Dürre und Schädlinge

07. November 2018 16:13; Akt: 07.11.2018 16:54 Print

70 Prozent der Erdäpfel-Ernte heuer unverkäuflich

Ganz Wien könnte zwei Jahre lang von der Menge Erdäpfel leben, die heuer vernichtet werden muss: Ab dem Frühjahr gibt's im Handel wohl nur noch Import-Kartoffeln.

Erdäpfel-Ernte auf einem Feld in Deutschland. Symbolfoto (Bild: picturedesk.com)

Erdäpfel-Ernte auf einem Feld in Deutschland. Symbolfoto (Bild: picturedesk.com)

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Rund 70 Prozent der heimischen Erdäpfelernte dürften heuer Dürre und Schädlingen zum Opfer gefallen sein. Das berichten die "Oberösterreichischen Nachrichten" am Mittwoch.

Laut einer Aussendung der IndustrieGruppe Pflanzenschutz (IGP) hätte alleine die in Niederösterreich zur Vernichtung preisgegebenen Menge gereicht, um alle Einwohner der Stadt Wien für fast zwei Jahre zu ernähren. Durchschnittlich konsumiert ein Österreicher rund 52 Kilogramm Kartoffeln im Jahr. Die Aussichten sind wenig rosig: Voraussichtlich im Frühjahr 2019 werden dem Handel Erdäpfel aus heimischen Anbau – 95 Prozent davon stammen aus Niederösterreich – ausgehen, dann muss importiert werden.

"Existenzbedrohendes Ausmaß"

"Wir können den Ausfall noch nicht genau bemessen", wird Anita Kamptner, Geschäftsführerin der Interessengemeinschaft Erdäpfelbau (IGE), von den "OÖ Nachrichten" zitiert. Es werde sich erst zeigen, wie viel Ware der Lebensmittelhandel trotz der Schäden abnehme und wie viel entsorgt werden muss. Ein knappes Drittel der Ernte sei durch die Trockenheit unansehnlich und werde wohl deshalb nicht den Weg ins Regal finden. Ein weiteres Drittel sei von Schädlingen wie dem Drahtwurm angefressen worden und deshalb ebenso unverkäuflich.

"Die Schäden, die Drahtwürmer heuer in Erdäpfeln verursacht haben, nehmen für viele Betriebe in Niederösterreich ein existenzbedrohendes Ausmaß an", klagt die IGE in einer Aussendung. Kampagnen gegen Pestizide durch Handel und Umweltorganisationen (NGOs) hätten wirksame Schädlingbekämpfung unmöglich gemacht. Spar habe den Erdäpfelbauern heuer schriftlich abverlangt, auf Pestizide zu verzichten; der Rewe-Konzern, dazu gehören Billa und Merkur, sei für freiwillige Selbstbeschränkung, so die "OÖ Nachrichten".

Und so sieht es aus, wenn 23 Tonnen Erdäpfel über die A2 rollen:

Lkw mit 23 Tonnen Erdäpfel auf A2 umgestürzt

Pestizid-Verbote "nicht mehr hinzunehmen"

Es sei zwar naheliegend, dass der Handel dann auf ausländische Ware zurückgreife, doch die heimischen Bauern hätten kein Verständnis dafür, "dass es bei diesen Importen niemanden zu interessieren scheint, welche Produktionsmittel eingesetzt wurden", klagt die Landwirtschaftskammer NÖ. So dürften in vielen der Import-Länder nach wie vor Wirkstoffe verwendet werden, die bei der Produktion in Österreich nicht akzeptiert werden.

"Die heimische Erdäpfelbranche ist nun an einem Punkt angelangt, wo weitere Einschränkungen bei den Pflanzenschutzmittelzulassungen nicht mehr hinzunehmen sind", ist Landwirtschaftskammer NÖ-Präsident Hermann Schultes überzeugt: "In den vergangenen Jahren wurden die Möglichkeiten, auf Schädlinge und Krankheiten zu reagieren, mehr und mehr reduziert. Das Risiko trägt alleine die Landwirtschaft."

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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Knut Randauch am 07.11.2018 18:30 Report Diesen Beitrag melden

    Außerdem

    heißt das "Erdäpfel". Schließlich sind wir in Österreich.

  • gironnimo am 07.11.2018 18:27 Report Diesen Beitrag melden

    Aus den Kartoffeln

    könnte man Alkohol oder Stärke erzeugen oder zur Schweinefütterung verwenden, warum entsorgen?

  • SchöneNeueWelt am 07.11.2018 17:43 Report Diesen Beitrag melden

    Produktanbau aus Österreich

    Die heimischen Essiggurken... dann die Erdäpfel.... usw ... Da kommt was auf uns zu ..

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • Wolfgang Winkler am 10.11.2018 09:07 Report Diesen Beitrag melden

    Herr

    gut so, vielleicht lernen die NGos voerstmal zu denken bevor sie irgendeinen Unsinn verbieten und nun sollte man als Denkstrafe diese von der Erdäpfelversorgung ausschließen. Und die Leute sollen halt mal auch die sogenannten unansehnlichen essen nicht nur die gewaschenen im Fertigpack

  • Maverick am 08.11.2018 10:21 Report Diesen Beitrag melden

    Regulierungswahn

    Das erste leichte Vorbereiten auf die nächste kommende Teuerungswelle. Verkauft doch die Erdäpfel, wie sie gewachsen sind, und ackert nicht alles ein, was der EU-Einheitsnorm nicht entspricht, dann ist genug da für alle.

    • Der Bauer am 08.11.2018 12:35 Report Diesen Beitrag melden

      Wenn wir dürften...

      Das lässt man uns nicht, weil der Kunde sie nicht will!

    • 1002Himmelszelt am 09.11.2018 09:12 Report Diesen Beitrag melden

      der Kunde ist ausbeutbar

      Nein, weil die EU das nicht erlaubt - bekanntlich von Konzernen gesteuert - weil nicht so einfach zu verpacken. Es sind auch viele alte Obst- und Gemüsesorten von EU verboten worden, weil angeblich "lokal, daher unrentabel", nicht "der Norm entsprechend" oder "Patent ausgelaufen". Die Kunden würden das alles noch gerne kaufen, aber man lässt sie nicht. Sie sollen einwandfrei mit Chemie behandelte und genmanipulierte Ware kaufen, Äpfel ohne Phenole (ZB. gut für Immunsystem, lassen Äpfelfleisch aber braun werden), das Zeug soll gut aussehen und lange halten - Gesundheit und Geschmack egal.

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  • keine Monokulturen am 08.11.2018 10:19 Report Diesen Beitrag melden

    Zurück zu alten Erkenntnissen!

    Schon vor 50 Jahren wussten die Bauern, dass der Boden diese Monokulturen nicht aushält. Damals hatte man niemals 2 Jahre hindurch auf einem Feld Kartoffel angebaut, da sonst die Schädlinge zu stark wurden. Ausserdem hat man das Feld ordentlich gepflügt und nicht nur gestreift. Heute hat man trotz hohem Spritzmitteleinsatz keine Ernte mehr. Das wäre genauso wenn der Bauer bei seinen Nutztieren ständig Inzucht betreiben würde.

    • 1002Himmelszelt am 09.11.2018 09:15 Report Diesen Beitrag melden

      keine Fruchtfolgen mehr

      Dafür sind die Böden durch Chemie alle tot - obwohl man längst weiß, dass Pflanzen über Wurzel und Pilze miteinander kommunizieren und so gesund bleiben. Über Pilzgemeinschaften mit ihren Wurzeln besser Nährstoffe aufnehmen. Ein guter Bodern auch voller Regenwürmer sein sollte usw.

    • bald-keine-Natur-mehr am 12.11.2018 13:06 Report Diesen Beitrag melden

      @keine Monokulturen

      das war schon im alten Ägypten bekannt.. 3-Felder Wirtschaft (4 werden zyklisch genutzt)..

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  • PeterKarl am 08.11.2018 07:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht raunzen..

    die Bio Kartoffeln in unseren Supermärkten kommen doch eh alle aus Israel oder Ägypten.

  • Nil am 07.11.2018 21:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles ist möglich

    Das große Jammern der EU geförderten Bauern die sich den Hals nicht vollbekommen. Zu kalt, zu warm, Zuviel Regen, zu wenig Regen, Zuviel Sonne, zuwenig Sonne Hauptsache die Förderung sind üppig und das sind sie.

    • Der Bauer am 08.11.2018 08:34 Report Diesen Beitrag melden

      Jammern und Förderung

      Ich bin es leid, dass wir ständig als Jammerer und Fördergelderkassierer hingestellt werden! Ja wir bekommen Förderungen - wäre es aber nicht so, würde wohl der Konsument ordentlich Jammern! Unsere Produkte wären nämlich viel teurer, würden wir keine Förderung bekomme! Nicht aus Gier, sondern damit wir selbst leben können! Weiteres Jammern wir nicht mehr oder weniger als jeder andere auch! Nur um unsere Arbeit beneidet uns scheinbar niemand! Und wenn ihr alle so gegen Bauern seid-denkt mal nach, wie die Landschaft ohne uns aussieht und wie bereits euer Frühstück aussehen würde!?

    • LGLG am 08.11.2018 08:53 Report Diesen Beitrag melden

      nachdenken

      Du weißt nicht über was du hier schreibst!! Hast du schon mal einen Drahtwurm gesehen? und die Schäden? würdest du auch ein ganzes Jahr abreiten für keinen Lohn? Die Förderungen sind Ausgleichszahlungen um die Bauern über Wasser zu halten da diese für Ihre Produkte viel zu wenig bekommen.

    • Pussy am 08.11.2018 10:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Der Bauer

      Arme Bauern, früher waren die Bauern wirklich arm aber heute fahren sie alle mit modernen Traktoren und wenn man schaut früher waren alle Felder angebaut heute bekommen sie schon Geld wenn nichts gemacht wird ,und wenn ich was anbaue muss ich es Gießen wenn ich was ernten will, bei den Bauern ist es so das sie auf den lieben Gott hoffen das er es richtig macht wenn zu wenig regen oder zu viel es wird immer gejammert aber wenn Ernte gut da sagen sie nichts

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