Game Review

13. Februar 2019 16:00; Akt: 13.02.2019 16:15 Print

Metro Exodus im Test: Frei, aber nicht weniger gruselig

von Rene Findenig - Mit Metro Exodus verlässt die Metro-Reihe erstmals ihren linearen Ablauf und spielt die Stärken bei Horror sowie Survival noch stärker aus.

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Wie die Metro-Exodus-Bilder und -Videos zeigen, spielt sich ein großer Teil des Games nicht mehr im Dunkeln von Schächten, sondern auch im gleißenden Sonnenlicht ab. Tut das dem Horror, der Metro bisher ausgemacht hat, einen Abbruch? Nein! Einerseits ist es eine schöne Mechanik, sich tagsüber etwas sicherer zu fühlen und in der Nacht vorsichtiger zu sein, um dann von Mutanten doch immer wieder überraschend erschreckt zu werden. Andererseits sorgen die Entwickler auch am Tag dafür, dass immer wieder Situationen auftreten, die für Schockmomente sorgen. Etwa, in dem ein Missionsziel in ein schattiges Lagerhaus führt oder man neugierig eine kleine Höhle erkunden will. Exodus setzt im Jahr 2036 ein, zwei Jahre nach den Geschehnissen von Metro: Last Light. Statt der linearen U-Bahn-Karten kommt aber in der Exodus-Welt nun Open-World-Feeling auf. In einer ein Spieljahr samt Jahreswechsel umfassenden Handlung bereist Artjom mit einem Team aus Sparta-Elitekämpfern in der Dampflok "Aurora" den gesamten Kontinent, um einen Platz für ein neues Leben zu suchen. Ausgangspunkt ist aber die bekannte Metro - und "offene Welt" stimmt nur teilweise. Auch wenn der Spieler in den verschiedenen Gebieten frei Erkundungen durchführen und Aufgaben entdecken kann, hat er nicht die freie Auswahl, auf der gesamten Karte hin- und herzuwandern. Zu welchem Gebiet es nach Abschluss der Missionsziele weitergeht, ist vorbestimmt und nicht auswählbar. Dennoch, es ist ein Riesenschritt, sich statt in engen U-Bahn-Tunneln plötzlich in Eis-Wüsten, Ruinenstädten aus Sand oder fast idyllisch wirkenden Wiesenlandschaften wiederzufinden. Die Übersicht geht ob der vielen Möglichkeiten aber nie verloren, denn ständig hat man ein Missionsziel auf der Übersichtskarte eingezeichnet und weiß, was zu tun ist - auch wenn man sich gerade mit etwas anderem beschäftigen will. Während Mutanten etwa in der Nacht gefährlicher sind, herrscht tagsüber die Gefahr, von anderen Überlebendengruppen in einen Hinterhalt gelockt zu werden. Oft kann es aber das Risiko der Dunkelheit wert sein, sich hinauszuwagen, denn feindliche Lager können so ohne Alarm auszulösen überfallen werden. Generell gibt es grafisch nichts zu bemängeln: Die Umgebungen sind so abwechslungsreich wie gestochen scharf, Licht- und Wassereffekte hat man so in kaum einem anderen Spiel in solcher Qualität gesehen und sowohl Menschen als auch Mutanten wirken beinahe fotorealistisch.

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Sucht man Anfang 2019 bereits einen Kandidaten für das Spiel des Jahres, Metro Exodus ist ein ganz heißer Anwärter darauf. Der dritte Titel der Metro-Reihe für PlayStation 4, Xbox One und PC macht vieles anders als seine beiden Vorgänger, wagt aber bei den Stärken keine Experimente. Und obwohl sich Metro Exodus zum Teil ganz anders als die Vorgänger spielt, ist es ein echtes Metro geblieben.

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Die Handlung stützt sich wieder auf den Metro-Roman des russischen Autors Dmitri Alexejewitsch Gluchowski. Wie in den Vorgängern schlüpft der Spieler in die Rolle von Artjom, einem Überlebenden des Atomkriegs, der sich bisher im Metro-Netz von Moskau durchgeschlagen hat. Nun treibt es ihn und das gesamte Spieleerlebnis allerdings an die Oberfläche, die anders als angenommen doch Leben ermöglicht.

Exodus setzt im Jahr 2036 ein, zwei Jahre nach den Geschehnissen von Metro: Last Light. Statt der linearen U-Bahn-Karten kommt aber in der Exodus-Welt nun Open-World-Feeling auf. In einer ein Spieljahr samt Jahreswechsel umfassenden Handlung bereist Artjom mit einem Team aus Sparta-Elitekämpfern in der Dampflok "Aurora" den gesamten Kontinent, um einen Platz für ein neues Leben zu suchen.

Nicht ganz offen

Ausgangspunkt ist aber die bekannte Metro – und "offene Welt" stimmt nur teilweise. Auch wenn der Spieler in den verschiedenen Gebieten frei Erkundungen durchführen und Aufgaben entdecken kann, hat er nicht die freie Auswahl, auf der gesamten Karte hin- und herzuwandern. Artjom und seine Truppe können nur in jenem Gebiet alles frei entdecken, in dem sie die "Aurora" gerade abgesetzt hat.

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Zu welchem Gebiet es nach Abschluss der Missionsziele weitergeht, ist vorbestimmt und nicht auswählbar. Dennoch, es ist ein Riesenschritt, sich statt in engen U-Bahn-Tunneln plötzlich in Eis-Wüsten, Ruinenstädten aus Sand oder fast idyllisch wirkenden Wiesenlandschaften wiederzufinden. Und die verschiedenen Regionen bieten jeweils so viele erkundbare Geheimnisse, dass das Spiel die Bezeichnung "offene Spielwelt" zurecht trägt.

Grafisch eine Augenweide

Die Übersicht geht ob der vielen Möglichkeiten aber nie verloren, denn ständig hat man ein Missionsziel auf der Übersichtskarte eingezeichnet und weiß, was zu tun ist – auch wenn man sich gerade mit etwas anderem beschäftigen will. Metro Exodus bietet neben den Jahreszeiten einen Tag- und Nachtwechsel sowie dynamische Wettereffekte. Alle drei Features sind beeindruckend: Ob Sommer oder atomarer Winter, ob Regen oder Nebel, ob Tag oder Nacht, die Welt verändert sich laufend und mit ihr die Gefahren.

Während Mutanten etwa in der Nacht gefährlicher sind, herrscht tagsüber die Gefahr, von anderen Überlebendengruppen in einen Hinterhalt gelockt zu werden. Oft kann es aber das Risiko der Dunkelheit wert sein, sich hinauszuwagen, denn feindliche Lager können so ohne Alarm auszulösen überfallen werden. Generell gibt es grafisch nichts zu bemängeln: Die Umgebungen sind so abwechslungsreich wie gestochen scharf, Licht- und Wassereffekte hat man so in kaum einem anderen Spiel in solcher Qualität gesehen und sowohl Menschen als auch Mutanten wirken beinahe fotorealistisch.

Der Horror bleibt erhalten

Wie die Exodus-Bilder und -Videos zeigen, spielt sich ein großer Teil des Games nicht mehr im Dunkeln von Schächten, sondern auch im gleißenden Sonnenlicht ab. Tut das dem Horror, der Metro bisher ausgemacht hat, einen Abbruch? Nein! Einerseits ist es eine schöne Mechanik, sich tagsüber etwas sicherer zu fühlen und in der Nacht vorsichtiger zu sein, um dann von Mutanten doch immer wieder überraschend erschreckt zu werden.

Andererseits sorgen die Entwickler auch am Tag dafür, dass immer wieder Situationen auftreten, die für Schockmomente sorgen. Etwa, in dem ein Missionsziel in ein schattiges Lagerhaus führt oder man neugierig eine kleine Höhle erkunden will. Oder, wenn man eine Rettung einer Familie per Floß überraschend ohne große Probleme fast abgeschlossen hat, ein Mutantengigant auf den letzten Metern Richtung Ufer aber plötzlich aus der Tiefe auftaucht und uns als Beute ausgesucht hat. Ja, Schreckmomente gibt es in Metro Exodus zuhauf, auch wenn sie besser verborgen sind als in den Vorgängern.

Grundverschiedene Gegner

Was die KI von menschlichen und Mutanten-Gegnern betrifft, können sich viele andere Shooter bei Metro Exodus etwas abschauen. Keiner der Feinde ist einfaches Kanonenfutter. Kleine Mutantenwesen treten oft in Schwärmen auf und setzen den Spieler mit ihrer Zahl unter Druck, doch auch große Monster und Tierwesen nutzen Deckungen und Schatten gut für Überraschungsangriffe aus.

Menschliche Feinde wiederum geben sich in Gefechten gegenseitig Deckung, so dass jede Begegnung eine Herausforderung ist. Zwar bestraft Metro Exodus weder Run-and-Gun- noch Stealth-Gameplay, die begrenzten Munitionmengen und die zahlreichen Feinde sorgen aber auch hier dafür, dass aus Metro kein Dauerballer-Bewerb wird. Apropos Ballern: Die "List Pushka"-Maschinenpistole ist wieder eine Kernwaffe des Spiels, doch so viel Auswahl an Knarren hatte man bisher noch nie.

Basteln, was das Herz begehrt

So lässt sich an jeder Menge Schießprügeln nach Belieben herumbasteln, um Waffen nach eigenen Wünschen zu erschaffen. Was Schlagkräftiges für den Nahkampf gefällig? Dann einfach auf das Pistolengerüst einen kurzen Lauf und ein großes Magazin packen. Fernkampf bevorzugt? Dann schraubt man lieber ein Zielfernrohr und einen langen Schaft auf das gleiche Teil und bekommt eine Scharfschützenpistole im Eigenbau.

Auch wenn das Inventar von Metro Exodus riesig ist und die Herstell-Möglichkeiten unbegrenzt erscheinen, findet man sich als Laie anhand guter Erklärungen und einfacher Vorgangsweise leicht zurecht. Toll ist, dass man abgesehen von den vorhandenen Materialen kaum eingeschränkt ist: Waffenteile sind im Rucksack von Artjom verstaut und er kann beinahe jederzeit eine Pause einlegen und neue Waffen zusammenstellen beziehungsweise vorhandene nach eigenen Wünschen adaptieren. Klasse: Waffen müssen auch regelmäßig gereinigt und gewartet werden. Ansonsten kann es passieren, dass das Gewehr genau dann klemmt, wenn man von Mutanten umzingelt ist.

Umgebung reagiert auf den Spieler

Auch das Tragen oder Holstern von Waffen hat Auswirkungen, etwa darauf, wie freundlich oder feindselig NPCs auf den Spieler reagieren. Neben den Waffen lassen sich nun auch andere Items wie Munition, Messer oder Heilgegenstände selbst herstellen. Auch spielerische Upgrades sind mit gefundenen Materialien möglich, wobei die verfügbaren Aufwertungen gut in den Ablauf des Spiels integriert werden.

Schaltet man etwa ein Upgrade für bessere Navigation frei, wird das im Spiel durch einen Kompass dargestellt, den man ab sofort mit sich trägt. Und auch unsere "Aurora" wächst mit der Zeit immer mehr und nimmt gefundene Überlebende auf. Schön zu sehen, dass freischaltbare Upgrades nicht nur spielerische, sondern auch sichtbare und gut integrierte Auswirkungen haben. Auch an der traditionellen Gasmaske muss gebastelt, repariert und der Filter getauscht werden, auch wenn sie nicht mehr ständiger Begleiter ist. Einige Gebiete sind nun ohne sie betretbar.

Packende Action, düsteres Flair

Metro Exodus streift zwar einen Teil der klaustrophobischen Tunnel-Atmosphäre ab, wird aber durch die Wechsel zwischen weiten Landschaften und engen Umgebungen noch ein Stück beklemmender. Während in der Metro das Herz vor Angst weiter am Anschlag pumpt, trügt die ruhige Atmosphäre der Außenwelt. Auch hier ist jederzeit ein Schockmoment möglich und in den ruhigen Phasen zeugen Leichen, Schutt und liegengelassene Habseligkeiten vom Schicksal anderer Menschen. Die vom Entwickler veranschlagten 20 Spielstunden sind dabei eine eklatante Untertreibung. Wer sich Zeit lässt und die Welt erkundet, schnellt schnell über die 50 Stunden. Und das wird man wollen, sobald man Metro Exodus gestartet hat. Keine der Nebenmissionen erweckt zudem den Anschein, reine Abarbeitungs-Aufgabe zu sein. Wie auch alle Charaktere haben die Sidequests ihre ganz eigenen, feinen Handlungsstränge und ziehen uns noch tiefer in die Metro-Welt.

Vielleicht überraschend für den Action-Shooter: Nicht nur Steuerung und Grafik sind vom Feinsten, auch emotional packt der Titel. In Artjoms Wunsch nach einem ruhigen Platz zum Leben kann man sich sofort hineinversetzen. Die Verluste und Entbehrungen auf den Weg dorthin treffen dabei die Gefühle selbst des hartgesottensten Shooter-Spielers. Metro Exodus ist nicht nur der beste Metro-Titel aller Zeiten, sondern in vielerlei Hinsicht ein strahlender Shooter. Dass eine Spielereihe, die vom linearen Ablauf gelebt hat, auch in einer quasi-offenen Welt gut und sogar besser funktioniert, überrascht. Und dass sich die Entwickler trotz aller Hochglanz-Actiongames der Konkurrent dabei ihren ganz eigenen Stil bewahren, macht Metro Exodus so spannend wie innovativ. Nicht nur für Metro-Fans ist Exodus ein Pflichttitel. Es ist ein Spiel, dass jeder Gamer gespielt haben sollte.

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