Rundfunkgebühr

13. Dezember 2018 11:54; Akt: 13.12.2018 13:00 Print

GIS-freie TVs – neuer Anbieter mischt Markt auf

Bisher boten zwei Unternehmen Fernseher in Österreich an, für die keine Rundfunkgebühr nötig ist. Nun lässt ein dritter Anbieter die Preis purzeln.

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Immer mehr vor allem junge Menschen verzichten auf das Programm des ORF und investieren ihr Geld lieber ins Streaming. Wobei die angebotenen Filme und Serien beziehungsweise die Inhalte generell nur ein Grund sind, Streaminganbieter dem Österreichischen Rundfunk vorzuziehen.

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Finanziell rechnet sich das so: Beim ORF beträgt die Rundfunkgebühr je nach Bundesland monatlich zwischen 20,93 Euro (Vorarlberg und Oberösterreich) und 26,73 Euro (Steiermark), in Wien macht die GIS 26,33 Euro aus. Per Streaming fährt man da weit günstiger: Netflix gibt es ab 7,99 Euro, Amazon Prime Video ebenso. Wer Musik dazu haben mag, bekommt Spotify sogar kostenlos oder bei Prime gleich inkludiert.

Als Wiener spart man sich pro Monat, selbst wenn man Netflix und Amazon Prime nutzt, 10,35 Euro im Vergleich zur GIS. Im Jahr sind das dann bereits 124,20 Euro. Dabei braucht man als "Streamer" auf die ORF-Inhalte auch gar nicht verzichten. Sie holt man sich bei Interesse kostenlos über die ORF-TVthek, wo viele Sendungen und Sportveranstaltungen live übertragen werden.

Neuer Anbieter lässt die Preise fallen

Mittlerweile ist es in Österreich möglich, auf legalem Weg GIS-frei fernzusehen und zu streamen. Entweder man lässt sich dazu den Tuner des bestehenden Fernsehgerätes ausbauen, oder man steigt auf ein neues Gerät ohne Tuner um. Der Verwaltungsgerichtshof urteilte im Juli 2015, dass Fernseher ohne Tuner keine Rundfunkempfänger, sondern Monitore seien und somit nicht gebührenpflichtig sind.

Diese Monitore können dann mit Streaminggeräten betrieben und zum Empfang von Netflix, Amazon Prime, Zappn oder anderen Anbietern verwendet werden. Streaming über das Internet fällt auch nicht unter die Kategorie Rundfunk. Das haben auch Unternehmen wie "NoGis" aus Oberösterreich und Pop-Tech aus Niederösterreich erkannt, die GIS-freie Fernseher in Österreich verkaufen. Nun wirbelt allerdings ein neuer Anbieter die Preise durcheinander: KAGIS.

Um rund 300 bis 600 Euro und günstiger als die anderen Anbieter bisher beginnen die TV-Geräte bei 43-Zoll-Full-HD-Geräten und reichen derzeit bis zum 55-Zoll-4K-HDR-Gerät. 2019 sollen 65-Zoll- und noch größere Geräte folgen. Die Preispolitik wirbelte die Konkurrenz auf: "NoGis" hat die Preis um 50 bis 200 Euro gesenkt, Pop-Tech um sechs bis 151 Euro.

Geräte kommen aus der Türkei

Was KAGIS besonders macht? Um die Herkunft der Geräte wird kein Geheimnis gemacht. "Wir greifen auf den Hersteller Sunny zurück. Sunny ist drittgrößter Hersteller von TV-Geräten in der Türkei und produziert auch die TV-Geräte für andere Hersteller wie Samsung. Somit können wir die beste Qualität liefern und müssen nicht auf Monitore von China zurückgreifen", so die KAGIS-Chefs Stefan Warecka und Thomas Fleckl.

Das habe mehrere Vorteile: Die Fernseher könnten bei höherer Nachfrage rascher geliefert werden, der Preis könne niedrig gehalten werden, die Qualität hoch. "Sunny verwendet ausschließlich A+-Panele, um ausgezeichnete Bildqualität, gute Farbwiedergabe und Helligkeit zu garantieren", so Warecka. Um Vertrauen aufzubauen, gibt man sich transparent, etwa mit einem Video aus der TV-Herstellungsfabrik.

Auch politisch steht die GIS-Gebühr weiter unter Beschuss: Die ÖVP erklärte, man wolle im Rahmen des ORF-Gesetzes Möglichkeiten diskutieren, die GIS durch das Bundesbudget mit den Steuern aller Österreicher zu finanzieren.

Die FPÖ will die GIS sowieso seit Monaten abschaffen, hielt sich aber bedeckt, was die Finanzierung des Rundfunks betrifft. In dieser Situation kommt ein brisantes Urteil des Europäischen Gerichtshofs hinzu. Er entschied, dass der deutsche Rundfunkbeitrag zulässig ist. Seit 2013 muss bei Österreichs Nachbarn jeder Haushalt 17,50 Euro monatlich bezahlen – egal, ob er fernschaut oder nicht einmal ein TV-Gerät zu Hause stehen hat. Ein Modell, das in Österreich zumindest denkbar wäre.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Penelope am 13.12.2018 13:58 Report Diesen Beitrag melden

    Eher unwahrscheinlich....

    ...dass die derzeitigen Zwansgebühren abgeschafft werden um neue Zwangsgebühren in Form einer Haushaltsabgabe einzuführen. Wesentlich wahrscheinlicher ist eine Budgetfinanzierung, im besten Fall wird der Schrottsender aber privatisiert.

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  • Mario am 13.12.2018 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    Amazon, Netflix und Maxdome

    Den kauf ich mir. Und dann freu ich mich das erste mal auf den GIS Kontrolleur. Wenn ich ihm geschmeidig zeige dass kein Tuner im TV ist. Wie der wohl schauen wird? Also ORF: es war nie schön, es war nie so toll, ihr bekommt ab jetzt keinen Cent mehr von meinem Geld für dass ich minimum 190 Stunden im Monat arbeiten gehe :)

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  • zimbo am 13.12.2018 12:05 Report Diesen Beitrag melden

    Prime rechnet sich über Gratislieferunge

    Und ORF nichtmal über Web.Maximal teletext.

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • Waldi am 14.12.2018 19:38 Report Diesen Beitrag melden

    Hr

    Es fehlt hier eine Antwortmöglichkeit, ich zahle, bin aber nicht zufrieden

  • Paul am 14.12.2018 08:22 Report Diesen Beitrag melden

    Urteil des Europäischen Gerichtshofs

    Die sind relativ oft etwas "seltsam" und haben mit "Gerechtigkeit" wenig zu tun sondern sind eher "politisch motiviert" :-(

  • flexi60 am 14.12.2018 01:33 Report Diesen Beitrag melden

    so ein schmarnn

    ich bin ein Befürworter der Rundfunkgebühren , aber nicht so wie bisher den das gebotene Programm ist mehr als grindig da wird einem schlecht davon . nachrichten sind kurz und die Werbung ist lang wir haben viel Landesstudios aber nichts aus den Ländern Bezirk Gemeinden man wir von Müll überhäuft der einen nicht interessiert bzw den man woanders billiger bekommt . Usa serien die bei anderen schon vor 10 Jahren eingestampft wurden werden tag auf tag unter dahergesendet

  • myopinion am 13.12.2018 19:07 Report Diesen Beitrag melden

    GIS wird wohl eher umgetauft

    Abgeschafft wird diese leidige GIS Gebühr, wohl auch bei uns eher nicht. Vielmehr wird man vermutlich, hinter den Kulissen daran feilen, das Kind anders zu taufen und allen Österreichern die Gebühr erneut aufs Auge zu drücken, selbst wenn man keinen TV mit Tuner hat. Ich glaube Flöhe wird man leichter los, wie die GIS Gebühr... Schade, dass das Urteil in Deutschland, hier so ausgefallen ist, dass die Gebühr rechtens ist.

  • Kannitverstan am 13.12.2018 15:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Informationsverweigerung

    Öffentlich rechtliches Fernsehen in der heutigen Form bietet eben mehr als die Streamingplattformen, welche nur fertige Inhalte so oft wie möglich vertreiben. Aktuelles und Informatives sowie diverse kulturelle Sendungen wollen Netflix und co weder produzieren noch vertreiben. Daher ist die Ablehnung der sogenannten Fernsehens eigentlich nicht zu verstehen.

    • kannste verstehen am 13.12.2018 17:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kannitverstan

      Du redest von scrubs? Oder how i met your mother, was danach kommt? Um eine Zeit wo man Kinder bis zum Abendbrot vor die glotze schiebt? Hast recht, das ist die Interpretation von Kultur und Wissen Vermittlung in Österreichs Staatsfernsehen.

    • Kannitverstan am 13.12.2018 17:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @kannste verstehen

      Ich hoffe sie verstehen, dass ich scrub, how i met your mother oder Ähnliches nicht konsumiere.

    • Werner am 13.12.2018 17:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kannitverstan

      Sondern das intellektuellen Programm ORF Frühstücksfernsehen, klingendes Österreich und die ZIB 2 mit dem Dobermann vom Falter?

    • Kannitverstan am 13.12.2018 18:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Werner

      Wenn sie den Dobermann weglassen und durch Universum oder ähnliches ersetzen sehe ich keinen Fehler. Oder informieren sie sich lieber bei norddeutschen, nordamerikanischen oder arabischen Sendern?

    • Kannitverstan am 13.12.2018 20:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kannitverstan

      Wie es scheint, leben die Meisten nur mehr in der Wolke des Internets. Aufgewachsen in der Zeit des Wischofons. Na eure Zukunft wird lustig, erinnert mich ein wenig an Max Headrooms Storybord.

    • wenn'st mich fragst am 14.12.2018 11:03 Report Diesen Beitrag melden

      schaue ich mir

      lieber eine bereits zum x-ten mal wiederholte serie vom king of queens oder 2 and 1/2 men an, als auch nur eine minute orf anzuschauen. jetzt könnts mich gerne einen kulturbanausen nennen ;-))

    • Kannitverstan am 14.12.2018 13:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @wenn'st mich fragst

      Manche Allergie ist eben nicht zu erklären.

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