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21. April 2018 22:33; Akt: 21.04.2018 22:33 Print

Nintendo Labo: Dieser Karton ist nicht von Pappe

von Lukas Urban - Nintendos neueste verrückte Idee verbindet Videospiele, Freude am Basteln und die Möglichkeit, die eigene Kreativität zu entfalten.

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Auf diese Idee konnte wohl nur Nintendo kommen. Die beiden ab 27. April erhältlichen Labo-Sets bieten einerseits Software für Nintendo Switch, andererseits Bausätze für diverse Konstruktionen - allesamt zum Großteil aus perfekt gestanzten Kartonbögen. Nintendo Labo wird zum Start in zwei verschiedenen Sets angeboten. Das Multi-Set enthält fünf verschiedene Konstruktionen: das RC-Auto, die Angel, das Haus, das Motorrad und das Klavier. Kostenpunkt: 69,99 Euro. Das Robo-Set bietet hingegen nur einen Roboter-Rucksack, der mit einer Bauzeit von einigen Stunden das aufwendigste Labo-Projekt ist. Für dieses Erlebnis werden 79,99 Euro fällig. Das Zusammensetzen eines Toy-Con macht Spaß und wird hervorragend erklärt. Der Bildschirm der Nintendo Switch dient als interaktive Bauanleitung, die jeden Schritt detailliert erklärt. Nicht mit Text, sondern Animationen, die per Touchscreen in alle möglichen Richtungen gedreht werden können. Das ist auch nötig, denn viele Toy-Con sind äußerst umfangreich und erfordern die genaue Befolgung der Instruktionen. Die Bauzeiten variieren stark und reichen von unter zehn Minuten für das RC-Car bis zu mehreren Stunden für den Roboter-Rucksack. Exklusive individueller Dekorationen. Ist die Angel, das Klavier oder auch der Roboter fertig, werden die Joy-Con-Controller eingesetzt. Die kleinen abnehmbaren Steuerungseinheiten entfalten mit Nintendo Labo endlich ihr volles Potenzial. Insbesondere die im rechten Joy-Con eingebaute Infrarotkamera wurde bis auf ein Minispiel in der Minispielsammlung 1-2-Switch bisher nicht benutzt. Für Nintendo Labo ist sie aber elementar: Sie registriert reflektive Sticker in den Kartonkonstrukten und wandelt sie in Eingaben für die Labo-Spielerlebnisse um. Es fühlt sich wundervoll an, einen virtuellen Fisch mit einer Papp-Angel aus dem Meer zu ziehen, wenn das Klackern beim "Einholen" der Schnur, die Vibration der Joy-Con und der Widerstand des Gummibands, das die Rute mit dem "Meer" verbindet, zusammenspielen. Das Spielen selbst ist die unspektakulärste Komponente der Labo-Erfahrung. Die Minigames sind Nintendo-typisch poliert, aber bieten zumeist nur wenig Umfang. Das heißt keinesfalls, dass sie schlecht wären. Während das Multi-Set mit seinen fünf Modellen ein breites Feld abdeckt, konzentriert sich das Robo-Set auf eine einzige Konstruktion: den Roboter-Rucksack. Dabei handelt es sich um die größte, umfangreichste und komplizierte Labo-Kreation. Doch wie viel Videospiel im Robo-Kit? Zunächst wäre da der Prüfungsmodus, der in Arcade-Manier dazu animiert, so viele Gebäude und Aliens wie möglich zu zertrümmern, um möglichst viele Punkte zu sammeln. Sogar Multiplayer hat es ins Spiel geschafft. Nintendo Labo animiert aktiv zur Kreation eigener Toy-Con. Zu diesem Zweck gibt es den Werkstatt-Modus. Dieser lässt Kinder und andere kreative Geister mithilfe einfacher Programmierlogiken neue Toy-Con erschaffen. Dabei dreht sich alles um die Ein- und Ausgabe von Befehlen. Eine Eingabe kann etwa ein "Tastendruck" oder "Bewegung" sein. Die Ausgabe-Knoten legen die Reaktionen der Toy-Con fest, zum Beispiel Klangeffekte, Aufleuchten des Switch-Bildschirms oder Vibrationen. Nintendo Labo ist ein außergewöhnliches Lernspielzeug. Das Zusammenbauen der komplexen Gebilde wird hervorragend erklärt und geht dank toller Verarbeitung kinderleicht von der Hand. Die mitgelieferten Spiele sind ein wenig schwachbrüstig, vermitteln aber einen Eindruck, was mit Karton, der Switch und Kreativität möglich ist. Angeln, Motorradfahren und Steuern des kleinen Autos sind mehr als Inspiration zu sehen, um danach eigene Toy-Con zu kreieren.

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4K-Auflösung, brutale Szenen, realistische Grafik und emotionale Handlungen … überlässt Nintendo lieber den anderen Herstellern. Stattdessen gibt es bunte Welten, viel Spielspaß und neuerdings auch Pappkarton. Nachdem ältere Gamer mit The Legend of Zelda: Breath of the Wild, Super Mario Odyssey und anderen Krachern für Nintendo Switch begeistert werden konnten, drängt die Hybridkonsole in die Kinderzimmer. Und das mit einem Konzept, das selbst bei einigen strengen Eltern auf Zuspruch stoßen dürfte: Nintendo Labo verbindet Software mit selbst gebauten Kartongebilden – und vielen Lerneffekten.

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Viel Karton und ein bisschen Software

Auf diese Idee konnte wohl nur Nintendo kommen. Die beiden ab 27. April erhältlichen Sets bieten einerseits Software für Nintendo Switch, andererseits Bausätze für diverse Konstruktionen – allesamt zum Großteil aus perfekt gestanzten Kartonbögen. Dazu kommen reflektierende Sticker sowie andere unterstützende Elemente, etwa Gummiringerl. Was nach "nur" einem Stapel Karton klingt, ist aber viel mehr.

Nintendo Labo wird zum Start in zwei verschiedenen Sets angeboten. Das Multi-Set enthält fünf verschiedene Konstruktionen: das RC-Auto, die Angel, das Haus, das Motorrad und das Klavier. Kostenpunkt: 69,99 Euro. Das Robo-Set bietet hingegen nur einen Roboter-Rucksack, der mit einer Bauzeit von einigen Stunden das aufwendigste Labo-Projekt ist. Für dieses Erlebnis werden 79,99 Euro fällig. All diese Konstruktionen werden von Nintendo "Toy-Con" genannt, in Anlehnung an die Joy-Con-Controller.

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Bauspaß

Das Zusammensetzen eines solchen Toy-Con macht Spaß und wird hervorragend erklärt. Der Bildschirm der Nintendo Switch dient als interaktive Bauanleitung, die jeden Schritt detailliert erklärt. Nicht mit Text, sondern Animationen, die per Touchscreen in alle möglichen Richtungen gedreht werden können. Das ist auch nötig, denn viele Toy-Con sind äußerst umfangreich und erfordern die genaue Befolgung der Instruktionen.

Die Bauzeiten variieren stark und reichen von unter zehn Minuten für das RC-Car bis zu mehreren Stunden für den Roboter-Rucksack. Beim Bauen rächt sich der schwache Ständer der Switch. Will man die kleine Konsole vor sich hinstellen und den Touchscreen betätigen, stößt man sie regelmäßig aus Versehen um.

Ist die Angel, das Klavier oder auch der Roboter fertig, werden die Joy-Con-Controller eingesetzt. Die kleinen abnehmbaren Steuerungseinheiten entfalten mit Nintendo Labo endlich ihr volles Potenzial. Insbesondere die im rechten Joy-Con eingebaute Infrarotkamera wurde bis auf ein Minispiel in der Minispielsammlung 1-2-Switch bisher nicht benutzt. Für Nintendo Labo ist sie aber elementar: Sie registriert reflektive Sticker in den Kartonkonstrukten und wandelt sie in Eingaben für die Labo-Spielerlebnisse um.

Nette, aber kleine Spiele

Das Spielen selbst ist die unspektakulärste Komponente der Labo-Erfahrung. Die Minigames sind Nintendo-typisch poliert, aber bieten zumeist nur wenig Umfang. Das heißt keinesfalls, dass sie schlecht wären. Es fühlt sich wundervoll an, einen virtuellen Fisch mit einer Papp-Angel aus dem Meer zu ziehen, wenn das Klackern beim "Einholen" der Schnur, die Vibration der Joy-Con und der Widerstand des Gummibands, das die Rute mit dem "Meer" verbindet, zusammenspielen.

Andere Beispiele sind das Motorrad-Rennspiel, das mit verschiedenen Schnelligkeitsklassen aufwartet und sogar eigene Strecken erstellen lässt oder das Haus, bei dem mit einem kleinen Wesen interagiert werden kann, indem man mehrere modulare Aufsätze in seine Behausung steckt. Besonders das letztere Labo-Modell dürfte bei jüngeren Kindern auf viel Begeisterung stoßen.

Der Gigant aus Karton

Während das Multi-Set mit seinen fünf Modellen ein breites Feld abdeckt, konzentriert sich das Robo-Set auf eine einzige Konstruktion: den Roboter-Rucksack. Dabei handelt es sich um die größte, umfangreichste und komplizierte Labo-Kreation. Mittels einer Reihe von hellen Blöcken, die von der Infrarot-Kamera erfasst werden, wird ein virtueller Roboter auf dem Fernseher gesteuert. Schnüre sind an den Füßen und Händen befestigt, mit denen man die Position der Gewichte im Rucksack verändert und dem Spiel verständlich macht, dass man auf UFOs einprügelt, sich in einen Panzer verwandelt und durch die Luft fliegt.

Vorab stand die Frage im Raum, wie viel Videospiel im Robo-Kit steckt – auch wegen des hohen Preises von 79,99 Euro. Zunächst wäre da der Prüfungsmodus, der in Arcade-Manier dazu animiert, so viele Gebäude und Aliens wie möglich zu zertrümmern, um möglichst viele Punkte zu sammeln. Sogar Multiplayer hat es ins Spiel geschafft, setzt aber einen zweiten Robo-Rucksack samt einem Paar Joy-Con voraus. Erfüllt man diese Voraussetzungen, kann man sich ein Duell der Roboter-Giganten liefern. In der sogenannten "Garage" kann das Aussehen des Roboters verändert werden, unter anderem mit neuen Farben. Besonders nett ist der Musikmodus, in dem man mit Händen und Füßen eine Reihe von Instrumenten spielt. All das macht einige Stunden lang Spaß, aber nutzt sich nach und nach ab. Gut, dass Nintendo auf die Kreativität der Spieler setzt.

Spielend programmieren

Nintendo Labo animiert aktiv zur Kreation eigener Toy-Con. Zu diesem Zweck gibt es den Werkstatt-Modus. Dieser lässt Kinder und andere kreative Geister mithilfe einfacher Programmierlogiken neue Toy-Con erschaffen. Dabei dreht sich alles um die Ein- und Ausgabe von Befehlen. Eine Eingabe kann etwa ein "Tastendruck" oder "Bewegung" sein. Die Ausgabe-Knoten legen die Reaktionen der Toy-Con fest, zum Beispiel Klangeffekte, Aufleuchten des Switch-Bildschirms oder Vibrationen. Nach dem Prinzip "Aktion X führt zu Reaktion Y" kann beispielsweise das RC-Auto mithilfe der Angel ferngesteuert oder das Motorrad wie Musikinstrument verwendet werden.

Fazit: Beeindruckend anders

Nintendo Labo ist ein außergewöhnliches Lernspielzeug. Das Zusammenbauen der komplexen Gebilde wird hervorragend erklärt und geht dank toller Verarbeitung kinderleicht von der Hand. Die mitgelieferten Spiele sind ein wenig schwachbrüstig, vermitteln aber einen Eindruck, was mit Karton, der Switch und Kreativität möglich ist. Angeln, Motorradfahren und Steuern des kleinen Autos sind mehr als Inspiration zu sehen, um danach eigene Toy-Con zu kreieren. Es muss sich nur zeigen, wie viel die Karton-Gebilde tatsächlich aushalten. Andererseits: Wenn tatsächlich einmal die Angelrute zu Bruch gehen sollte, behilft man sich einfach mit Klebeband. Sogar die Reparatur von Nintendo-Spielzeug ist ungewöhnlich.

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