"Völliger Unfug"

27. September 2018 12:06; Akt: 27.09.2018 13:15 Print

Experte gegen härtere Strafen bei Sexualdelikten

Universitätsprofessor Christian Grafl sitzt in der sogenannten Task Force der Regierung zu Sexualdelikten, von härteren Strafen hält er aber gar nichts.

Die Regierung will das Strafrecht erneut massiv verschärfen. Der Regierungsexperte und Professor Christian Grafl hält das aber für

Die Regierung will das Strafrecht erneut massiv verschärfen. Der Regierungsexperte und Professor Christian Grafl hält das aber für "völligen Unfug". (Bild: iStock)

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Eigentlich sollte der Wiener Universitätsprofessor Christian Grafl in der Task Force der Regierung an einer Verschärfung des Sexualstrafrechtes mitarbeiten. Doch jetzt meldete sich der Professor am Rande eines Termins der österreichischen Richtervereinigung mit deutlichen Worten in Richtung der Regierung zu Wort: "Ich plädiere sehr dafür die Strafrahmen zu belassen“. Es sei "völliger Unfug" jetzt erneut an "den Rädchen zu drehen".

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Schwierige Situation für Rechtsprofessor

Die Leitung der Task-Force liegt bei der ÖVP-Staatssekretärin Karoline Edtstadler, die bereits im Vorfeld der Arbeitsaufnahme der Gruppe mehrfach bekräftigt hatte: "Es muss härtere Strafen geben", das finde sich so auch im Regierungsprogramm. Außerdem müsse der Opferschutz unbedingt ausgeweitet werden.

Wie "die Presse" berichtet, kann Grafl dieser Argumentation jedoch nur wenig abgewinnen: "Das Argument, man müsse aus politischer Sicht die Strafen erhöhen, weil das aus Sicht der Praxis notwendig sei, stimmt nicht“.

Denn: Bereits jetzt würden Richter im Bereich der Sexualstraftaten zumeist nicht an die Höchstgrenzen beim Strafmaß gehen, es sei also noch Spielraum im Strafrahmen verfügbar der ausgenützt werden könne, ohne das Sexualstrafrecht per se verschärfen zu müssen.

Außerdem sei eine weitere Reform des Strafrechtes zum jetzigen Zeitpunkt alleine schon deshalb wenig sinnvoll, weil es erst im Jahr 2016 die letzte gegeben hätte, so Grafl. Es sei aber noch nicht genügend Zeit vergangen um die Auswirkungen dieser Reform "seriös" beurteilen zu können, jetzt bereits mit einer weiteren Reform nachzulegen, bevor man sich mit den konkreten Auswirkungen der letzten Änderung ausreichend beschäftig habe, hält der Jusprofessor für wenig sinnvoll. "Man sollte sich Zeit lassen, bevor man so grundlegende Veränderungen macht", so der Wiener Kriminologe.

Strafverschärfung 2016 zeigt deutliche Wirkung

Vor allem im Bereich der Körperverletzungen zeige die Strafrechtsreform 2016 bereits deutliche Wirkungen, erläuterte Grafl. Die Richter würden den deutlich erhöhten Strafrahmen (von maximal 3 auf 5 Jahre) bei Körperverletzungen auch wahrnehmen, dennoch solle "man sich Zeit lassen, bevor man so grundlegende Veränderungen macht". Die letzten 10 Jahre würden ohnehin bereits im Zeichen einer deutlichen Strafverschärfung stehen, so der Professor der zu diesem Thema auch eine Lanzeit-Studie angefertigt hatte. Geldstrafen würden in Österreich im seltener verhängt werden, gleichzeitig würden die Haftstrafen auch bei Ersttätern stetig erhöht werden.

Dem gegenüber stehe laut der Grafl-Studie aber ein stetiges Abflauen in der Gesamtverurteilungsquote. Diese lag im Jahr 2017 bei 11%, 1875 lag sie noch bei 52 Prozent. Hintergrund ist auch, das immer mehr Strafverfahren außergerichtlich in einer Diversion (außergerichtlicher Vergleich, gemeinnützige Arbeit, etc.) enden würden. „Das können auch meine Studenten kaum glauben: Es gibt 25 bis 30 Prozent mehr Diversionen als Verurteilungen“, so Grafl.

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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Preimsberger am 27.09.2018 13:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer wieder

    Sicher wieder einmal ein Experte, der am liebsten in einer Gesellschaft ohne Gefängnisse leben würde.

  • Marie am 27.09.2018 13:30 Report Diesen Beitrag melden

    !!!!!

    Die mindesstraften gehören sehr wohl MASSIV erhöht , somit bleibt den richtern gar keine chance als diese Personen RICHTIG zu verurteilen. Die task force sollte sich SCHLEUNIGST(!) von dieser Person trennen !

  • Ernesto am 27.09.2018 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Opferschutz

    Um so länger die Täter eingesperrt sind,um so länger sind Frauen sicherer.

    einklappen einklappen

Die neuesten Leser-Kommentare

  • ibindameinug am 30.09.2018 10:38 Report Diesen Beitrag melden

    Eperten die keine sind

    Schon wieder ein "EXPERTE"!!!

  • herwigbully am 30.09.2018 09:14 Report Diesen Beitrag melden

    Spätfolgen?

    Hat dieser sogenannte Experte schon mal an die betroffenen Frauen gedacht? Die ein Lebenlang an den Folgen leiden? Genauso müsste mit den Tätern umgegangen werden.

  • cash back am 28.09.2018 14:20 Report Diesen Beitrag melden

    sehr hohe rigorose Geldzusatzstrafen

    dann bitte die strafbegleitenden Geldstrafen massivst anheben - "normale" Strafe bedingt/unbedingt plus 10.000 EURO Geldstrafe plus alle Verfahrenskosten und Geld sofort fällig stellen. Beim nächsten Mal plus 20.000 EUR...detto bei Drogendelikten/Einbruch/Körperverletz. begleitende Geldstrafen massivst anheben plus alle Verfahrenskosten..warum soll das alles der Steuerzahler zahlen...schön gemeinnützig zurückzahlen und nicht abarbeiten

  • Rita am 27.09.2018 20:59 Report Diesen Beitrag melden

    Für Vergewaltigung

    Für Vergewaltigung sollte es härtere Strafen geben hingegen für das was heutzutage Alles zur Sexuellen Belästigung zählt sind die Strafen schon viel zu hoch !

  • Max Maxin am 27.09.2018 20:06 Report Diesen Beitrag melden

    Maxin

    wäre es besser Verbrechern einen Orden zu verleihen Herr EXPERTE.? Ein Experte ist ein Mann, der hinterher genau sagen kann warum seine Prognose falsch war.