Doppelmord-Prozess

18. Juni 2018 21:26; Akt: 19.06.2018 17:26 Print

Lebenslang für Tunesier nach Mord an Ehepaar

Jener Tunesier (55), der im Vorjahr ein betagtes Ehepaar getötet hat, wurde am Montag zu lebenslanger Haft verurteilt. Er wird eingewiesen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Mohamed H. (55) wird von schwer bewaffneten Justizwache-Beamten in den Gerichtsaal geführt. Der Tunesier trägt ein weißes Hemd, dazu eine helle Leinenhose.

Ruhig sitzt er auf dem Sessel. Und hebt ein Pappkarton-Schild hoch. Darauf steht: "Es wird gelogen und gelogen und aller wissen das sie lügen." Dann ein weiteres: "Und weil die Justiz in unserem Land abhängig ist."

Fühlt er sich zu Unrecht angeklagt? Fakt ist: Er steht wegen Mordes vor Gericht!

Beim Prozess fällt rasch auf: Der Beschuldigte verweigert den Kontakt zu seinem Verteidiger, will sich von seinem Anwalt nicht beraten lassen. Der Tunesier sagt: "Er lügt über mich."

Dem Richter fällt er immer wieder ins Wort. "Ich habe acht Jahre gehofft, dass jemand endlich den Kopf einschaltet", sagt er. Mohamed H. zitiert während der Verhandlung aus dem Koran, sagt immer wieder "Allahu Akbar".

Die Tat, die ihm vorgeworfen wird, ist erschreckend.
Der schockierende Fall: Am 30. Juni vergangenen Jahres hatten Einsatzkräfte nach einem Brand in einem Einfamilienhaus in Linz-Urfahr die Leichen von Siegfried und Hildegard Sch. (87, 85) entdeckt. Kurze Zeit später stellte sich ein Mann (wir berichteten).

Der 55-jährige Mohamed H., für den die Unschuldsvermutung gilt, soll das betagte Ehepaar ermordet und anschließend Feuer gelegt haben. Der Mann hatte die späteren Opfer regelmäßig mit Lebensmitteln aus dem Bio-Laden seiner Lebensgefährtin beliefert, so auch am 30. Juni.

An diesem Tag soll er zuerst die 85-jährige Frau mit einem Spanngurt stranguliert und ihr anschließend ein langes Fleischermesser in den Brustkorb gerammt haben. Danach soll er ihren Gatten (87) mit einem Holzstiel, an dessen Ende eine Metallmuffe befestigt war, auf den Kopf geschlagen und ihm ebenfalls einen Messerstich in die Brust versetzt haben.

Im Anschluss hat er laut Anklage vier Liter Benzin in der Küche und im Wohnzimmer verschüttet und angezündet.

Anzeige wegen Tierquälerei als Auslöser

Als Motiv gab er bei der Polizei an, er habe ein Exempel an der Gesellschaft und der FPÖ, durch die er sich als Ausländer und Muslim diskriminiert fühlte, statuieren wollen. Hintergrund: Ein Sohn des getöteten Paares arbeitet in einer von einem blauen Politiker geführten Abteilung des Landes, allerdings hat die Familie kein Naheverhältnis zu den Freiheitlichen.

Hauptauslöser soll, wie berichtet, aber ein Schreiben des Magistrats Linz gewesen sein. In diesem ging es um das Eintreiben von Kosten in der Höhe von 170 Euro für ein Verwaltungsstrafverfahrens wegen Tierquälerei. Die Katze des mutmaßlichen Täters war 2010 in einem gekippten Fenster steckengeblieben. Vermutlich waren es die Nachbarn, die das mitbekommen und Anzeige erstattet haben.

Der 55-Jährige hatte einen seiner Nachbarn im Verdacht. Unglücklicher Zufall: Dieser Nachbar soll gleich wie ein FPÖ-Politiker geheißen haben. Das dürfte seinen Hass auf die Freiheitliche Partei verstärkt haben.

Laut Ermittlern hat der Angeklagte auf Facebook IS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi die Treue geschworen. Trotzdem: Hinweise auf eine Beteiligung des IS oder gar ein Bekenntnis der Terrororganisation zu der Tat sind bisher nicht aufgetaucht, wie Staatsanwalt Philipp Christl in einer Pressekonferenz bestätigte. Auch Gerichtspsychiaterin Adelheid Kastner meinte: "Er ist überhaupt nicht teamfähig. Er kann kein Mitglied des IS sein. Die Postings im Internet nutzte er um Wut und Ärger gegen die Gesellschaft abzubauen."

Angeklagter soll Justizbeamten bedroht haben

Neben Mord an dem Ehepaar, Brandstiftung sowie Mitgliedschaft in einer terroristischen und kriminellen Vereinigung wird dem 55-Jährigen noch gefährliche Drohung vorgeworfen.

Im Gefängnis soll er einem Justizwachebeamten gedroht haben, ihn zu töten. Der Grund: Dieser habe ihm zum Abendessen Schweineflleisch (Leberkäse) serviert. "Mein Körper brennt" habe er immer wieder geschrien. "Du und deine Familie werdet noch jede Nacht an mich denken", soll er gedroht haben. "Der Leberkäse bestand aus Rindfleisch", gibt der als Zeuge geladene Wachebeamte zu Protokoll. Das sei dem Angeklagten auch mitgeteilt worden.

Urteil: Lebenslange Haft

Am späten Abend dann schon das Urteil: Der Tunesier wird zu lebenlanger Haft verurteilt (nichts rechtskräftig), zudem wird er in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen.

Bleiben Sie informiert mit dem Newsletter von heute.at


Das könnte Sie auch interessieren:

Jetzt kommentieren

Kommentar lesen

(mip)

Themen
Hier können Sie einen Kommentar zum Thema verfassen:

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Trinchen am 17.06.2018 16:56 Report Diesen Beitrag melden

    Na bitte, der hat sein

    Aufenthaltsrecht für die nächsten Jahre gesichert

    einklappen einklappen
  • Auchnemeinung am 18.06.2018 11:03 Report Diesen Beitrag melden

    Wer hat dem Herrn

    So schön das Taferl geschrieben?

    einklappen einklappen
  • ??? am 18.06.2018 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    Mike

    Hoffentlich kommt der nie wieder raus,ist eine Bestie.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Linker am 19.06.2018 06:35 Report Diesen Beitrag melden

    Sie haben sichs Verdient.

    Er hat sich den Gefängnis Besuch Hart erarbeiten müssen. Stolze Leistung

  • Egon am 19.06.2018 05:28 Report Diesen Beitrag melden

    Toller Richter

    Ja, so kann es auch gehen. Innerhalb eines Tages abverhandelt und verurteilt. Und, so wie es der Normaldenker sieht, auch mit lebenslang gesühnt. Einziger Wermuthstropfen: Ein Vollpenionsgast in einem österreichischen Kuschelgefängnis auf Kosten der Steuerzahler.

  • Tine am 19.06.2018 00:52 Report Diesen Beitrag melden

    Mörder

    Unverständlich, daß die auch noch extra bekocht werden! Für unser Volk ist das Schweinefleisch gut genug, für die Mohamedaner muß es teures Rindfleisch oder gar Kalb sein!! Werd kein Achweinefleisch mag, bekommt halt nur Erdäpfel, Pasta!

    • Charlie am 19.06.2018 09:38 Report Diesen Beitrag melden

      Da kann

      Kann ich Dir nur 100% beipflichten BRAVO !!!

    einklappen einklappen
  • Noch Fragen? am 18.06.2018 23:50 Report Diesen Beitrag melden

    Willkommen

    Sein Chef im Paradies wartet mit Jungfrauen aber jetzt ist er die Jungfrau.

  • Malen nach Zahlen am 18.06.2018 22:47 Report Diesen Beitrag melden

    Es ergibt ein Muster

    Er kommt also in eine Anstalt. Ist geistig "abnorm". Wie haben sie das festgestellt? Lag es etwa daran dass er zwei Menschen sinnlos niedergemetzelt hat oder daran, dass er aus dem Koran zitiert hat? Beides wäre für mich einleuchtend.