Beate Hartinger-Klein

04. Februar 2019 17:34; Akt: 04.02.2019 17:40 Print

Papamonat für alle? ÖVP pfeift Ministerin zurück

Sozialministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) ließ am Sonntag mit einigen Ankündigungen aufhorchen. Nicht einmal 24 Stunden später rudert sie zurück.

Ministerin Beate Hartinger-Klein (Bild: Karl Schöndorfer)

Ministerin Beate Hartinger-Klein (Bild: Karl Schöndorfer)

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Geht es nach Sozialministerin Hartinger-Klein, soll der verpflichtende Rechtsanspruch auf einen Papamonat für alle noch heuer kommen. ÖVP und Wirtschaft hingegen stehen dem Vorschlag skeptisch gegenüber und bremsen die Ambitionen der 63-Jährigen prompt ein.

Umfrage
Soll es einen Rechtsanspruch auf einen Papamonat geben?
55 %
11 %
15 %
16 %
3 %
Insgesamt 880 Teilnehmer

Seit 1. März 2017 haben 7.980 den Papamonat beantragt. Laut Hartinger sei es eine "sehr sinnvolle Sache", dass allen Vätern "die Möglichkeit und das Recht" auf diese Zeit mit dem Baby gegeben werde. Kommen soll der Rechtsanspruch "so rasch als möglich", und zwar noch heuer, so die Ministerin zumindest am Sonntagabend in der ORF-Pressestunde. Sie sei "überzeugt", dass die Wirtschaft dem Papamonat für alle zustimmen werde.

Da hat sich Hartinger-Klein aber offensichtlich getäuscht, denn die Wirtschaftskammer meldete sich prompt zu Wort: "Ein verbindlicher Rechtsanspruch auf einen Papamonat für alle Arbeitnehmer stößt bei unseren Betrieben auf Kritik, weil er nicht praktikabel ist", so WKÖ-Generalsekretär Karlheinz Kopf. Vor allem für kleinere und mittlere Betriebe wäre "ein Papamonat kaum durchführbar, weil fehlende Fachkräfte über vier Wochen nicht einfach ersetzt werden können".

Auch vom Koalitionspartner ÖVP erntet der Vorstoß Skepsis. "Wir sind dazu in Gesprächen und werden den Vorschlag regierungsintern klären", meinte Familienministerin und ÖVP-Frauenchefin Juliane Bogner-Strauß am Montag dazu.

Die SPÖ fordert indes eine rasche Umsetzung des Rechtsanspruchs. "Gleichberechtigung kann nur funktionieren, wenn beide Eltern sich bezahlte und unbezahlte Arbeit gerecht teilen. Der Papa-/Babymonat ist dafür eine wichtige Basis", so Frauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek in einer Aussendung.

Uneinigkeit auch bei Karfreitag

Was den Karfreitag betrifft, so hat sich die Sozialministerin mit ihren Ankündigungen ebenfalls keine Freunde gemacht. Denn Hartinger-Klein ließ anklingen, dass als Ersatz für den evangelischen Feiertag "wahrscheinlich" alle einen freien Tag bekommen werden.

Am Montag ruderte sie nach Kritik von der Wirtschaftskammer und dem Regierungspartner ÖVP zurück. Aus dem Büro des zuständigen Kanzleramtsministers Gernot Blümel wurde einmal mehr betont, dass der Karfreitag kein allgemeiner Feiertag für alle werden soll, aber auch niemand etwas verlieren soll. Wie das in der Praxis aussehen wird, ist nach wie vor unklar.

"Kurz verliert Kontrolle"

Die SPÖ ortet angesichts der Unstimmigkeiten "grobe Auseinandersetzungen". Klubvorsitzender Jörg Leichtfried meint in einer Aussendung am Montag, dass "Kanzler Kurz zunehmend die Kontrolle" verliert. ÖVP und FPÖ seien beim Papamonat und beim Feiertag am Karfreitag komplett gespalten. "Die ÖVP ist festgefahren in ihrer Blockadehaltung und beharrt auf den Interessen der Großkonzerne."

Ministerin Hartinger im "Heute"-Talk

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Vera am 04.02.2019 18:07 Report Diesen Beitrag melden

    Schlimmer geht's nimmer

    Nicht nur dass die FPÖ nichts zu melden hat, muss sie auch noch der Kurz Unterstützerin (Fr. Russwurm) einen gut bezahlten Job verschaffen.

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  • Epi am 04.02.2019 20:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    War doch klar

    Wieder eine Lachnummer mehr! War doch klar dass sich da die Wirtschaftsfreunde dagegen stemmen! Müsste der Frau Ministerin schön langsam aber auch klar sein, dass sie dagegen nicht ankommt. Alles für die Wirtschaft heisst die Devise!

  • OTTO am 04.02.2019 18:39 Report Diesen Beitrag melden

    Ruderboot

    Zurückrudern ist bei dieser Dame doch nicht Neues.

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • chraska am 06.02.2019 17:41 Report Diesen Beitrag melden

    Freiwilliger Papamonat

    Papamonat---hat man da schon frischgebackene Mamas gefragt, ob sie das wollen? Welcher Gewinn? für Baby und Mama?

    • sabrina am 08.02.2019 13:17 Report Diesen Beitrag melden

      reifungsprozess muss erzwungen werden

      es gibt auch krampfhafte mütter. so ein gesetz eines verpflichtenden papamonats wäre also für die gesamte gesellschaft gut, weil dann männer verantwortung FÜR eine Familie übernehmen müssen. daran reifen sie und vor allem reifen auch mütter daran, die nicht loslassen können und jegliche erziehung an sich reissen.

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  • Sebastian am 06.02.2019 10:39 Report Diesen Beitrag melden

    Nur so funktionierts

    Liebe FPÖ, einfach die Zeit in der Regierung genießen und ruhig verhalten, unseren Vorschlägen kommentarlos zustimmen und alles ist gut.

  • Wm am 05.02.2019 18:34 Report Diesen Beitrag melden

    Wm

    Wurde das vorher nicht mit der Wirtschaft abgesprochen, der wahren Macht in Österreich

  • Daddy cool am 05.02.2019 14:11 Report Diesen Beitrag melden

    Wirtschaft bringt Wirtschaft

    Im Sinne der Gleichberechtigung soll es klarerweise den Vätern auch genau so möglich sein für ihre kids da zu sein. Liegt wirklich mehr als auf der Hand. Auch entlastend für die Mütter und allgemein familienbewusst zu leben, soll gefördert werden.

  • Anti-Politik am 05.02.2019 10:01 Report Diesen Beitrag melden

    nur mal so beobachtet

    Wann kommen Politiker nach, die endlich mal anpacken und was tun (fürs Volk, nicht für die Wirtschaft, Banken und die EU). Heiße Luft von allen Seiten, jeder blockiert den andern, nebenbei mitscht die EU mit. Wenn etwas dermaßen verfahren ist, sollte man über eine Generalsanierung nachdenken, statt immer gegen die selben Wände zu laufen...