Alle Details

30. April 2019 10:31; Akt: 30.04.2019 11:45 Print

So viel Geld bringt Ihnen die Steuerreform

von Lukas Urban - Sechs Fragen, sechs Antworten: "Heute.at" erklärt, was Sie über die Steuerreform wissen müssen – und ab wann Sie entlastet werden.

Bildstrecke im Grossformat »
Am Dienstag hat die Bundesregierung ihre Steuerreform vorgestellt. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) betonte, dass mit einem Volumen von fünf Milliarden Euro "75 Prozent des Gesamtvolumens in die Entlastung der arbeitenden Bevölkerung" fließen. Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) lobt "ein echtes Mehr in der Brieftasche". Laut Bundesregierung sollen Personen mit einem Bruttomonatseinkommen von 500 Euro künftig mit einer Entlastung von 100 Euro im Jahr rechnen können. Bei 1.500 Euro im Monat sind es jährlich 528 Euro, bei einem Einkommen von 3.500 Euro gibt es eine Entlastung von 1.132 Euro. Als zusätzliches Zuckerl gibt es ab 2022 eine steuerfreie Mitarbeitererfolgsbeteiligung. Ein Bonus von maximal 10 Prozent des Unternehmensgewinns und 3.000 Euro pro Jahr und Arbeitnehmer ist ab dann steuer- und abgabenfrei. Auch Pensionisten profitieren: Bei einer Pension von monatlich 500 Euro kassiert der Staat im Jahr 100 Euro weniger. Das entspricht einer Entlastung von 28 Prozent. Bei einem monatlichen Bezug von 1.500 Euro beträgt die Entlastung jährlich 509 Euro. Die Bundesregierung plant eine Absenkung der Einkommenssteuertarife in zwei Tranchen. Ab 2021 sinkt der Steuersatz für Jahreseinkommen zwischen 11.001 und 18.000 Euro von 25 auf 20 Prozent. 2022 kommt eine Senkung der beiden nächsten Stufen von 35 auf 30 Prozent sowie von 42 auf 40 Prozent. Bereits ab 2020 müssen Arbeitnehmer weniger Krankenversicherungsbeiträge bezahlen. Diese Entlastung wird von der Regierung "Sozialversicherungsbonus" genannt und fließt direkt in die Abrechnung auf dem Gehaltszettel ein.

Zum Thema
Fehler gesehen?

1
Wofür werden Steuern in Österreich ausgegeben?

Umfrage
Was denken Sie über die angekündigte Steuerreform?

Der Staat nahm laut Statistik Austria im Jahr 2018 187,6 Milliarden Euro ein – zu einem überwiegenden Teil aus Sozialversicherungsbeiträgen und Steuern. Die Ausgaben lagen mit 187,2 Milliarden knapp darunter.

Der Überschuss in absoluten Zahlen: 426 Millionen Euro. Das Geld floss zu einem großen Teil in Soziales (41,8 Prozent), das Gesundheitswesen (16,6 Prozent) und die öffentliche Verwaltung (12,4 Prozent).

2
Wie hoch ist die Entlastung für Arbeitnehmer?

Die Steuerreform ist auf Etappen ausgelegt. Soll heißen: In den Jahren 2020, 2021 und 2022 führt die Bundesregierung schrittweise neue Maßnahmen ein. Die Entlastung soll ab 2022 im Vollausbau der Reform jährlich 8,3 Milliarden Euro für Arbeitnehmer und Wirtschaft betragen. Darauf beziehen sich auch folgende Berechnungen.

Laut Bundesregierung sollen Personen mit einem Bruttomonatseinkommen von 500 Euro künftig mit einer Entlastung von 100 Euro im Jahr rechnen können. Bei 1.500 Euro im Monat sind es jährlich 528 Euro, bei einem Einkommen von 3.500 Euro beträgt die Ersparnis 1.132 Euro.

Als zusätzliches Zuckerl gibt es ab 2022 eine steuerfreie Mitarbeitererfolgsbeteiligung. Ein Bonus von maximal 10 Prozent des Unternehmensgewinns und 3.000 Euro pro Jahr und Arbeitnehmer ist ab dann steuer- und abgabenfrei.

Auch Pensionisten profitieren: Bei einer Pension von monatlich 500 Euro kassiert der Staat im Jahr 100 Euro weniger. Das entspricht einer Entlastung von 28 Prozent. Bei einem monatlichen Bezug von 1.500 Euro beträgt die Entlastung jährlich 509 Euro.

3
Wie setzt sich diese Entlastung zusammen?

Neben anderen Maßnahmen wie der Erhöhung der Werbungskostenpauschale von derzeit 132 Euro auf 300 Euro pro Jahr ab 2021 sind vor allem zwei Punkte zentral.

Die Steuersenkung

Die Bundesregierung plant eine Absenkung der Einkommenssteuertarife in zwei Tranchen. Ab 2021 sinkt der Steuersatz für Jahreseinkommen zwischen 11.001 und 18.000 Euro von 25 auf 20 Prozent. 2022 kommt eine Senkung der beiden nächsten Stufen von 35 auf 30 Prozent sowie von 42 auf 40 Prozent.

Alle anderen Stufen bleiben bestehen. Auch der Spitzensteuersatz von 55 Prozent auf Einkommen über einer Million Euro pro Jahr wird nicht angetastet. Doch die Reichen gehen nicht leer aus. Sie profitieren von der ganzen Spanne der Entlastungen von 11.001 bis 60.000 Euro.

Der "Sozialversicherungsbonus"

Bereits ab 2020 müssen Arbeitnehmer weniger Krankenversicherungsbeiträge bezahlen. Diese Entlastung wird von der Regierung "Sozialversicherungsbonus" genannt und fließt direkt in die Abrechnung auf dem Gehaltszettel ein. Die Gegenfinanzierung soll aus dem Staatsbudget kommen. Durchschnittlich sollen Arbeitnehmer jährlich 280 Euro sparen, Pensionisten werden mit 170 Euro pro Jahr entlastet.

4
Was bekommt die Wirtschaft?

Unternehmen gehen freilich nicht leer aus. Für sie hat die Regierung unter anderem die Senkung der Körperschaftssteuer geplant. Sie fällt ab 2022 von 25 auf 23 Prozent sowie ein Jahr später weiter auf 21 Prozent. Diese Maßnahme soll der Wirtschaft ab 2023 jährlich 1,6 Milliarden Euro ersparen.

Außerdem werden künftig die Grenze für die Abschreibung geringwertiger Wirtschaftsgüter, die Kleinunternehmergrenze sowie der Gewinnfreibetrag hochgeschraubt. Ab 2020 sollen diverse Anpassungen im Umweltbereich 55 Milliarden bringen. Dazu zählen eine CO2-Komponente bei der Versicherungssteuer von Neuwagen oder ein Vorsteuerabzug für E-Bikes.

5
Wie wird das alles bezahlt?

Trotz Gegenfinanzierung soll das Nulldefizit, auf das die Regierung sehr stolz ist, nicht in Gefahr geraten. Ein Teil des Budget-Überschusses fließt direkt in die Finanzierung der Entlastung.

Zudem müssen die Ministerien insgesamt eine Milliarde Euro einsparen – die Budgetverhandlungen beginnen demnächst. Zur Einnahmensteigerung sollen die Digitalsteuer, die Schließung von Steuerschlupflöchern oder die automatische Erhöhung der Tabaksteuer dienen.

6
Was ist mit der kalten Progression?

Die Abschaffung der kalten Progression, also inflationsbedingter, schleichender Steuererhöhungen, ist nicht Teil des Steuerreform. Sie ist nicht abgeblasen, sondern soll separat am Ende der Legislaturperiode erfolgen.

Die Bilder des Tages

Die Bilder des Tages

Bleiben Sie informiert mit dem Newsletter von heute.at


Das könnte Sie auch interessieren:

Jetzt kommentieren

Kommentar lesen

Hier können Sie einen Kommentar zum Thema verfassen:

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hubert am 30.04.2019 11:50 Report Diesen Beitrag melden

    Blender

    "Leistung soll sich wieder lohnen" Wow, mit 50-70 mehr im Monat, die gleich wieder durch die kalte Progression und die (tatsächliche) Inflation aufgefressen werden kann ich jetzt so richtig am Putz hauen.

  • Schreiber am 30.04.2019 11:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieder etwas eigenartig

    Kann mir jemand erklären errungen im ORF die Pressekonferenz abgedreht wird und zwei ORFler darüber schwadronieren - die Ausführungen der Verantwortlichen wären viel interessanter. Komischerweise auf einem Privatsender zB wird's gesendet. Öffentlich rechtlich findet es für die Gebührenzahler nicht notwendig.

    einklappen einklappen
  • Aslan am 30.04.2019 12:10 Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Augenwischerei

    Kurzgefasst: Vom Jahr zu Jahr wird alles teurer, Steuerentlastung kommt nach ca. 3 Jahren, und diese beträgt 35 Euro pro Monat (bei mir z.Bsp.). Wo ist der Sinn/Unterschied? Die Blues checkens wohl nicht.

    einklappen einklappen

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Rechner am 01.05.2019 08:54 Report Diesen Beitrag melden

    die Reform

    ist der Schmäh des Jahres. Die Leute werden das erst begreifen wenn die nächsten Wahlen geschlagen sind.Dann haben sie 70 Euro mehr im Tascherl und vermutlich durch die kalte Progression um 50 Euro weniger. Dann noch die Teuerung in 3 Jahren und dann gibt es nichts mehr zu feiern. Kurz hat dann seine 2 Amtszeit und nach 10 Jahren in der Politik vertschüsst er sich ja lt. eigenen Angaben.Zurück bleibt der geschälte Bürger,2h Tag, kein Geld mehr in der Tasche,Sozialabbau.....

  • MElisabeth1964 am 01.05.2019 07:02 Report Diesen Beitrag melden

    Summa Summarum...

    Sind umgerechnet heiße 50.- mehr im Geldbörsel und anderweitig ist der Rest bei der Finanz und div. Steuer wie der Schaumwein neue Steuer drauf bekommt, ergo was bleibt? Nix! Ist eine reine Augenauswischerei. Sollen sie doch mal die Abgabe was verpflichtend an den Gehalt angepasst ist halbieren, denn dies beträgt der zeit um 50% mehr als die Lohnsteuer was einen abgezogen wird.

  • schurkraid am 30.04.2019 18:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kd

    naja sein wir mal gespannt was jetzt wirklich am ende übrig bleibt noch mache ich keine freudensprünge. z.b. dieses jahr wurde bei mir versicherung 5euro. wohnung 5 euro. betriebskosten 10 euro. strom 5 euro. macht dies schon 25 euro dann essen,sprit usw wird auch teuer.

  • Beate Erbat am 30.04.2019 15:10 Report Diesen Beitrag melden

    Ein reiner Witz

    Die größte Witznummer, da bleiben 1,50 mehr, wird dann durch die kalte Progression und die Inflation wieder gefressen, die Regierung glaubt wirklich das Volk ist deppert.

    • Franz am 01.05.2019 00:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Beate Erbat

      Wenn ich mir dein Posting so ansehe, dürfte die Regierung mit ihrer Einschätzung wohl richtig liegen.

    • Karli am 01.05.2019 08:06 Report Diesen Beitrag melden

      @Franz

      Richtig, trifft auf dich hundert prozentig zu, den einige werden es nie checken, obwohl Mathematik keine hohe Kunst ist.

    einklappen einklappen
  • Roman Polz am 30.04.2019 14:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Herr

    was soll man darauf sagen. Auch Papa staat hat nicht's zu verschenken. am wenigsten bei denen die am wenigsten haben da sie sowieso keine Steuern zahlen. was will man bei 500 Euro auch noch abziehen? aber gut. bis jetzt gab es nur eine Richtung, rauf! insofern machts sinn. Danke! Ich hoffe es wird nicht durch andere Abgaben refinanziert.