Neuer Algorithmus

15. Oktober 2018 13:21; Akt: 15.10.2018 13:46 Print

AMS-Computer bewertet künftig die Arbeitslosen

Ein Computer wird bald Arbeitslose nach ihrer Vermittelbarkeit einteilen. Das AMS will damit Geld sparen. Es gibt drei Gruppen, "heute.at" hat die Details. Erste Tests laufen bereits.

 (Bild: picturedesk.com, Montage)

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Das Arbeitsmarktservice wird in Zukunft Algorithmen einsetzen, um Arbeitslose in Gruppen zu sortieren. Ein entsprechendes Computerprogramm läuft bereits testweise, es wird nächstes Jahr offiziell eingeführt.

Umfrage
Sollen künftig Arbeitslose durch Computerprogramme vermittelt werden?
12 %
22 %
25 %
41 %
Insgesamt 398 Teilnehmer

Wie soll das funktionieren? Der AMS-Computer wird zunächst mit Informationen über den Arbeitssuchenden gefüttert: Alter, Geschlecht, Staatsbürgerschaft, Betreuungspflichten für Kinder und Daten über die Ausbildung werden erfasst. Auch, wie lange der Jobsuchende schon gearbeitet hat, welche Karriere er hinter sich hat und wie die Arbeitsmarktsituation in seiner Region ist, wird eingegeben.

Drei Kategorien


Aufgrund der Daten teilt der Algorithmus die Suchenden dann in drei Kategorien ein: hohe, mittlere oder niedrige Jobchancen.

+ Eine "hohe Chance" heißt: Das System hat ausgerechnet, dass die Wahrscheinlichkeit, dass der AMS-Kunde binnen sieben Monaten eine neue Arbeit findet, mindestens 66 Prozent beträgt.

+ In die "niedrige" Kategorie fallen diejenigen, bei denen das System davon ausgeht, dass diese Wahrscheinlichkeit bei weniger als 25 Prozent liegt.

+ Alle anderen fallen in die mittlere Kategorie.

Das Alter ist wichtig

Eine wichtige Rolle spielt auch das Alter. Arbeitssuchende werden in Personen bis 29 Jahre, 30- bis 49-Jährige sowie Personen über 50 Jahre eingeteilt. Wer zur letzteren Gruppe gehört, hat deutlich geringere Chancen bei der Vermittelbarkeit.

Eine Diskriminierung aufgrund der Einteilung in die drei neuen Gruppen werde nicht erfolgen, verspricht das AMS. Allerdings: Wer in der niedrigen Kategorie landet, kriegt ab 2020 seltener teure Weiterbildung bezahlt. Die Arbeitslosen in der oberen Kategorie übrigens ebenfalls, weil die sich eher selbst helfen können, glaubt das Arbeitsmarktservice.

Gelder für Weiterbildungen sollen künftig eher in die mittlere Kategorie fließen. Ziel der Aktion sei es, so das AMS, "die Ressourcen der Arbeitsmarktpolitik langfristig effizienter einzusetzen."

Der Berater entscheidet

Die endgültige Entscheidung trifft dann immer noch ein menschlicher AMS-Berater. Er trifft sie aber in Zukunft auf Grundlage der Wahrscheinlichkeit, die das Computerprogramm errechnet hat. Aus zahlreichen Untersuchungen ist aber bekannt, dass Empfehlungen einer Software von Menschen tendenziell kaum verändert werden.

Laut "Standard" wird die Software übrigens bereits vom AMS genutzt. Bisher wurde allerdings keine Einteilung in die drei Kategorien vorgenommen. Der Algorithmus soll eine Trefferquote von 85 Prozent haben – jede siebte seiner Entscheidungen ist also falsch, wie der Blog Netzpolitik schreibt.


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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jonny Autumn am 15.10.2018 13:48 Report Diesen Beitrag melden

    Alt mit 50, bald mit 45?

    Ich bin 37 Jahre (Durchschnittstyp, höhere Schule, 5,5 Jahre Uni mit Abschluss, 2 bis 3 Jahre wechselte ich oft den Job, bis ich in (für mich) passender Firma ankam), arbeite also seit gut 10 Jahre, habe nach Jetztstand noch 30 Jahre vor mir - wahrscheinlich eh 35 Jahre und wahrscheinlich gelte ich in 10 Jahren bereits als alt....es ist teilweise nur mehr absurd und zum Weinen ...

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  • Bertl Kral am 15.10.2018 14:36 Report Diesen Beitrag melden

    Was schlägt Algorythmus vor ?

    wenn jemand wie Ich, mit 59 und 3 gesundheitlichen Einschränkungen (Krebs, kaputte Wirbelsäule, COPD) in die letzte Klasse fällt ? Aus rein wirtschaftlich logischer Sicht wohl das sojemand nur noch 500.- bekommen soll, damit er so schnell wie möglich ablebt, da er für die Gesellschaft keinerlei Nutzen mehr hat, während aber 30-40 jährige seit 10 Jahren und mehr, mit 900.- bestens leben können ? Ich flog dank Hudsdorfers Gesetzgebung nach 5 Jahren I-.Pense raus, während gewisse Personen mit oft 40, mit 80% verabschiedet werden ... !

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  • Powerfrau am 15.10.2018 14:00 Report Diesen Beitrag melden

    Eh egal

    Wie die Leute nicht arbeiten wollen, was soll das AMS dann tun? Algorithmen hin und her, schade um das viele Geld für diese Investitionen!!!

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • david am 01.11.2018 14:22 Report Diesen Beitrag melden

    einfach Lustig

    Die Arbeitslosen sind ja "Kunden " vom AMS. Das Arbeitsamt arbeitet mit null Prozent kundenorienterung. Nur Treiber, Einfach stellen verteilen wie sie es mögen. Hauptsache die Leute sind weg von Markt. "Atbeitsmarkttechnisch denken "ja genau.(lach) minimiert mal 300 -400 euro vom Arbeitslosengeld und erhöht den Grundlohn um diesen Betrag. dann werden die Leute mehr motiviert sein zum Arbeiten. Plus Arbeit die "keiner machen will " wird dann sicher eher irgendwer machen bei 3-400 mehr Lohn. Macht mal dir Augen auf.

  • Nil am 16.10.2018 17:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was soll das?

    Sollten mal alle AMS Mitarbeiter sich vom Computer bewerten lassen, da würden sie dieses Programm sofort wieder abschaffen, wenn sie das Ergebnis sehen würden.

    • RICHARD am 19.10.2018 17:49 Report Diesen Beitrag melden

      Hr

      Das AMS hat keine Arbeitsplätze. Wer das glaubt ist verloren. Das AMS sollte wieder ins Finanzresort über geben werden. Die haben auch alle Daten der Versicherten.

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  • Jonny am 16.10.2018 12:11 Report Diesen Beitrag melden

    Nachteil Pension

    Mit der neuen Regierung fällt auch die Notstandshilfe weg und es gibt nur noch Mindestsicherung, somit werden auch viele im Alter keine Pensionszeiten mehr zusammen bringen, Pensionszeit gibt es nur bei Notstandshilfe, NICHT bei Mindestsicherung. Alle was jetzt noch so unsere neue Regierung bejubeln, ich hoffe ihr könnt bis zur Pension arbeiten und werdet nicht krank oder aussortiert. Einfach mal nachdenken ;-) Weniger Pensionszeit = wenig Pensionszahlung

  • RevoLuzzer am 16.10.2018 11:48 Report Diesen Beitrag melden

    es gibt 3 gruppen

    1. die nicht arbeiten wollen, 2. die zu 'alt' sind und 3. die 'überqualifizierten' - also keine dieser gruppen werden einen job bekommen. war leider selbst arbeitslos weil firma in konkurs ging, aber wenn jemand atbeiten will, bekommt er7sie auch einen job. wenn auch nicht unbedingt den 'traumjob' diesem sind längst besetzt oder vergeben. man schaue mal ins plenum. von qualifikation wird man nur wenig finden.

  • AAÖ Mitglied am 16.10.2018 09:07 Report Diesen Beitrag melden

    Die Kriterien...

    ... nach diesen der Computer ausselektieren wird, sind die selben die schon jetzt verwendet werden. Praktische Erfahrungen und Kenntnisse werden nur dan berücksichtigt wenn es einen Abschluß dafür gibt. Leider macht das AMS viel zuwenig um den Arbeitslosen berufliche Chancen zu bieten. Ein Eignungstest gehört her, damit kann man das Potential des Einzelnen viel besser beurteilen. Warum bei 50 eine Deathline gezogen wird ist mir unklar.