Politik

ÖVP ohne Chef: Kommt jetzt Sebastian Kurz?

Der Hoffnungsträger der Schwarzen winkte am Dienstag noch kategorisch ab. Doch jetzt alles anders. Kurz könnte sofort Parteichef werden.
Heute Redaktion
14.09.2021, 00:27

Lange hatte sich Außenminister Sebastian Kurz quergelegt, das Ruder bei der ÖVP zu übernehmen. Erst am Montagabend hatte der Hoffnungsträger der Partei kategorisch ausgeschlossen, sie "in diesem Zustand" führen zu wollen. Doch der Zustand hat sich mit dem Rücktritt Mitterlehners gravierend geändert. Wer bei Mitterlehners Rücktritts-Rede zwischen den Zeilen liest, kommt unweigerlich zu dem Schluss, dass alle Zeichen auf Kurz stehen.

Der "präsumptive Nachfolger" und die Parteispitze wisse "schon lange", dass der Noch-VP-Chef nicht als Spitzenkandidat in die Nationalratswahl gehen werde – und damit auch nicht Parteiobmann bleibt.

Da Neuwahlen jetzt so gut wie fix sind, heißt das: Spitzenkandidat wird Sebastian Kurz. Er genießt extrem hohe Umfragewerte, auch in der Partei gibt es so gut wie keine Teilorganisation, in der er nicht gut vernetzt wäre. Nicht ganz unwichtig: Mit der niederösterreichischen Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und anderen VP-Landeschefs steht er in

bestem Einvernehmen.

Die zentrale Forderung von Kurz: Das "Durchgriffsrecht"+



Knackpunkt könnte noch das von Kurz geforderte General-Durchgriffsrecht auf die Parteistrukturen (Stichwort: "in diesem Zustand") sein. Immer wieder hatten mächtige Länder und die Bünde die Personalentscheidungen in der VP maßgeblich beeinflusst, auch Parteichefs den Kopf gekostet. Aber: Hier sollte wohl die angesprochene, jahrelange Vernetzungsarbeit viel wert sein.

Und: Als Vizekanzler in die aufrechte Koalition zu gehen, wäre ein Himmelfahrtskommando, da "Vizes" zuletzt häufig aufgerieben wurden. Auch das spricht für baldige Neuwahlen und damit völlig neu gemischte Karten. Die SPÖ dürfte jedenfalls Mitterlehners Rücktritt bereits erahnt haben, sieht man sich die heftigen Angriffe auf den logischen Nachfolger Kurz der vergangenen Tage an. Auch dieser Aspekt und die momentane Stärke der Strache-FPÖ versprechen einen spannenden Wahlkampf.

Fest steht jedenfalls: Bei den VP-Funktionären werden bis zur außerordentlichen Vorstandssitzung am Montag die Telefone glühen.



(bob)

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