Puzzler im Test

27. Januar 2016 12:43; Akt: 02.08.2018 10:46 Print

The Witness nimmt euch mit auf Sinnsuche

von Rene Findenig - Acht Jahre Arbeit und Millionen aus eigener Tasche hat der Programmierer Jonathan Blow in den Titel The Witness gesteckt.

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Wer The Witness startet, ist zuerst einmal verwirrt. Es gibt keinen Titelbildschirm, keine Story, keine Anleitungen, keine Tipps, keine Beschreibung. Steht man vor den ersten Aufgaben, derer es über 600 in Form von Schalttafeln gibt, fragt man sich, ob man in ein Spiel für Kleinkinder geraten ist. Tolle Grafik schön und gut, aber zwei Punkte mit einer Linie zu verbinden unterfordert gewaltig. Die Grafik zeigt sich dafür von Beginn weg atemberaubend: Hat man seine Röhre verlassen, findet man sich auf einem mysteriös-hübschen Inselparadies wieder, das von rätselhaften Objekten durchzogen ist. Was The Witness vom Spieler verlangt, ist, dass er sich auf das Spiel einlässt. Das Game serviert einem die Erklärung nicht, warum man auf einer einsamen Insel gelandet ist, wer man ist, was es mit den mysteriösen Statuen und Strukturen auf sich hat und zu welcher Lösung es führt. Einzig Audio-Tagebücher geben seichte Hinweise darauf, was geschehen ist. Vielmehr soll sich der Spieler selbst eine der wichtigsten Fragen der Menschheit stellen: Warum sind wir hier? Und weiter: Warum tue ich das, was ich tue, und wohin führt es mich? Wer den Controller nicht genervt in die Ecke gepfeffert hat, der wird sich dabei ertappen, dass sich der Spaß am Rätsellösen schleichend einstellt. Die Puzzles auf den Zeichenbrettern werden kniffliger und die Welt, die man mit den Lösungen freischaltet, wird größer. Es schleicht sich aber nicht nur der Spaß ein, The Witness schleicht sich auch langsam in die Psyche des Gamers. Man fühlt sich hilflos und alleine, steht man erst vor augenscheinlich unlösbaren Rätseln. Ja, so einfach die ersten Aufgaben waren, so komplex werden sie mit der Zeit. Dass es bei einem gelösten Rätsel oftmals keinen Hinweis darauf gibt, ob man dadurch nun eine Tür geöffnet oder einen Mechanismus in Gang gesetzt hat, ist frustrierend und gleichzeitig der Sinn des Spiels. The Witness ist kein Spiel für zwischendurch und keines für Gamer, die eine Herausforderung scheuen. The Witness stellt den Spieler auf die Probe, reißt ihn zwischen Frustration und Freude, Verständnislosigkeit und Erkenntnis hin und her. Es ist ein Spiel, das voll von Kontrasten ist und den Spieler emotional und psychisch fordert. The Witness macht aber vor allem eines: Es stellt jeden Gamer vor die Frage, wo sein Platz in der Welt ist und welchen Sinn sein Leben hat. Und das muss sich letztlich jeder selbst beantworten.

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Nun ist das 3D-First-Person-Puzzle-Game für PC und PlayStation 4 erschienen. Der Titel vereint eine traumhaft gestaltete Inselwelt mit hunderten Rätseln. Der Spieler ist in The Witness komplett auf sich alleine gestellt. Wir haben uns in die Puzzle-Welt gewagt.

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Wer das Spiel startet, ist zuerst einmal verwirrt. Es gibt keinen Titelbildschirm, keine Story, keine Anleitungen, keine Tipps, keine Beschreibung. Man findet sich anfangs in einer Röhre wieder, hat keine Ahnung, wo man ist oder was man eigentlich tun soll. Das spielt sich, kennt man die Philosophie des Puzzlers nicht, anfangs enttäuschend und seltsam. Doch wer das Gamepad nicht gleich aus der Hand legt, soll belohnt werden.

Doch dazu braucht es Geduld. Steht man vor den ersten Aufgaben, derer es über 600 in Form von Schalttafeln gibt, fragt man sich, ob man in ein Spiel für Kleinkinder geraten ist. Tolle Grafik schön und gut, aber zwei Punkte mit einer Linie zu verbinden unterfordert gewaltig. Die Grafik zeigt sich dafür von Beginn weg atemberaubend: Hat man seine Röhre verlassen, findet man sich auf einem mysteriös-hübschen Inselparadies wieder, das von rätselhaften Objekten durchzogen ist. 

Auf der Suche nach dem Sinn

Was The Witness vom Spieler verlangt, ist, dass er sich auf das Spiel einlässt. Das Game serviert einem die Erklärung nicht, warum man auf einer einsamen Insel gelandet ist, wer man ist, was es mit den mysteriösen Statuen und Strukturen auf sich hat und zu welcher Lösung es führt - oder ob Letzteres überhaupt passiert. Einzig Audio-Tagebücher geben seichte Hinweise darauf, was geschehen ist. Vielmehr soll sich der Spieler selbst eine der wichtigsten Fragen der Menschheit stellen: Warum sind wir hier? Und weiter: Warum tue ich das, was ich tue, und wohin führt es mich?

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Wer den Controller nicht genervt in die Ecke gepfeffert hat, der wird sich dabei ertappen, dass sich der Spaß am Rätsellösen schleichend einstellt. Die Puzzles auf den Zeichenbrettern werden kniffliger und die Welt, die man mit den Lösungen freischaltet, wird größer. Es schleicht sich aber nicht nur der Spaß ein, The Witness schleicht sich auch langsam in die Psyche des Gamers. Man fühlt sich hilflos und alleine, steht man erst vor augenscheinlich unlösbaren Rätseln. Ja, so einfach die ersten Aufgaben waren, so komplex werden sie mit der Zeit. Und plötzlich starrt man einige Minuten in einen Spielesee – und kommt auf die Lösung, die nun auf der Hand liegt.

An der Grenze zur Frustration

Dass es bei einem gelösten Rätsel oftmals keinen Hinweis darauf gibt, ob man dadurch nun eine Tür geöffnet oder einen Mechanismus in Gang gesetzt hat, ist frustrierend und gleichzeitig der Sinn des Spiels. Der Figur bleibt nichts anderes übrig, als die Inselwelten nach weiteren Rätseln und Zugängen abzusuchen und sich neuen Aufgaben zu stellen. Dass The Witness die Grenze zur Frustration letztlich nicht durchbricht ist der Tatsache geschuldet, dass man nicht alle Rätsel lösen muss, um das Spiel zu beenden. Apropos: In unter 100 Stunden scheint dies so gut wie unmöglich zu sein. Für Durchschnittsgamer zumindest.

Ja, The Witness hat kleine Schwächen, sei es das seltsame Klappern der Füße des Protagonisten beim Gehen oder die fehlende Einstellungsgeschwindigkeit beim Umschauen. Und ja, auf den ersten Blick fragt man sich tatsächlich, was man da gerade angezockt hat. Ist man aber erst einmal so weit, dass man im Spiel über die simplen Rätsel hinausgekommen ist, wird man es trotz vieler Frustmomente zu schätzen lernen, wenn nicht gar zu lieben. The Witness ist ein Game, das Schritt für Schritt, Rätsel für Rätsel, seine wahre Größe entfaltet.

Fazit

The Witness ist kein Spiel für zwischendurch und keines für Gamer, die eine Herausforderung scheuen. The Witness stellt den Spieler auf die Probe, reißt ihn zwischen Frustration und Freude, Verständnislosigkeit und Erkenntnis hin und her. Es ist ein Spiel, das voll von Kontrasten ist und den Spieler emotional und psychisch fordert. The Witness macht aber vor allem eines: Es stellt jeden Gamer vor die Frage, wo sein Platz in der Welt ist und welchen Sinn sein Leben hat. Und das muss sich letztlich jeder selbst beantworten.

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