Umfrage

06. Dezember 2018 14:03; Akt: 06.12.2018 14:25 Print

"Nutzlos", "Katastrophe": Ärzte kritisieren ELGA

Die Elektronische Gesundheitsakte "ELGA" wird nun schon seit Jahren schrittweise eingeführt. Zeit für eine Bilanz, meint die Ärztekammer.

Symbolbild (Bild: picturedesk.com)

Symbolbild (Bild: picturedesk.com)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Laut einer Umfrage der Österreichischen Ärztekammer (ÖAK) halten 70 Prozent der Spitalsärzte die Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) für nicht hilfreich, sie sehen darin keinen Mehrwert.

Umfrage
Haben Sie sich schon mal mit ihrer "ELGA" auseinandergesetzt?

Schneller, vollständiger

Wie kann man das verbessern? Laut den befragten Ärzten wäre es besser, wenn die Datenbank benutzerfreundlicher, vollständiger und schneller wäre.

Dieses Ergebnis präsentierten die Vizepräsidenten der ÖAK, Harald Mayer und Johannes Steinhart gemeinsamt mit Dietmar Bayer, Referent für medizinische Informatik am Donnerstag.

Die Forderungen im Detail

Die drei Ärztekammer-Vertreter erläuterten mehrere Punkte, die Ärzte derzeit an ELGA stören:

- Suchfunktion fehlt
- keine zeitgemäße Usability
- System reagiert sehr langsam
- unvollständige Patientendaten
- komplizierte IT-Strukturen

Tonnenweise Daten, aber keine Suche

Eine Suchfunktion wäre wünschenswert, sowie eine Vereinfachung der IT-Strukturen. Denn bisher würden sich Ärzte keine Zeit durch ELGA ersparen, sondern eher verschwenden.

"Wir haben noch immer keine zeitgemäße Usability. Ich werden von einer Reihe von PDF-Dateien erschlagen", meint Mayer. Zum Finden einer gewissen Info müsste man alle diese Dokumente durchlesen, wofür schlichtweg die Zeit fehlt.

"Es gibt eine Tonne von Daten. Es ist unmöglich, dass ein Arzt sie während eines Patientengesprächs durchliest", merkt Steinhart an. Da würde eben eine Suchfunktion sehr helfen. Auch eine "patient summary", wo auf zwei Seiten wichtige haftungs- und handlungsrelevante Daten zusammengefasst sind, wäre wünschenswert.

Obendrein sei das System auch sehr langsam. Bei Abfragen von Daten würde es zwischen 25 und 55 Sekunden dauern, "bis irgendeine Maske aufgeht", so Mayer.

Unvollständigkeit "eine Katastrophe"

Dass Patienten sich aussuchen können, welche Befunde im System zugänglich gemacht werden, hält Mayer für "eine Katastrophe." Denn: "Ich weiß ja nicht, was der Patient ausblendet."

Dadurch würde der behandelnde Arzt möglicherweise nur Teilinformationen erhalten und das sei wenig hilfreich: "Entweder ganz oder gar nicht", fordert Mayer.

Bleiben Sie informiert mit dem Newsletter von heute.at


Das könnte Sie auch interessieren:


Jetzt kommentieren

Kommentar lesen

(red)

Hier können Sie einen Kommentar zum Thema verfassen:

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thomas am 06.12.2018 15:06 Report Diesen Beitrag melden

    Was solls

    Es sollte sowieso jeder aus Elga austreten, da die Regierung die Gesundheitsdaten verkauft.

    einklappen einklappen
  • Kassenarzt am 06.12.2018 21:00 Report Diesen Beitrag melden

    Die nackte Wahrheit zur ELGA

    Als Kassenarzt kenne ich mich aus mit der ELGA. Eine Kartei muss geführt werden um übersichtlich einen Einblick zu verschaffen, denn es ist uns bei 70 Patientenkontakten täglich nicht möglich, jedermanns ELGA zu studieren. Ausserdem frage ich mich was wird passieren, wenn der erste Kassenarzt verurteilt wurde, weil er in einem Altbefund etwas überlesen hat und eine Komplikation eingetreten ist. Wir werden unsere Verträge zurücklegen, die ELGA wäre dann der Niedergang unseres Gesundheitssystems. Dann zahlt halt jeder pro Besuch und wir schauen täglich nur 15 Patienten an. Basta.

  • Pepe am 06.12.2018 16:22 Report Diesen Beitrag melden

    Gut gemeint

    ist das Gegenteil von gut gemacht

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Alois heider am 09.12.2018 07:55 Report Diesen Beitrag melden

    Leider nein

    Elga an sich ist kein fortschritt. Dazu ist es zu umständlich und unausgegoren. Der zwang dazu ist beunruhigend. Auch hier stehen nicht die interessen der patienten an erster stelle.

  • Klaus am 08.12.2018 19:21 Report Diesen Beitrag melden

    ELGA ein Fortschritt

    ELGA ist eine große Chance, vor allem für die Patienten. Wir sind im 21. Jahrhundert, da sollte es auch auf diesem Gebiet einen Fortschritt geben. Man geht ja nicht nur zu einem Arzt, sondern auch zu vielen anderen - Fachärzten, Krankenhäusern etc. Die sollten alle Zugriff auf aktuelle Röntgen etc. haben. Es ist auch wichtig, sofort zu wissen, ob jemand zuckerkrank ist, Allergien hat....Natürlich müssen die Rahmenbedingungen und die Technik passen.

  • dsgl am 07.12.2018 14:41 Report Diesen Beitrag melden

    ELGA ist richtig und wichtig

    Ich bin ein Fan von ELGA. Im heutigen digitalen Zeitalter ist es einfach ein Unding, wenn nicht alle Gesundheitsdaten zentral erfaßt und laufend ergänzt werden würden. Wenn ich an die doppel-und dreigleisigen Untersuchungen denke, die sich dadurch vermeiden lassen. Oder daß mir meine Röntgenbilder für zuhause mitgegeben werden, wo ich dann nicht weiß, wohin damit. Ebenso CDs von MRTs. Das gehört alles zentral eingespeichert, sodaß jeder Arzt bei Bedarf zugreifen kann. Was wenn man bei Unfall ins KH kommt und den Ärzten fehlen die entsprechenden Vorbefunde bei schwerwiegender Erkrankung?

  • Free am 07.12.2018 11:49 Report Diesen Beitrag melden

    Gesundheitsakte ELGA

    Das haben doch Experten aufgedeckt mit der ELGA, das heißt kein ausgereiftes System ist. Vor allem die Kosten betragen 130 Mio. Euro. Das ist zurückzuführen auf den ehemaligen Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ), sowohl Verfassungsjuristen dazu Stellung genommen haben, dass die ELGA verfassungswidrig ist. Ist ein Schuss vor dem Bug!

  • Alternative am 07.12.2018 11:47 Report Diesen Beitrag melden

    Überwachungsstaat, Entmündigung

    Elga hilft nur dem Staat uns mehr zu überwachen, unsere Daten teuer der Pharma-Industrie zu verkaufen und uns Zwangszubeglücken (Zwangsimpfungen, Zwangsmedikationen, Zwangsbehandlungen zB. bei Krebsdiagnose oder Entmündigung und danach Zwangsbehandlung, ).