Gewalt an Schulen:

09. Januar 2019 06:45; Akt: 10.01.2019 13:18 Print

FP-Nepp fordert nun auch Konsequenzen für Eltern

Neben Erziehungscamps für Schüler will die FPÖ auch deren Eltern in die Pflicht nehmen. Sie fordert Kurse für Erziehende und gegebenenfalls Geldstrafen.

 (Bild: Sabine Hertel)

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Nach seiner Forderung nach "Erziehungscamps für gewalttätige Schüler" – "Heute" hat berichtet – legt Wiens Vizebürgermeister Dominik Nepp (FPÖ) nun noch nach. Im Gespräch mit "Heute" erklärt er, er könne sich bei "vorsätzlicher Integrationsverweigerung" neben Erziehungskursen für Eltern auch finanzielle Sanktionen bis hin zum Entzug der Erziehungsberichtigung vorstellen.

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"Eltern sind zur Verantwortung zu ziehen"

"Die Sozialisierung erfolgt in höchstem Maße in der Familie und Eltern, die ihren Kindern nicht unsere grundlegenden Werte und Regeln vermitteln, sind daher auch zur Verantwortung zu ziehen", argumentiert Nepp gegenüber "Heute".

Nepp verweist auf die "verzweifelte Hilferufe von Lehrerinnen und Lehrern, wonach an Wiens Pflichtschulen die Sharia bereits über der Schulordnung und unseren Gesetzen" stehe. Zudem würden sexuelle Übergriffe und körperliche Gewalt zu einem überwiegenden Teil auf das Konto von ausländischen oder erst kürzlich eingebürgerten Schülern gehen, so der FP-Politiker.

"Bei Integrationsverweigerung mit aller Härte durchgreifen"

Hier müsse der Rechtsstaat mit aller Härte greifen, vor allem auch gegenüber Eltern, die ihre Kinder "bewusst nicht im Sinne unserer Werte und unserer Kultur erziehen", unterstreicht Nepp. Das betreffe insbesondere, was die Achtung junger Burschen gegenüber Mädchen und Frauen betreffe. Fälle von "vorsätzlicher Integrationsverweigerung", so wie der "fundamentalistisch-religiöse Kopftuchzwang", gelte es nachzugehen und entsprechende Konsequenzen zu ziehen, so Nepp.

Verlust der Erziehungsberechtigung in schwerwiegenden Fällen

Diese könnten nach Vorstellung des Vizebürgermeisters neben Erziehungskursen für Eltern auch finanzielle Sanktionen bis hin zum Entzug der Erziehungsberechtigung sein. Verhängt werden sollen die Sanktionen von den zuständigen Behörden, also etwa dem Jugendamt oder der Schulbehörde.

Sollte ein Schüler wiederholt gewalttätig werden und Eltern die Kooperation mit Pädagogen verweigern, so könnten verpflichtende Erziehungskurse vorgeschrieben werden. In schwer wiegenden Fällen wie "religiös motivierte Gewalt gegen Kinder oder bewusste Erziehung der Kinder entgegen unserer Werte und Gesetze, speziell bei elterlicher Anleitung zu Gewalt etwa im Sinne der Sharia", könnte nach FPÖ-Vorstellung auch der Verlust der Erziehungsberechtigung drohen.

Geldstrafen bis zu 440 Euro denkbar

Bei finanziellen Sanktionen könnten die bereits geltenden Strafen von bis zu 440 Euro beim Schulschwänzen als Vorbild gelten. Vorstellbar wäre für Nepp auch, dass die Sanktionen an Sozialleistungen gebunden werden.

"Es geht keineswegs darum, in erster Linie zu strafen. Mir geht es darum, unsere Kinder vor Gewalt an Schulen zu schützen und gefährliche gesellschaftliche Entwicklungen abzustellen. Mit Verlaub, aber mir sind unsere Schulen und Kinder etwas wichtiger als Ess-Verbote in der U-Bahn".

Scharfe Kritik von SPÖ-Bildungsstadtrat

Ein klares Nein zu der freiheitlichen Idee von Erziehungscamps für auffällige Schüler kam am Montag von der SPÖ Wien. In einer Reaktion hatte Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) betont, er könne "freundlich gesagt, den Vorschlag der FPÖ nicht ernst nehmen. Das klingt wie Bootcamps aus dem deutschen Reality-TV. Meiner Meinung nach ist das nicht seriöse Bildungspolitik". Zudem sei es "unerhört, dass FPÖ und ÖVP durch Kürzungen Lehrerinnen und Lehrer in schwierigen Situationen allein lassen und jetzt mit Vorschlägen kommen, Kinder in Straflager zu schicken".

Vorschlag für Wiener Grüne "skurril"

Als "skurril bis absurd" bezeichnete die Grüne Sozialsprecherin Birgit Hebein den Vorschlag der FPÖ. Wer die Erziehung in Camps stattfinden lassen will, schaffe zusätzliche Gewalträume. "Gerade die Abschottung von Menschen macht sie zu Zielscheiben von Übergriffen. Ziel der Bootcamps ist es, Menschen zu brechen, statt ihnen zu helfen. Ziel der Schule ist es jedoch, Menschen zu gewinnen, für Ausbildung und Inklusion".

Statt Forderungen nach Strafcamps und Schnupperhaft tritt Hebein für "geeignete Mittel im Umgang mit Schülerinnen und Schülern, die psychische oder physische Gewalt ausgeübt haben" ein. Diese müssten aber in der Schule selbst stattfinden. "Dazu bedarf es eigenen Personals, das mit den Betroffenen konsequent, über einen längeren Zeitraum arbeiten, die Ursachen der Gewalt erkennen und überwinden kann", betont Hebein.

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(lok)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rot/Grün = Realitätsfremd am 09.01.2019 08:43 Report Diesen Beitrag melden

    gangsta's paradise

    Da kommen Kinder mit Messern bewaffnet in die Schulen, prügeln auf andere ein oder bedrohen Lehrpersonal und wie reagiert die Stadtregierung darauf? Verharmlosung, Beschwichtigung und Verständnis für die Täter. Die "ich lass mir mein Wien nicht schlechtreden"-Mentalität hat uns erst in dieses Dilemma geführt. Leugnung wird es nicht beenden, sondern verschlimmern.

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  • Como am 09.01.2019 08:48 Report Diesen Beitrag melden

    Bildungspolitik

    Der vom Präsidenten dekretierte und zum Bildungsdirektor Ernannte, hat keine Ideen, setzt keine Maßnahmen, sein Hilfstelefon war nicht besetzt (Absicht) also eher fehl am Platz, kritisiert alle Vorschläge und lehnt alles ab. So kann man auch Bildungspolitik machen. Auf der Strecke bleiben die Kinder. Und die Gewalt wird noch vermehrt werden.

  • Reality Friend am 09.01.2019 10:33 Report Diesen Beitrag melden

    Jedem Linken wünsche ich...

    ...das er oder gar seine Kinder mal Kontakt mit ihren neuen Wunschösterreichern haben, der im Krankenhaus oder auf dem Friedhof endet. Mal sehen, wie lange dann noch applaudiert wird aus der linken Ecke!

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Knut Randauch am 11.01.2019 23:25 Report Diesen Beitrag melden

    Bootcamps etc.?

    Es ist nicht schlimm, daß es solche Maßnahmen gibt. Es ist schlimm, daß man solche Maßnahmen überhaupt in Erwägung ziehen muß.

  • Franz am 09.01.2019 21:31 Report Diesen Beitrag melden

    Heiße Luft

    FP-Nepp ist ein unerfahrener Politiker! Ein erfahrener Politiker hätte schon etwas konkretes unternommen!

    • Andrea am 09.01.2019 22:32 Report Diesen Beitrag melden

      Immer auf eine Karte

      Die FPÖ Politiker sind nur gut wenn es um die Hetz-Politik geht! Nur aus diesem Grund sind die auch gewählt worden!

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  • Belze bub am 09.01.2019 13:35 Report Diesen Beitrag melden

    Hr

    Frage an Alle(innen)!Wie lange wird dem Treiben in unserer Stadt noch zu geschaut???

    • Censorship am 10.01.2019 15:40 Report Diesen Beitrag melden

      @Belze bub

      2020, dann wird abgewählt, noch hat die AKP 2.0 (SPÖ) nicht genug Neuwähler gekauft, mit Sozialleistungen....

    einklappen einklappen
  • Erich am 09.01.2019 12:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsche , fatale Toleranz

    Solange es die Verantwortlichen in Wien nicht persönlich trifft , solange werden sie zu ihrer falschen , fatalen Toleranz stehen . Die Verantwortlichen sollten zu Schadenersatz herangezogen werden .Es muss endlich Konsequenzen für Integrationsverweigerer zum Wohle unserer Kinder geben .

  • Kritischer Geist am 09.01.2019 11:32 Report Diesen Beitrag melden

    vorprogrammiert ...

    Solche Entwicklungen sind in allen Wohlfahrrtsstaaten zu beobachten. Wie könnte es auch anders sein in Gesellschaften, in denen die Mittel- und Oberschicht drei mal überlegen muss, ob sie sich ein Kind leisten kann, während man als Unterschichtler um sehr höhere Sozialleistungen erhält je mehr Kinder man in die Welt setzt? Die linke Umverteilungspolitik hat zur Folge, dass sich die Unterschicht weitaus schneller fortpflanz als die Mittel- und Oberschicht. Dann sind diese Probleme in den Schulen vorprogrammiert.