 13:13 Report Diesen Beitrag melden

    Eins und Eins ergibt Zwei

    Gleichzeitig wird uns eingetrichtert, dass unsere Gesellschaft aufgrund Kindermangels überaltert und daher der Import von Zuwanderern unausweichlich ist. Merkt ihr wie das Spiel des demografischen Wandels läuft? Wir werden ersetzt.

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  • Max Mustermann am 05.03.2019 12:19 Report Diesen Beitrag melden

    Sinnbefreit

    Diese Entscheidung hätte die Mutter der Dame vor 38 Jahren auch fällen sollen. Der Welt wäre etwas CO2-Ausstoss durch blödes Geplapper erspart geblieben.

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  • Dreipunktkonsole am 05.03.2019 13:01 Report Diesen Beitrag melden

    Rollen

    Und jetzt stelle man sich das Gebrüll vor wenn ein Mann das selbe behauptet hätte.

    einklappen einklappen

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Larry Enticer am 14.03.2019 09:28 Report Diesen Beitrag melden

    Nachgedacht?

    Ganz ehrlich... In Ihrem Hauptargument, Geburtenraten zu reduzieren um CO2 einzusparen und dadurch den Klimawandel zu bekämpfen, lässt sich der erste, gigantische Konklusionsfehler finden. Wir achten heute auf unsere Ausstöße, um Generationen von morgen ein Leben zu ermöglichen. Mit Ihrer Strategie gibt es diese Generationen doch gar nicht mehr. Lieber mal vorher nachdenken!

  • Gerlinde am 13.03.2019 10:32 Report Diesen Beitrag melden

    Fragen zum Reflektieren

    die folgenden Fragen sollten sich diejenigen stellen, die bewusst keine Kinder wollen: Wer hilft uns, dass wir uns nicht so einsam fühlen? Wer stellt uns Fragen, die wir nicht gleich beantworten können? Wer hilft uns nicht nur auf uns selbst zu schauen? Wer bringt uns zig Mal am Tag zum Schmunzeln? Wer schenkt uns Umarmungen und Bussis ohne Ende? Wer schenkt uns im Pensionierte Alter noch einmal Kinder? Wer wird uns besuchen, wenn wir einmal alt und allein sind? Wer bezahlt einmal unsere Pensionen?

  • Carola Finke am 12.03.2019 07:56 Report Diesen Beitrag melden

    Brimunschweiger profitiert

    Schön für Sie, Frau Brunschweiger, dass es so viele egoistische Eltern gibt! Ist es nicht auch ein bisschen egoistisch jobmäßig von all den CO2-Pestbeulen zu profitieren? Unsere Steuern (ja, auch die der Eltern..) finanzieren ihr monatliches Gehalt als Lehrerin und unsere Kinder sind der Grund, dass sie diesen Job ausführen können...

  • Josef am 10.03.2019 07:04 Report Diesen Beitrag melden

    Darwin-Preis

    Dieser Dame sollte der Darwin-Preis verliehen werde. Ihre Mutter wäre auch eine Kandidatin dafür, wenn sie sich vor 38 Jahren anders entschieden hätte. Solche Frauen dürfen keine Kinder bekommen, da dies schädlich für den Genpool der Menschheit ist.

  • Sarah am 09.03.2019 13:14 Report Diesen Beitrag melden

    Das wahre Problem

    Ist das vielleicht eine Werbung für bevorstehende Kinderverbote? Jedenfalls ist das nicht "ohne".. Nicht Kinder sind das Problem, jeder der tief nachdenken kann, weiß es......