Sellner an Christchurch-Attentäter

15. Mai 2019 07:11; Akt: 15.05.2019 10:52 Print

"Wenn du in Wien bist, gehen wir ein Bier trinken"

Einige E-Mails, die sich "Identitären"-Chef Martin Sellner und der Christchurch-Attentäter Brenton T. gegenseitig schrieben, wurden veröffentlicht.

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Der Schmerz einer Nation steht ihr ins Gesicht geschrieben: Nach der größten Schießerei in der Geschichte Neuseelands vom 15. März 2019 mit 50 Toten nimmt Premierministerin Jacinda Ardern vor den Medien Stellung. In einen Hidschab gehüllt, trifft die Staatschefin Angehörige der Terroropfer. Immer wieder umarmt sie muslimische Frauen und versucht, Trost zu spenden. Auch in der Hauptstadt Wellington besucht sie eine Moschee, um dort Blumen niederzulegen. Ihr seid nicht allein, ihr seid ein Teil von uns, so ihre Botschaft an die etwa 50.000 Muslime im Land. Blumen vor der Masjid Moschee in Wellington. Viele zeigen mit Blumen und Kerzen ihre Anteilnahme. Einige Angehörige warten vor dem Krankenhaus gebangt auf Neuigkeiten. Die Flagge vor dem Parlament in Wellington steht als Zeichen der Trauer auf Halbmast. In Dhaka, Bangladesh, betet man für die Opfer von Neuseeland. Angehörige warten vor einem Spital. Überlebender Ramzan Ali. Ein festgenommener Tatverdächtiger wurde wegen des Mordes angeklagt. Muslime in Bangladesch beten für die Opfer der Christchurch-Moschee-Attacken in Neuseeland. Muslime vor der Baitul Mukarram National Moschee in Dhaka, Bangladesh. Sie beten für die Opfer des Terrorakts in Neuseeland. Zeugen auf der Deans Avenue vor der Al Noor Moschee. Neuesten Informationen zufolge gibt es fast 50 Verletzte. Premierministerin Jacinda Ardern spricht von einem der "dunkelsten Tage des Landes". Die Al Noor Mosque in der Deans Avenue in Christchurch. Hier wurden 41 Personen getötet. Polzeisprecher Mike Bush erklärte, dass vier Personen festgenommen wurden. Polizisten im ganzen Land würden für die Sicherheit der Bevölkerung sorgen. Die Polizei spricht mittlerweile von 49 Toten. Dutzende Personen wurden verletzt. Der Schütze soll die Tat gefilmt haben. Vier verdächtige Personen wurden festgenommen. Es handelt sich laut Behörden klar um einen "rechtsextremen, ausländerfeindlichen Terrorakt". Premierministerin Ardern spricht von 40 Todesopfern und Dutzenden Verletzten. Neuesten Informationen zufolge soll es sich um einen "rechtsextremen Terrorakt" handeln. Polizeisprecher Mike Bush bestätigte, dass Moscheen geschlossen bleiben. In zwei Moscheen der neuseeländischen Stadt Christchurch sind Schüsse gefallen. Die Polizei bestätigt mehrere Todesopfer. Die Zahl der Opfer war noch unklar. Vier verdächtige Personen wurden festgenommen. Große Teile der Stadt wurden abgeriegelt und Schulen geschlossen. Die Polizei bittet die Bevölkerung, zuhause zu bleiben. Über die Hintergründe war zunächst nichts bekannt.

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"Wenn du je nach Wien kommst, müssen wir auf einen Kaffee oder ein Bier gehen", schrieb der Chef der rechtsextremen "Identitären", Martin Sellner, dem späteren Massenmörder von Christchurch, Brenton T. in einem E-Mail-Verkehr, der nun vom "Standard" publik gemacht wurde.

Nachdem T. dem rechtsextremen Aktivisten Sellner eine großzügige Spende von 1.500 Euro zukommen ließ, entwickelte sich ab Jänner 2018 ein E-Mail-Austausch zwischen den beiden.

Die Spende des Christchurch-Attentäters, der in zwei Moscheen in Neuseeland 50 Menschen – darunter auch Frauen und Kinder – ermordete, sorgte im Frühjahr für eine Razzia beim "Identitären"-Chef. Er habe die Spende und den E-Mail-Verkehr den Behörden melden wollen, sei dann aber leider plötzlich krank geworden, rechtfertigte sich Sellner damals.

Von den E-Mail mit dem Neonazi-Terroristen T. gibt es nur Screenshots, alle E-Mails hat Sellner gelöscht – dabei war seine plötzliche Krankheit offenbar kein Hindernis. Er behauptet, die Screenshots würden den gesamten E-Mail-Verkehr zeigen.

Überschwänglicher Dank

Darin bedankt sich Sellner zunächst überschwänglich: "Ich möchte dir persönlich für deine unglaubliche Spende danken", schreibt Sellner. Er sei "wirklich überrascht und begeistert". "Das hier ist meine persönliche E-Mail-Adresse – kontaktiere mich jederzeit, wenn du willst", so der Österreicher.

Der Rechtsterrorist wiederum antwortet, seine Spende von 1.500 Euro sei "ein kleiner Betrag im Vergleich zu der vielen Arbeit, die du leistest". "Du wirst von Menschen auf der ganzen Welt unterstützt", so T., und: "Es ist noch ein langer Weg bis zum Sieg, aber jeden Tag werden unsere Leute stärker."

Einladung zum Bier

"Wenn du je nach Wien kommst, müssen wir auf einen Kaffee oder ein Bier gehen", schreibt Sellner amikal. Die Einladung wird erwidert. "Das gilt auch für dich, wenn du je Australien oder Neuseeland besuchst", antwortet T. dem Österreicher.

Fakt ist, dass T. in den Monaten darauf mehrere Tage in Österreich verbringt. Deshalb untersuchen Ermittler nun mit Hochdruck, ob es zu Treffen zwischen Sellner und dem späteren Terroristen kam. Der "Identitären"-Sprecher dementiert dies.

Rechtfertigung auf Twitter

Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter rechtfertigte sich Sellner noch am späten Dienstagabend. Er habe die Mails gelöscht, weil er "keine mutmaßlichen Mails eines Terroristen auf dem Postfach liegen haben will".

Gegenüber den Behörden habe er voll kooperiert, so habe er ihnen sein Handy und alle Mails übergeben, behauptete Sellner. Bei der Razzia fand die Polizei allerdings ein weiteres in einem Blumentopf verstecktes Handy.

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(hos)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Punisher am 15.05.2019 08:23 Report Diesen Beitrag melden

    EU-Wahl

    Mit anderen Worten - Es liegt absolut nichts strafrechtlich Relevantes gegen die Identitären vor und die Ermittlungen werden eingestellt werden. Aber erst nach der EU-Wahl.

  • Grete am 15.05.2019 08:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Cafe, na und

    Das war nach der Spende, wo ist das Problem. Er konnte doch nicht wissen was der plant.

  • Desert Eagle am 15.05.2019 11:54 Report Diesen Beitrag melden

    So, wie es aussieht, wird der

    Attentäter noch einige Jahrzehnte auf das Bier oder den Kaffee warten müssen.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • silver. am 15.05.2019 13:37 Report Diesen Beitrag melden

    Würde ich genauso machen

    Wenn ich politische Videos mache, und mir jemand eine größere Summe spendet, würde ich Kontakt zu dieser Person suchen wollen, fragen wer er oder sie ist, warum sie gespendet hat, und mich dann herzlich bedanken und versuchen Kontakt zu halten. Wenn die Person dann ein Jahr später durchdreht, sind natürlich alle anderen schuld weil man in einer Kristallkugel die Zukunft sehen kann, nicht wahr?

  • Desert Eagle am 15.05.2019 11:54 Report Diesen Beitrag melden

    So, wie es aussieht, wird der

    Attentäter noch einige Jahrzehnte auf das Bier oder den Kaffee warten müssen.

  • homo austriacus debilus am 15.05.2019 10:39 Report Diesen Beitrag melden

    Bashing

    Zwei Dinge stören hier ganz gewaltig. Erstens, dass der private Mailverkehr aus einer behördlichen Ermittlung veröffentlicht wird. Zweitens, dass ganz offensichtlich vor den EU-Wahlen Wahlbeeinflussung versucht wird, mit einer Causa die eigentlich Keine ist, aber dazu aufgebauscht wird.

    • Crusader am 15.05.2019 13:13 Report Diesen Beitrag melden

      Ad private mail

      Eindeutig ein Fall von Amtsmißbrauch! Hr. Kickl, ermitteln Sie bitte!

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  • Rorschach am 15.05.2019 10:15 Report Diesen Beitrag melden

    Der redet sich noch um Kopf

    und Kragen, wenn er sagt, dass B.T. in keiner Mitgliederliste der Identitären aufscheint, wo es doch angeblich gar keine gibt. Und dann noch die Konten, die ein Umlaufvermögen von über einer Million aufweisen, mittels derer Löhne ausbezahlt werden, ohne dass Steuern und Beiträge abgeführt werden. etc.pp.

  • Reini am 15.05.2019 09:46 Report Diesen Beitrag melden

    ich kann beim besten Willen

    an der Einladung auf ein Bier nichts strafrechtlich relevantes erkennen!!!

    • Duschtasse am 15.05.2019 12:50 Report Diesen Beitrag melden

      Das ist auch nicht das Thema

      Sellner behauptete keinen Kontakt gehabt zu haben.

    • Kritischer Geist am 15.05.2019 13:33 Report Diesen Beitrag melden

      @Duschtasse

      Weil Sellner genau wusste, wie unsachlich die Sache medial abgehandelt werden würde.

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