Vorschau zum Western-Game

21. Oktober 2018 10:47; Akt: 21.10.2018 10:51 Print

Red Dead Redemption 2 übertrifft alle Erwartungen

von Lukas Urban - Ab dem 26. Oktober galoppieren die Outlaws auf PlayStation 4 und Xbox One durch den Wilden Westen. "Heute" hat Red Dead Redemption 2 vorab angespielt.

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Red Dead Redemption 2 ist einfach nur absurd. Absurd groß, absurd detailreich, absurd ambitioniert. Die Entwickler haben die Technik unter der Haube ordentlich aufpoliert. Das soll bessere Animationen, mehr Interaktionsmöglichkeiten und eine lebendigere Spielwelt zur Folge haben. Rockstar dürfte das nicht einfach daher sagen, denn die Welt wurde vor der Handlung gebaut, soll selbst als Charakter auftreten. Gleichzeitig ist Red Dead Redemption 2 aber interaktiver als alle Rockstar-Spiele zuvor. Mit beinahe jedem Charakter kann man in Kontakt treten. Das neue Interaktionsmenü erlaubt das freundliche Grüßen, Beleidigen oder sogar Ausrauben von Reisenden, Dorfbewohnern und zwielichtigen Gestalten am Straßenrand. Wie die Figuren reagieren ist schwer abzuschätzen - wie im echten Leben auch. Hat man eine Vorgeschichte mit einer Person oder eine negative Reputation, kann das natürlich die Möglichkeiten beeinflussen. Jemanden zu grüßen, mit dem man sich zuvor heftig gestritten hat, ist eben nicht logisch. Im Jahr 1899 neigt sich die Zeit der Outlaws in Amerika ihrem Ende zu. Als Arthur Morgan zieht man mit der berüchtigten Van-der-Linde-Gang raubend und mordend durch das Land. Die Ansammlung von Ausgestoßenen wird im Laufe der Handlung immer wieder einen neuen Lagerplatz suchen - ein zentraler Bereich des Spiels. Nicht jede Aktion treibt die Story voran, aber verleiht der Welt eine Lebendigkeit, die bei den meisten Open-World-Spielen einfach fehlt. Laut Rockstar soll sich alles so organisch wie möglich anfühlen - ohne plumpe Markierungen, die genau anzeigen, welche Charaktere Missionen bereithalten. Stattdessen ist man angehalten, auffälligen Personen zuzuhören, denn man stolpert entweder in Missionen - die Grenze zwischen Haupt- und Nebenaufgaben ist fließend - oder wird auf Geheimnisse aufmerksam. Dass man auch alleine gegen eine Überzahl bewaffneter Feinde bestehen kann, liegt nicht zuletzt am bereits aus dem Vorgänger bekannten Deadeye-System. Per Knopfdruck wird die Zeit verlangsamt, man kann Gegner markieren und sie anschließend der Reihe nach abknallen. Und das mit fünf Aufbaustufen, denn später zeigt das Spiel sogar Schwachstellen bei Feinden an. Das soll aber nicht heißen, dass es kinderleicht wäre. Deckung ist essenziell, um nicht im eindrucksvoll gestalteten Schlamm zu landen. Doch auch bei einer gewonnenen Schießerei gegen die Sheriffs muss man sich hüten, denn Straftaten ziehen ein Kopfgeld nach sich. Es verschwindet auch mit der Zeit nicht, kann aber beim Postmeister beglichen werden. Da ist man im Wilden Westen ganz unbürokratisch. Red Dead Redemption 2 ist gespickt mit Mechaniken, die ähnlich beeindruckend ineinander greifen wie Physik und Objekte in The Legend of Zelda: Breath of the Wild. Waffen verrosten, wenn sie nass werden, bei kaltem Wetter benötigt Arthur wärmere Kleidung, Zeugen von Verbrechen können mundtot gemacht werden, Kadaver von Tieren verwesen und ziehen andere Tiere an - in Summe wirkt das Spiel viel durchdachter als die meisten anderen Game-Blockbuster! Sogar das Pferd ist bedeutender, als man es je hätte ahnen können. Tier und Reiter bauen eine Beziehung auf, die sich direkt auf das Gameplay auswirkt, etwa durch eine präzisere Steuerung. Die Satteltaschen dienen als Inventar-Erweiterung, denn man kann immer nur eine realistische Menge an Waffen am Körper tragen. Im Stall wird der treue Begleiter mit neuen Sätteln oder Frisuren ausgestattet. Red Dead Redemption 2 ist Rockstars erstes Spiel, das vollends auf die aktuellen Konsolen ausgelegt ist. Und das sieht man dem Titel an. Es ist beinahe unheimlich, was die Entwickler aus der PlayStation 4 Pro herauskitzeln - auf dieser Plattform wurde für diesen Artikel gespielt. Egal ob Gesichter, Landschaften oder auch nur der Schlamm auf der Straße - alles wird atemberaubend in Szene gesetzt. Neben enorm detaillierten Texturen begeistern Lichteffekte, Partikelsysteme und ein dynamisches Wettersystem. Und: Das Game kann komplett aus der Egoperspektive gespielt werden. Ein Umschalten zu verschiedenen Schulterperspektiven ist jederzeit möglich. Der Soundtrack verändert sich dynamisch. Möglich machen das 192 separate Stücke Instrumentalmusik, die sich dem Geschehen anpassen. So kommt immer die passende Stimmung auf - egal ob man über eine weite Ebene reitet oder sich wilde Schießereien in einem Banditen-Unterschlupf liefert. Rockstar Games legt die Latte für offene Spielwelten einmal mehr deutlich höher und dürfte einen der besten Titel der letzten Jahre abliefern. Riesig, komplex, erwachsen: Ein neues FIFA oder Call of Duty gibt es jedes Jahr, doch ein Red Dead Redemption 2 kommt nur einmal pro (Konsolen-)Generation.

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Darauf haben viele Gamer lange gewartet! Red Dead Redemption 2 erscheint in wenigen Tagen und könnte eines der prägendsten Spiele der Konsolengeneration werden. Denn das neue Werk von Rockstar Games ist einfach nur absurd. Absurd groß, absurd detailreich, absurd ambitioniert.

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Die Welt ist hier der Star

Die Entwickler haben die Technik unter der Haube ordentlich aufpoliert. Das soll bessere Animationen, mehr Interaktionsmöglichkeiten und eine lebendigere Spielwelt zur Folge haben. Rockstar dürfte das nicht einfach daher sagen, denn die Welt wurde vor der Handlung gebaut, soll selbst als Charakter auftreten. Hier dreht sich nicht alles um den Spieler – er hält sich lediglich in dieser Umgebung voller Städte, Ebenen, Berge und Wüsten auf.

Gleichzeitig ist Red Dead Redemption 2 aber interaktiver als alle Rockstar-Spiele zuvor. Mit beinahe jedem Charakter kann man in Kontakt treten. Das neue Interaktionsmenü erlaubt das freundliche Grüßen, Beleidigen oder sogar Ausrauben von Reisenden, Dorfbewohnern und zwielichtigen Gestalten am Straßenrand. Wie die Figuren reagieren ist schwer abzuschätzen – wie im echten Leben auch. Hat man eine Vorgeschichte mit einer Person oder eine negative Reputation, kann das natürlich die Möglichkeiten beeinflussen. Jemanden zu grüßen, mit dem man sich zuvor heftig gestritten hat, ist eben nicht logisch.

Das Ende einer Ära

Im Jahr 1899 neigt sich die Zeit der Outlaws in Amerika ihrem Ende zu. Als Arthur Morgan zieht man mit der berüchtigten Van-der-Linde-Gang raubend und mordend durch das Land. Die Ansammlung von Ausgestoßenen wird im Laufe der Handlung immer wieder einen neuen Lagerplatz suchen – ein zentraler Bereich des Spiels.

Hier kann man in die Gemeinschaftskasse einzahlen und so die Moral hochhalten, mit seinen Kumpanen plaudern, Karten spielen oder zu gemeinsamen Unternehmungen aufbrechen. Nicht alles treibt die Story voran, aber verleiht der Welt eine Lebendigkeit, die bei den meisten Open-World-Spielen einfach fehlt. Laut Rockstar soll sich alles so organisch wie möglich anfühlen – ohne plumpe Markierungen, die genau anzeigen, welche Charaktere Missionen bereithalten.


(Video: Rockstar Games)

Auf eigene Faust

Stattdessen ist man angehalten, auffälligen Personen zuzuhören, denn man stolpert entweder in Missionen – die Grenze zwischen Haupt- und Nebenaufgaben ist fließend – oder wird auf Geheimnisse aufmerksam. Im kleinen Städtchen Valentine geht bei unserem Hand-On etwa das Gerücht um, dass im Laden des Apothekers etwas nicht stimmt. Er verhält sich auffällig, wenn man sich der Tür zu seinem Hinterzimmer nähert. Mit etwas Entdeckerdrang findet man heraus, dass dort eine feindliche Gang ihren zwielichtigen Geschäften nachgeht.

Mit einem Revolver unter der Nase lässt sich der Apotheker dazu "überreden", die Tür zum verbotenen Raum zu öffnen. Dort warten Banditen, die sind aber schnell ausgeschaltet. Also Geld einsacken und schnell verschwinden? Fehlanzeige! Der Lärm hat die Gesetzeshüter auf den Plan gerufen, die die Hauptstraße mit Blei eindecken.

Im Kampf gegen das Gesetz

Dass man auch alleine gegen eine Überzahl bewaffneter Feinde bestehen kann, liegt nicht zuletzt am bereits aus dem Vorgänger bekannten Deadeye-System. Per Knopfdruck wird die Zeit verlangsamt, man kann Gegner markieren und sie anschließend der Reihe nach abknallen. Und das mit fünf Aufbaustufen, denn später zeigt das Spiel sogar Schwachstellen bei Feinden an.

Das soll aber nicht heißen, dass es kinderleicht wäre. Deckung ist essenziell, um nicht im eindrucksvoll gestalteten Schlamm zu landen. Doch auch bei einer gewonnenen Schießerei gegen die Sheriffs muss man sich hüten, denn Straftaten ziehen ein Kopfgeld nach sich. Es verschwindet auch mit der Zeit nicht, kann aber beim Postmeister beglichen werden. Da ist man im Wilden Westen ganz unbürokratisch.

Wechselwirkungen

Red Dead Redemption 2 ist gespickt mit Mechaniken, die ähnlich beeindruckend ineinander greifen wie Physik und Objekte in The Legend of Zelda: Breath of the Wild. Waffen verrosten, wenn sie nass werden, bei kaltem Wetter benötigt Arthur wärmere Kleidung, Zeugen von Verbrechen können mundtot gemacht werden, Kadaver von Tieren verwesen und ziehen andere Tiere an – in Summe wirkt das Spiel viel durchdachter als die meisten anderen Game-Blockbuster!

Sogar das Pferd ist bedeutender, als man es je hätte ahnen können. Tier und Reiter bauen eine Beziehung auf, die sich direkt auf das Gameplay auswirkt, etwa durch eine präzisere Steuerung. Die Satteltaschen dienen als Inventar-Erweiterung, denn man kann immer nur eine realistische Menge an Waffen am Körper tragen. Im Stall wird der treue Begleiter mit neuen Sätteln oder Frisuren ausgestattet.


(Video: Rockstar Games)

Neuer audiovisueller Maßstab

Red Dead Redemption 2 ist Rockstars erstes Spiel, das vollends auf die aktuellen Konsolen ausgelegt ist. Und das sieht man dem Titel an. Es ist beinahe unheimlich, was die Entwickler aus der PlayStation 4 Pro herauskitzeln – auf dieser Plattform wurde für diesen Artikel gespielt. Egal ob Gesichter, Landschaften oder auch nur der Schlamm auf der Straße – alles wird atemberaubend in Szene gesetzt. Neben enorm detaillierten Texturen begeistern Lichteffekte, Partikelsysteme und ein dynamisches Wettersystem. Und: Das Game kann komplett aus der Egoperspektive gespielt werden. Ein Umschalten zu verschiedenen Schulterperspektiven ist jederzeit möglich.

Der Soundtrack verändert sich dynamisch. Möglich machen das 192 separate Stücke Instrumentalmusik, die sich dem Geschehen anpassen. So kommt immer die passende Stimmung auf – egal ob man über eine weite Ebene reitet oder sich wilde Schießereien in einem Banditen-Unterschlupf liefert.

DAS Highlight des Jahres

Alleine die Einzelspieler-Komponente von Red Dead Redemption 2 hat über 100 GB – und da ist noch gar nicht die Rede vom Mehrspieler-Part, der Ende November in die Beta geht. Sobald man auch nur ein bisschen Zeit in dieser wunderschönen Welt verbringt ist klar, dass diese Datenmenge einfach nötig ist, um ein derart ambitioniertes Spiel umzusetzen.

Rockstar Games legt die Latte für offene Spielwelten einmal mehr deutlich höher und dürfte einen der besten Titel der letzten Jahre abliefern. Riesig, komplex, erwachsen: Ein neues FIFA oder Call of Duty gibt es jedes Jahr, doch ein Red Dead Redemption 2 kommt nur einmal pro (Konsolen-)Generation.

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