Balkan-Blog

03. April 2019 06:00; Akt: 03.04.2019 09:07 Print

Wie mein Balkan-Opa die Welt gesehen hat

Mein Großvater hatte seine ganz eigene Sicht auf die Welt, obwohl er nicht wirklich viel davon gesehen hat.

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Mein Großvater hatte seine ganz eigene Sicht auf die Welt, obwohl er nicht wirklich viel davon gesehen hat. Am Balkan verdient man nicht sonderlich viel, das ist wohl kein Geheimnis. Das verleitete mich zu einer moralisch fragwürdigen Aktion. Der serbische BMW, der kroatische Stolz und das türkische Bosnien. Am Balkan gibt es klare Unterschiede zwischen den Nationen - die man mit einem Zwinkern betrachten sollte. Von außen wirkt es wohl so, als ob alle Jugos gleich heißen würden. Stimmt natürlich nicht. Und die immer gleiche Endung ist auch gar nicht so besonders. Šaban Šaulic ist der Größte. Da gibt es keinen Zweifel. Seine Musik wird ewig weiterleben. Laut Karl Lagerfeld würde man die Kontrolle über sein Leben verlieren, wenn man eine Jogginghose trägt. Demnach herrscht am Balkan Anarchie. Eine Ein-Zimmer-Wohnung in Wien, aber eine Villa am Balkan. Und das nur, um sie dann ein paar Tage im Jahr zu nutzen. Unser Blogger wuchs am Balkan auf. Dort hat er einige Dinge kennengelernt, die wohl jedem Jugo-Kind bekannt sind. Kennen Sie zum Beispiel Vegeta oder Argeta? Auch in anderen Lebensbereichen gibt es Konfliktpotenzial. Stichwort: Alkohol. Unser Autor rührt nämlich bis heute keinen Rakija an. Als Abstinenzler fühlt er sich am Balkan manchmal wie ein Alien. (Ja, das auf dem Bild neben dem Teletubbie ist wirklich unser Blogger.) Wenn wir schon beim Thema Kulinarik sind - ein kurzer Rückblick Balkan-Kinder wachsen von klein auf mit Unmengen an Fleisch auf. Kommen Vegetarier zu Besuch, wird es kritisch. Denn ein Spanferkel gehört bei uns zu jedem guten Fest. Unser Blogger kennt die Konflikte, Für seine Mama ist dieser Umstand nach wie vor schwer zu verdauen. So eine Hochzeit ist am Balkan das höchste der Gefühle. Unser Blogger verbrachte seine ersten Lebensjahre am Balkan. Eine Beziehung zu Wien bestand aber schon damals: Man beachte das Wiener Kennzeichen. In seinem Blog berichtet er jede Woche von seinem Leben zwischen Sarma und Wiener Schnitzeln. Mehr unter heute.at/balkanblog

Zum Thema
Fehler gesehen?

Mein Opa hat alles erlebt. Er hatte zu allem eine Meinung, von der er sich auch nicht abbringen ließ. Und das, obwohl er eigentlich kaum etwas von der Welt gesehen hat.

Ich hatte eine besondere Bindung zu meinem Opa. Denn er hat mich gewissermaßen großgezogen. Während meine Mama versuchte, in Österreich eine Zukunft für uns aufzubauen, blieb ich bei meinen Großeltern, die sich – so erfuhr ich später – liebevoller um mich kümmerten, als sie es bei ihren eigenen Kindern je getan hatten.

Opa war mein Hollywood

Damals gab es noch keine Smartphones, mit denen man sich die Zeit hätte vertreiben können. Einen Fernseher konnten wir uns auch erst viel später leisten. Dafür war Opa mein privates "Hollywood": Er erzählte mir Geschichten, gegen die jeder Tarantino-Film wie ein Mitschnitt einer Wetterkamera aus den Alpen wirkte. Im Nachhinein betrachtet waren die Stories eigentlich eher nichts für einen kleinen Buben. Aber damals konnte ich nicht genug davon kriegen.

Mein Opa war 1938 geboren worden. Im Krieg. Ähnlich wie ich in den 90ern. Er sagte mir oft, dass ich keine Angst haben müsse, keine "Memme" sein solle – und tischte dann Geschichten aus seiner eigenen Kindheit auf, die mich gleichermaßen erschreckten und faszinierten.

So erzählte er mir, wie er als Kind übers Feld rannte, weil er einem Flugzeug folgte. Er habe nicht gewusst, dass es sich dabei um einen Bomber handelte. Erst als aus dem Flieger "Kübel" fielen, so beschrieb er es, sei er weggelaufen. Nur ein paar Meter hinter ihm habe es schließlich eine riesige Explosion gegeben. Seitdem hasse er die Deutschen oder die Amerikaner. Oder beide.

Eine Frau muss kochen!

Ob es diese Explosion tatsächlich gegeben hat, weiß ich nicht. Was ich aber weiß, ist, dass er ein sehr konkretes Weltbild hatte, welches man um keinen Millimeter verrücken konnte. So wünschte er sich für mich, dass ich irgendwann eine Jugo-Freundin finden, sie heiraten und möglichst viele Söhne mit ihr bekommen würde, um den Familiennamen am Leben zu erhalten. Man muss nämlich wissen, dass er drei Töchter hatte und einen Sohn, der keine Kinder wollte. Eine Tatsache, mit der er nie wirklich klar gekommen war.

Auch nachdem sich meine Beziehung mit meiner "Svabo-Freundin" zum sechsten Mal jährte, ließ er nicht von seiner Hoffnung ab. Er meinte, dass ich noch "zur Besinnung" kommen würde. Von den "Deutschen" hielt er nun mal nicht sonderlich viel. Ebenso wenig von meiner Freundin. Da war er sehr hart und direkt. Sie sei zwar nett, aber keine Frau zum Heiraten. Denn wie in einem früheren Blog schon einmal erwähnt: Kochen war nicht ihre Leidenschaft und die Hausarbeit teilen wir uns auf. Ein No Go für meinen Balkan-Opa.

Ich denke oft an ihn

Generell fand er es komisch, wenn Frauen zu viel "Freiraum" hatten. Deshalb erzählte er mir auch öfters, dass er in den 70ern eine Bar geführt hatte. Und wie sollte es anders sein: In dieser hielten sich hauptsächlich Männer auf. Sie seien nun mal die Privilegierten gewesen, die Alkohol trinken durften. Dass ich überhaupt keinen Alkohol trinke, konnte er nie verstehen.

Im vergangenen Jahr schloss mein Großvater für immer seine Augen. Bis zum Schluss ließ er sich nicht von seinem Weltbild abbringen. So seien Kriege zum Beispiel notwendig. Und: Er würde immer wieder in den Kampf ziehen, wenn es denn sein müsste. Dabei konnte er sich bereits im Alter von 50 Jahren kaum noch bewegen.

Ich muss gestehen, dass ich seine sture Art trotz allem gern hatte. Wahrscheinlich lag das zum großen Teil daran, dass er einfach mein Opa war und sich herzlichst um mich kümmerte, auch wenn er nach außen hin immer den "emotionslosen Krieger" gab. Vielleicht konnte er die Emotionen auch einfach nie so richtig zeigen. Oder er wollte sie nie zulassen.

Auf jeden Fall hoffe ich, er verzeiht mir, dass ich mein Leben komplett gegenteilig lebe, aber trotzdem oft mit einem Lächeln an ihn zurückdenke.

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(red)

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  • Ivo am 03.04.2019 15:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meine Großeltern

    Stamme selber vom Balkan (wie es der Vorname schon verrät). MEINE Großeltern haben ihr ganzes Leben in Deutschland verbracht und sich dort ihre Pension verdient. Da in München die Wohnkosten dermaßen hoch sind, sind sie wieder nach Bosnien gezogen, weil man dort von der Pension leben kann. Was aber geblieben ist, ist der unermessliche Respekt zu Deutschland! Sogar im Fußball, wenn Deutschland gegen Kroatien oder Bosnien spielt, feuert man Deutschland an, weil man sich dort seine Pension verdient hat und dieses Land weiterhin liebt

  • ZDSA am 03.04.2019 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    Amüsant und Informativ ist anders

    Interessant das Ihre Freundin nach wie vor mit Ihnen zusammen ist so wie Sie über Sie reden!Zum anderen finde ich ihre Weltanschauungen echt amüsant aber soweit ich mich besinnen kann es sind IHRE Weltanschauungen und stehen in keinster weise zu einer ganzen Bevölkerungsschicht.Frage mich ernsthaft wie es Ihnen genetisch möglich ist so über Ihr eigenes Folk so drüber zu fahren.So sehr sich der Esel wünscht ein Pferd zu sein er wird immer ein Esel bleiben, das hat Ihr Opa Sie nicht gelehrt.Ist aber ein Standard Zitat vom Süden.Was die Paarung angeht gilt natürlich das selbe bzgl. Zitat

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  • Ivo am 03.04.2019 15:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meine Großeltern

    Stamme selber vom Balkan (wie es der Vorname schon verrät). MEINE Großeltern haben ihr ganzes Leben in Deutschland verbracht und sich dort ihre Pension verdient. Da in München die Wohnkosten dermaßen hoch sind, sind sie wieder nach Bosnien gezogen, weil man dort von der Pension leben kann. Was aber geblieben ist, ist der unermessliche Respekt zu Deutschland! Sogar im Fußball, wenn Deutschland gegen Kroatien oder Bosnien spielt, feuert man Deutschland an, weil man sich dort seine Pension verdient hat und dieses Land weiterhin liebt

  • ZDSA am 03.04.2019 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    Amüsant und Informativ ist anders

    Interessant das Ihre Freundin nach wie vor mit Ihnen zusammen ist so wie Sie über Sie reden!Zum anderen finde ich ihre Weltanschauungen echt amüsant aber soweit ich mich besinnen kann es sind IHRE Weltanschauungen und stehen in keinster weise zu einer ganzen Bevölkerungsschicht.Frage mich ernsthaft wie es Ihnen genetisch möglich ist so über Ihr eigenes Folk so drüber zu fahren.So sehr sich der Esel wünscht ein Pferd zu sein er wird immer ein Esel bleiben, das hat Ihr Opa Sie nicht gelehrt.Ist aber ein Standard Zitat vom Süden.Was die Paarung angeht gilt natürlich das selbe bzgl. Zitat