EU-Strohhalmverbot

30. Mai 2018 11:08; Akt: 30.05.2018 11:16 Print

Warum satteln wir nicht auf Bioplastik um?

von R. Knecht - Bioplastik ist schon auf dem Markt, doch es etabliert sich kaum. Plastik-Experte Rudolf Koopmans erklärt, warum.

Welcher dieser Becher besteht aus Bioplastik? (Video: 20Min)
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Die Europäische Union knöpft sich den Plastikmüll vor, um die Meere zu entlasten. Einwegplastik soll verboten werden – "heute.at" berichtete. Was aber ist die Alternative? "20 Minuten" hat mit Rudolf Koopmans, dem Direktor des Plastics Innovation Competence Center (PICC) in Fribourg (Schweiz) gesprochen. Er entwickelt Bioplastik – der fast so aussieht wie normales Plastik, wie das Video zeigt.

Umfrage
Was würden Sie von einem EU-weiten Plastikverbot halten?
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Insgesamt 756 Teilnehmer

Herr Koopmans, wäre jetzt ein günstiger Zeitpunkt für die europäische Industrie, auf Bioplastik umzusteigen?

Die Plastikindustrie muss erkennen, dass deren Betriebsmodell der letzten 80 Jahre nicht nachhaltig ist. Mehr denn je ist es jetzt an der Zeit, kreislauffähige Kunststoffprodukte herzustellen und zu verwenden. Bioplastik ist dabei nur ein Teil der Gesamtlösung. Genauso wichtig sind die vollständige Wiederverwertbarkeit der vorhandenen Kunststoffe und die Verwendung von natürlichen und neuartigen, synthetisch-organischen Materialien, die auf erneuerbaren pflanzlichen Rohstoffen basieren. Das Schlimmste, was wir jetzt tun können, ist abwarten.

Herkömmliches Plastik ist aus Erdöl – aus was ist Bioplastik?

Aus vielen natürlichen Materialien, etwa Seide, Vogelfedern oder Holz, lässt sich Plastik herstellen. Diese Materialien sind dann oft auch biologisch abbaubar – man könnte sie also im Kompost entsorgen. Wir streben aber beim Bioplastik eine Kreislaufwirtschaft an, wo Verpackungen analog zum herkömmlichen Plastik retourniert und wiederverwertet werden können.

Das klingt doch gut, warum setzt sich Bioplastik dennoch nicht durch?

Es braucht viele Investitionen, um Millionen von Tonnen alternativer Materialien produzieren zu können. Für Unternehmen ist das ein Risiko, und viele sind nicht bereit, dieses einzugehen. Gerade jetzt, wo der Ölpreis sehr niedrig ist, fragen sich Firmen, warum sie viel Geld für neue Technologien ausgeben sollen, wenn sie bereits eine ökonomisch bewährte Lösung haben.

Wie viel kompostierbares Plastik ist schon auf dem Markt?

Der Anteil an der weltweiten Bioplastikproduktion beträgt ungefähr 2 Millionen Tonnen. Zum Vergleich: Beim Erdölplastik sind es rund 350 Millionen Tonnen.

Wie viel Macht haben die Konsumenten, um Bioplastik zu pushen?

Konsumenten müssen lernen, nachhaltige Materialien überhaupt zu erkennen. Schon heute gibt es etwa für Milch eine große Anzahl von verschiedenen Verpackungen und es kann schwierig sein, die ökologischste zu erkennen. Hersteller müssen hier Wege finden, das klarer mit den Konsumenten zu kommunizieren, damit diese umweltbewusste Entscheidungen treffen können.

Ist Bioplastik teurer?

Ja, viele dieser Materialien kosten mehr als Erdölplastik. Das ist ein weiterer Grund, warum nachhaltiger Plastik Schwierigkeiten hat, sich durchzusetzen.

Werden wir jemals ohne Plastik auskommen?

Wir werden Kunststoffe nie loswerden. Aber die Frage ist, was für Materialien das sind und wie wir sie verwenden.

Worauf kommt es bei neuen Materialien denn an?

Wichtig ist, dass sie die gleiche Funktionalität haben wie die Materialien, die sie ersetzen. Wenn etwa ein Plastiksackerl aus biologisch abbaubarem Material beginnt, sich zu zersetzen, und dadurch undicht wird, erfüllt er seine Aufgabe nicht gleich gut wie ein Sackerl aus Erdölplastik. Solche Probleme versuchen wir am PICC zu lösen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Älterer Einkäufer am 31.05.2018 08:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Strohhalmverbot bzw. Plastik

    Wieso heißt es Strohhalm, weil sie früher nicht aus Plastik waren. Daher wieder zur alten Strohhalmmethode zurückkehren. Genauso früher gab es für Gemüse und Obst Papierstanitzel und keine Plastiktüten oder altes Zeitungspapier.

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  • murksi am 31.05.2018 17:31 Report Diesen Beitrag melden

    So wie immer

    Alles eine Frage des Geldes...es ist echt zum Haare raufen.Ich habe es so satt,alles was man in die Hand nimmt ist in Plastik verpackt!Es ist einfach nurmehr ein Horror...Ich versuche Dinge zu kaufen,ganz ohne,jedoch es ist fast unmöglich!

  • Mugl am 31.05.2018 08:52 Report Diesen Beitrag melden

    Umwelt

    Aus vielen natürlichen Materialien, etwa Seide, Vogelfedern oder Holz, lässt sich Plastik herstellen. Vogelfedern? Dann werden wieder x-tausende Vögel dafür umgebracht, dies kann es ja wohl nicht sein! Aber Materialien aus Rohrzucker sind sicher besser geeignet, aber am Besten die PET-Flaschen wieder durch Glasflaschen ersetzen, Milch wieder in Glas-oder Milchkannen verkaufen usw. Da wäre mehr wie genug Potenzial vorhanden und würden Unmengen an Tonnen von Plastik ersetzen.

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • kein Geld zu holen am 01.06.2018 06:31 Report Diesen Beitrag melden

    Alkoholwerbung verbieten-kein EU-Thema

    wenn man ernsthaft was tun möchte, dann muss man die Meeranrainerstaaten rigoros abstrafen und in die Pflicht nehmen, die seit Jahrzehnten das Meer zumüllen, Abwasser ins Meer leiten sogar verseuchtes usw. Kennt jeder aus dem Urlaub. Dort muss man den Hebel ansetzen; Stattdessen labert man mit dem Plastikthema die Binnenländer voll, deren Müll verbrannt wird. Wie wäre es wenn man endlich mal europaweit die Alkoholwerbung verbieten würde, wie das bei den Rauchwaren schon vor langer Zeit erfolgte. Kinder sollen nicht süchtig gemacht werden! kein Thema der EU?

  • Norbert am 01.06.2018 06:17 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Beispiel

    Mineralwasser gibt es in Mehrwegflaschen aus Kunststoff. Eine gute Lösung , aber warum ist das dann doppelt so teuer wie Mineralwasser in Wegwerfflaschen??

  • Mizi Mayer am 01.06.2018 05:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    China und das Plastik der EU

    China nimmt seit 1.1.2018 den Plastikmüll der EU zur Entsorgung nicht mehr! Bis jetzt war der EU die Umwelt egal, aber jetzt wo der Dreck im eigenen Land bleibt kommt das große Verbieten!

  • Friederike am 31.05.2018 21:43 Report Diesen Beitrag melden

    Warum satteln

    Warum satteln wir nicht um ? Ganz einfach weil die Öl-Lobby viel zu mächtig ist und die das "billigst wegwerf Plastik" welches vom Ölabfall produziert wird verkaufen will. Die müsten Daß ansonsten als Abfall entsorgen. Und genau dieses "billig Plastik" fällt uns zu x Millionen Tonnen als Abfall, egal wo, "auf den Kopf" !

  • murksi am 31.05.2018 17:31 Report Diesen Beitrag melden

    So wie immer

    Alles eine Frage des Geldes...es ist echt zum Haare raufen.Ich habe es so satt,alles was man in die Hand nimmt ist in Plastik verpackt!Es ist einfach nurmehr ein Horror...Ich versuche Dinge zu kaufen,ganz ohne,jedoch es ist fast unmöglich!