Game Review

17. Dezember 2018 10:41; Akt: 17.12.2018 10:57 Print

Ballern auch in Zeitlupe mit Borderlands 2 VR

Shooting & Looting: Mit dem Ansatz Schießen und Beute einstreifen samt viel Witz erobert Borderlands 2 nun auch die VR-Herzen.

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Borderlands 2 eroberte erstmals 2012 die Charts – und das, obwohl der Shooter teils in trostlosen Umgebungen und mit wenig Handlungshergang daherkam. Faszinierend war allerdings das Konzept: der Titel gab auch gar nicht vor, etwas anderes als ein seichtes, dafür umso spaßigeres Ballergame zu sein, dass mit wahnwitzigen Charakteren, tausenden Waffen, einer surrealen Comic-Widlwest-Weltraum-Atmosphäre und viel schwarzem Humor glänzte.

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Nun ist die VR-Version für PlayStation VR da – und wirft gleich mal ein Grundkonzept von Borderlands 2 über den Haufen. Statt wie im original stark auf den Koop zu fokussieren, ist Borderlands 2 VR ein reiner Einzelspielertitel. Gesteuert wird dieser entweder per Move Controllern oder herkömmlich mit dem Dualshock-Gamepad. Was die Frage aufwirft: Warum nicht mit dem für VR-Shooter gemachten Aim-Controller?

Wer davon ausgeht, die Move-Controller seien die immersivere Wahl, hat wohl recht. Das Spiel zeigt aber in der Praxis starke Gründe, dennoch den Dualshock zu bevorzugen. Einerseits gibt es statt tatsächlichem Zielen mit Waffen ein Zielkreuz, das je nach Rückstoß der Waffe und der Bewegung mit den Move-Controllern einfach zu zittrig wird, um treffsicher zu sein. Zum anderen ist es die Fortbewegung, die zu umständlich wird.

Fuchteln oder teleportieren

Borderlands 2 VR bietet an, sich per Teleportationspunkten fortzubewegen, wobei allerdings viel von dem Gameplay verloren geht, was Borderlands so besonders macht: wild herumschießen und schnell ausweichen. Einen freien Fortbewegungsmodus gibt es auch, doch dieser ist über die Move-Controller umständlich umgesetzt: Per Knopfdruck bewegt man sich in die Richtung, in die der Move-Controller zeigt. Das klingt einfach, wird aber in hektischen Schusswechseln zur Nervenprobe, wenn man mit den Händen herumwinkt und -drückt, um auszuweichen.

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Bei all den Ärgernissen mit den Move-Controllern, mit dem Dualshock gestaltet sich die Steuerung umso besser, präzise, und überraschenderweise trotz der schnellen Bewegungen und dem Zielen mit dem VR-Headset ganz ohne Schwindelerscheinungen. Das Interface mit Umgebungsübersicht und Missionsziel wurde eins zu eins aus dem Original genommen und schwebt im oberen, rechten Sichtbereich. Anfangs sind die Einstellungsoptionen dabei gewöhnungsbedürftig, schnell hat man aber den Dreh raus.

Stärken bleiben auch VR-Stärken

Die ursprünglichen Stärken des Originals bleiben auch in der VR-Version erhalten. Auch hier gibt es tausende Waffen zum Ballern und hinter jeder Ecke Beute zu entdecken, während man Mission um Mission abschließt und Level um Level aufsteigt. Wer Borderlands nicht kennt, wird vor allem von den Waffen positiv überrascht sein. Statt Standard-Schießprügel gibt es hier vieles, das auf den ersten Blick täuscht. So schießen aus der Schrotflinte gerne auch einmal Granaten oder das wegzuwerfende Müllteil entpuppt sich als Mega-Sprengfalle.

Apropos Ballern: Eine der größten Gameplay-Neuerung ist "BAMF Time", kurz für "Bad Ass Mega Fun" Time, was einfach erklärt eine Zeitlupe ist. Ist man (und das ist man meist) den Gegnern hoffnungslos unterlegen, kann man für eine kurze Weile die Zeit extrem verlangsamen und Gegner um Gegner ohne Druck umnieten. Das macht Spaß und ist vor allem für Anfänger eine willkommene Abwechslung, auch wenn die Funktion ohne spektakuläre Effekte oder ähnliches auskommt.

Grafik zeigt das Alter des Titels

Wunderwerk darf man sich grafisch von Borderlands 2 VR keines erwarten. Die in die Jahre gekommene Technik sieht in VR alles andere als beeindruckend aus. Besonders Umgebungen, Gegner und Objekte, die in weiter Ferne sichtbar sind, verschwimmen oft zu unkenntlichen und manchmal flimmernden Massen. Was alles nicht so auffällig wäre, wenn nicht der starke Kontrast zu den Zwischensequenzen wäre. Die zeigen sich nämlich im originalen Boderlands-Material, das so scharf wie bunt ist.

Was Borderlands 2 VR dafür bietet ist eine breite Palette an Einstellungsoptionen, mit denen Spieler sich ihr VR-Vergnügen passend nach Schwindelanfälligkeit und Komfort einrichten können. Blickwinkel lassen sich frei oder in bestimmten Schritten drehen, neben der freien Bewegung gibt es Teleportationspunkte, Springen lässt sich abstellen und das Bilderlebnis lässt sich sogar so sehr minimieren, dass selbst der Schwindelanfälligste keine Drehung in der Magengrube bekommen sollte.

Die Krux mit der VR-Version

Es ist eine Streitfrage: Hätte Borderlands 2 VR besser funktioniert, wenn man den Titel von Grund auf neu für VR entwickelt hätte? Ja und nein. Besonders grafisch, aber auch bei der Steuerung, hätte eine eigene VR-Version wohl besser funktioniert als das Original. Dennoch, es wäre wohl viel verloren gegangen, was Borderlands 2 abseits von Konsole und PC so besonders gemacht hat.

So gesehen ist Borderlands 2 VR auch ein schönes Zuckerl für VR-Spieler, denn es handelt sich fast durchwegs um die originale (und damit mit Dutzenden Spielstunden ausgestattete) Version des Spiels, die noch immer mit der abgespacten Wildwest-Welt, nervig-niedlichen Figuren wie den Begleiter Claptrap, wüsten Feuergefechten und einem irren Waffenarsenal glänzt. Ob man das im Original oder in der VR-Version erleben will, muss letztlich jeder für sich selbst entscheiden.

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