Absage an FPÖ-Idee

14. Juli 2019 12:21; Akt: 14.07.2019 12:30 Print

Experten gegen frühere Strafmündigkeit

Auf wenig Zustimmung stößt bei Experten der Vorschlag des FPÖ-Politikers Dominik Nepp, die Strafmündigkeit auf 12 Jahre herabzusetzen.

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Anfang Juli sorgte die Nachricht einer mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung einer 18-Jährigen im deutschen Mülheim an der Ruhr für Aufsehen. Fünf Kinder im Alter von 12-14 Jahren sollen sich an der jungen Frau vergangen haben.

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Strafmündigkeit auf 12 Jahre herabsetzen?

Zwei der fünf mutmaßlichen Täter sind erst zwölf Jahre alt, die Strafmündigkeit in Deutschland liegt ebenso wie in Österreich bei 14 Jahren. Das bedeutet, dass man darunter nicht für Straftaten belangt werden kann.

Den Vorfall nahm Wiens Kommunalpolitiker Dominik Nepp zum Anlass, um eine Herabsetzung der Strafmündigkeit auf zwölf Jahre zu fordern. Bei Experten stößt Nepp damit auf Ablehnung.

Sozialarbeiter lehnt Vorschlag ab

Die APA sprach mit Experten über den Vorschlag. Alfred Kohlberger, Geschäftsführer des Vereins Neustart, sieht in Gefängnissen "keine Orte, an den Kinder verwahrt werden dürfen". "Neustart" beschäftigt sich mit der Resozialisierung und und der Bewährungshilfe von Straffälligen.

Eine Herabsetzung des Alters sei eine populistische Maßnahme, die die Racheimpulse der Bevölkerung befriedigen würde. Da aber laut Kohlberger 95 Prozent der Kinder, die kriminell agieren, dies nicht dauerhaft tun, würde das Wegsperren von Kindern zu einer "dissozialen Entwicklung" führen. Das könne "nicht im Interesse der Gesellschaft" sein.

Auch Jugendrechtsexpertin ist skeptisch

Auch in Christa Edwards, die Leiterin der Fachgruppe Jugendstrafrecht am Oberlandesgericht Wien, findet sich keine Unterstützerin des FPÖ-Vorschlags. Zwar sei die Aufregung über den jüngsten Fall in Deutschland "verständlich", aber "Empörung ist kein guter Ratgeber."

Fachlich gebe es für die Herabsetzung keine Argumente. Weder ließen sich die Jugendlichen dadurch abschrecken, noch würde durch Haft das Problem gelöst, so Edwards. Im betreffenden Alter gebe es noch die Möglichkeit, die Kinder "in die richtige Bahn zu lenken".

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(mr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nima am 14.07.2019 17:15 Report Diesen Beitrag melden

    Gegenvorschlag?

    Und was schlagen diese sogenannten Experten dann vor? Man hört immer nur was nicht geht, aber sollen diese Kriminellen Handlungen einfach ignoriert werden? Etwas muss passieren, denn das wird immer schlimmer!!

  • Bruno Bär am 14.07.2019 14:46 Report Diesen Beitrag melden

    Schöne Experten

    Die vom Verein Neustart wollen sowieso keine Strafen haben. Für die geht Täterschutz vor Opferschutz. Die haben immer nur Mitleid mit den Tätern. Weit haben wir es gebracht

  • Lehrer am 14.07.2019 14:33 Report Diesen Beitrag melden

    Verzicht

    Auf solche Experten kann ich gerne verzichten!

Die neuesten Leser-Kommentare

  • My name is human am 15.07.2019 10:57 Report Diesen Beitrag melden

    Ja und nein

    Kommt auf das vergehen drauf an zb. Mord Vergewaltigung ect. Ja aber bei "kleinen" vergehen wie zb. Kaugummi stehlen nicht

  • Rex123 am 15.07.2019 09:45 Report Diesen Beitrag melden

    Mal abwarten

    was passiert, wenn es mal die Kinder dieser sogenannten Experten trift. Bin gespannt ,ob die dan den Straftäter auch so liebevoll betreuen wenn ihr Kind halbtod in KH liegt.

  • susanne am 15.07.2019 07:59 Report Diesen Beitrag melden

    Kinder UND Eltern bestrafen !

    Jeder sollte für das was er tut auch entsprechend behandelt werden. wenn einer mit 12 glaubt er kommt da gratis davon ist das sicher NICHT der richtige Weg ! außerdem sollte man zusätzlich die Eltern zur Rechenschaft ziehen !!! Was ist das für eine Erziehung daß ein Kind in dem Alter nicht weiß was richtig ist und was nicht !

  • Alfred am 15.07.2019 07:50 Report Diesen Beitrag melden

    Strafmündig

    Bin dafür das es runtergesetzt wird um rechtzeitig eingreifen zu können wo es noch möglich ist und nicht dahinwarten bis nichts mehr geht.

  • Paul am 15.07.2019 07:44 Report Diesen Beitrag melden

    "Wegsperren von Kindern"

    Es geht ja auch nicht darum, die in Stein bei den Schwerverbrechen unterzubringen. So wie es einen altersgerechten Umgang mit Taschengeld oder Sexualität gibt, kann es sehr wohl eine altersgerechte Bestrafung geben; eigentlich problemlos auch ab 10 Jahre. Man will aber einfach nicht.