Antibiotika-Falle

28. März 2019 19:03; Akt: 28.03.2019 20:19 Print

Wie Medikamente uns schleichend kaputtmachen

Antibiotika greifen alle Bakterien an - nicht nur die Krankheitserreger. Die Folgen können auf lange Sicht verheerend sein. Ein Plädoyer für mehr Bakterien.

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Viele haben eine Schädigung des Mikrobioms durch Antibiotika bereits am eigenen Leib erfahren. Denn sie greifen alle möglichen Bakterien an - also solche, die Krankheiten verursachen, aber auch solche, die nützlich für uns sind. Der menschliche Körper beherbergt mehr Bakterien als Zellen. In ihrer Gesamtheit werden sie als unser Mikrobiom bezeichnet. Es beeinflusst Stoffwechsel, Immunsystem und Gemüt. Erschreckend ist, dass die Bakteriengemeinschaft in unserem Mikrobiom zunehmend verarmt. Dafür sind neben dem Lebensstil auch zahlreiche Medikamente verantwortlich. Einige Studien, wie etwa eine des Molecular Biology Laboratory aus 2018, zeigen, dass jedoch nicht nur Antibiotika, sondern eine Vielzahl anderer Medikamente diesen Effekt ebenso haben. Die Studie testete die Wirkung von 1.000 Medikamenten an 40 weitverbreitete Darmbakterien. Das Ergebnis: 27 Prozent der Wirkstoffe haben einen ähnlichen negativen Effekt auf unser Mikrobiom. In weiterer Folge fördern sie auch Antibiotikaresistenzen. Einige der Wirkstoffe, die zu diesen 27 Prozent zählen, sind Protonenpumpenhemmer (meist in Medikamenten gegen Sodbrennen, Gastritis sowie in Magenschutz-Mitteln enthalten), aber auch etliche Antipsychotika bzw. -depressiva. Von dem komplexen Zusammenspiel von Mensch, Darmmikrobiom und Medikamenten ist Mikrobiomforscherin Jillian Petersen von der Universität Wien überzeugt. Das Problem dabei sei jedoch, dass die Wissenschaft bei weitem nicht alle Bakterienarten kenne. Die Wissenschaft beobachtet jedoch, dass der Fingerabdruck zusehends verarmt. Bakterienarten verschwinden immer mehr. Dies kann zu großen Teilen an dem heute üblichen Umgang mit Medikamenten liegen. Mitunter erklärt der Bakterienschwund eine Vielzahl von Volkskrankheiten wie Übergewicht, Diabetes, Allergien und Asthma. Auch der Anstieg von entzündlichen Darmerkrankungen wie Reizdarm, Morbus Crohn oder Darmkrebs können ihre Ursachen im Bakterienschwund haben. Nach einer Antibiotikabehandlung nützen die Erreger das Zeitfenster von ein bis zwei Monaten, in denen sich das Mikrobiom erholt. Folglich kommt es häufig zu Darmentzündungen und Durchfall. Bei derartigen Infektionen werden jedoch meist erneut Antibiotika verschrieben - ein Teufelskreis beginnt. Ein gesunder Lebensstil, ausgewogene Ernährung, Bewegung an der frischen Luft und ein Hineinhören in den Körper sind die wichtigsten Faktoren für unsere Gesundheit. Medikamente sollte man daher niemals leichtfertig einnehmen.

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Der menschliche Körper beherbergt mehr Bakterien als Zellen. In ihrer Gesamtheit werden sie als unser Mikrobiom bezeichnet. Es beeinflusst Stoffwechsel, Immunsystem und Gemüt.

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Erschreckend ist, dass die Bakteriengemeinschaft in unserem Mikrobiom zunehmend verarmt. Dafür sind neben dem Lebensstil auch zahlreiche Medikamente verantwortlich.

Antibiotika schädigen das Mikrobiom

Die Mikrobiomforschung fokussiert sich auf die Bakteriengemeinschaft im menschlichen Darm. Er ist der Ort, an dem unterschiedlichste Mikrobenarten alle möglichen Aufgaben erfüllen. Diese reichen von der Verdauung bis zur Produktion des Glückshormons Serotonin.

Viele haben eine Schädigung des Mikrobioms durch Antibiotika bereits am eigenen Leib erfahren. Denn sie greifen alle möglichen Bakterien an - also solche, die Krankheiten verursachen, aber auch solche, die nützlich für uns sind.

Äußern kann sich ein solcher Angriff durch Übelkeit, Bauchzwicken und Durchfall. Für das Mikrobiom aber sind die Folgen noch wesentlich drastischer: Kurzfristig verliert es einen Teil seiner Mitbewohner und funktioniert deswegen nicht mehr richtig.

Viele Medikamente wirken ähnlich

Einige Studien, wie etwa eine des Molecular Biology Laboratory aus 2018, zeigen, dass jedoch nicht nur Antibiotika, sondern eine Vielzahl anderer Medikamente diesen Effekt ebenso haben. Die Studie testete die Wirkung von 1.000 Medikamenten an 40 weitverbreitete Darmbakterien. Das Ergebnis: 27 Prozent der Wirkstoffe haben einen ähnlichen negativen Effekt auf unser Mikrobiom. In weiterer Folge fördern sie auch Antibiotikaresistenzen.

Einige der Wirkstoffe, die zu diesen 27 Prozent zählen, sind Protonenpumpenhemmer (meist in Medikamenten gegen Sodbrennen, Gastritis sowie in Magenschutz-Mitteln enthalten), aber auch etliche Antipsychotika bzw. -depressiva.

Viele Bakterien noch unbekannt

Von dem komplexen Zusammenspiel von Mensch, Darmmikrobiom und Medikamenten ist Mikrobiomforscherin Jillian Petersen von der Universität Wien überzeugt. Das Problem dabei sei jedoch, dass die Wissenschaft bei weitem nicht alle Bakterienarten kenne.

"Vor ein paar Wochen gab es schon wieder eine neue Studie, in der 2.000 neue Menschendarmbakterienarten beschrieben wurden, die wir davor nicht kannten", so Petersen. Alle von ihnen aufzuschlüsseln, sei eine enorme Herausforderung. Auch eine Definition des idealen Mikrobioms gebe es nicht.

Eigener mikrobieller Fingerabdruck

Jeder Mensch hat ein anderes Mikrobiom. Es setzt sich aus hunderten bis tausenden verschiedenen Bakterienarten zusammen. Die unterschiedlichen Biome überschneiden sich in maximal 10 Prozent. Sie ist wie eine Art eigener mikrobieller Fingerabdruck. Unterschiedliche Zusammensetzungen alleine geben noch keinen Aufschluss über die Gesundheit oder Krankheitsanfälligkeit eines Menschen.

Die Wissenschaft beobachtet jedoch, dass der Fingerabdruck zusehends verarmt. Bakterienarten verschwinden immer mehr. Dies kann zu großen Teilen an dem heute üblichen Umgang mit Medikamenten liegen. "Und wenn wir Bakterienarten einmal verloren haben, können wir sie nicht auf die nächste Generation übertragen und den nächsten Generationen gelingt es auch nicht, sie aus der Umwelt wieder aufzunehmen", sagt Petersen.

Bakterienschwund kann Krankheiten verursachen

Mitunter erklärt der Bakterienschwund eine Vielzahl von Volkskrankheiten wie Übergewicht, Diabetes, Allergien und Asthma. Auch der Anstieg von entzündlichen Darmerkrankungen wie Reizdarm, Morbus Crohn oder Darmkrebs können ihre Ursachen im Bakterienschwund haben.

Einige Forscher arbeiten daher daran, besonders nützliche Bakterien zu identifizieren und diese fortan als Medikamente zu nützen. Eine Methode hierfür ist die Fäkaltransplantation, die in den USA bereits standardisiert eingesetzt werden.

Gesunder Stuhl als schonendes Medikament

David Berry vom Department für Mikrobiologie und Ökosystemforschung der Universität Wien erklärt: "Dort gibt es eine Stuhlbank, vergleichbar mit einer Organbank, für die gesunde Freiwillige ihren Stuhl spenden."

Nach einer Antibiotikabehandlung nützen die Erreger das Zeitfenster von ein bis zwei Monaten, in denen sich das Mikrobiom erholt. Folglich kommt es häufig zu Darmentzündungen und Durchfall.

Teufelskreis

Bei derartigen Infektionen werden jedoch meist erneut Antibiotika verschrieben - ein Teufelskreis beginnt. Fäkaltransplantationen sind insofern erfolgreicher, denn "platziert man nützliche Konkurrenten im Darm, verdrängen sie die pathogenen Bakterien", erklärt Berry.

Ein gesunder Lebensstil, ausgewogene Ernährung, Bewegung an der frischen Luft und ein Hineinhören in den Körper sind die wichtigsten Faktoren für unsere Gesundheit. Medikamente sollte man daher niemals leichtfertig einnehmen.

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  • Seth am 28.03.2019 22:45 Report Diesen Beitrag melden

    Hab noch nie ...

    .. Medikamente gebraucht noch genommen und bin seit Jahren nicht einmal Krank gewesen. Mein Körper macht das alles schon wenn ich ihn gut behandel :D

    einklappen einklappen
  • rudi am 29.03.2019 09:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    medikamente

    ja zuviel unnötig antibiothika mitschuld wie hygiene dass 40 prozent mit sa " besiedelt " sind , aber das ist noch nicht gefährlich , GEFAHR ERST DANN NUR in spital NUR durch dortige unhygiene bei wunden wie operation den " tödlichen krankenhauskeim " MRSA auslöst , zb bei 10 prozent knie op , laut eu bericht sterben in österreich täglich 6 an spitalskeimen , DAVON SCHREIBT NIEMAND , das wird TOTgeschrieben ( nicht nur von unnötiger antibiothika schreiben ! ) niederlande hat das problem fast nicht mehr , dort reagierte man seit 20 jahren , eigene gesetze keine spitalssparmassnahmen

  • Werden am 05.04.2019 00:39 Report Diesen Beitrag melden

    Gesund

    Also, mir tut Antubiotikaeinnahme immer ganz gut. Weil, es sterben auch schlechte Darmbakterien ab. Und Durchfall hatte ich nie.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Roland486 am 08.04.2019 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    Interessant

    Das ist aber jetzt keine positive Werbung für Medikamente. Die Grippeimpfung ist doch auch eines.... ;) Ich nehm Medikamente sowieso erst dann wenn es gar nicht mehr anders geht. Ich setze eher auf Hausmittel und natürliche Produkte :)

  • Werden am 05.04.2019 00:39 Report Diesen Beitrag melden

    Gesund

    Also, mir tut Antubiotikaeinnahme immer ganz gut. Weil, es sterben auch schlechte Darmbakterien ab. Und Durchfall hatte ich nie.

  • Larissa am 29.03.2019 11:41 Report Diesen Beitrag melden

    Wissen wir

    Toller Beitrag, bringt aber nichts den ändern wird sich nichts an der Sache. Die werden so weitermachen wie bisher und die Menschen auch weil sie gar keine andere Möglichkeit haben.

  • rudi am 29.03.2019 09:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    medikamente

    ja zuviel unnötig antibiothika mitschuld wie hygiene dass 40 prozent mit sa " besiedelt " sind , aber das ist noch nicht gefährlich , GEFAHR ERST DANN NUR in spital NUR durch dortige unhygiene bei wunden wie operation den " tödlichen krankenhauskeim " MRSA auslöst , zb bei 10 prozent knie op , laut eu bericht sterben in österreich täglich 6 an spitalskeimen , DAVON SCHREIBT NIEMAND , das wird TOTgeschrieben ( nicht nur von unnötiger antibiothika schreiben ! ) niederlande hat das problem fast nicht mehr , dort reagierte man seit 20 jahren , eigene gesetze keine spitalssparmassnahmen

  • Gast am 29.03.2019 07:24 Report Diesen Beitrag melden

    Antibiotika

    Das Antibiotika nicht gut ist, sollte man eh wissen. Ärzte geben dies ja auch nur aus, wenn man es wirklich braucht. Wenn wer übertreibt und es dann bekommt ist selbst schuld, wenn er es nimmt. Antibiotika sind wie Atombomben für den Magen/Darm, darum sollte man nach der Behandlung andere Medikamente/Bakterien zu sich nehmen um die Darmflora schnell wieder aufzubauen.