"Keine Einsicht"

23. Juni 2019 10:58; Akt: 10.07.2019 16:00 Print

Für Kurz ist türkis-blaue Neuauflage sehr fraglich

ÖVP-Chef und Ex-Kanzler Kurz ließ Sonntag beim "Ö3"-Sommergespräch aufhorchen. Er sieht die FPÖ aktuell nicht als möglichen Partner.

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Am Sonntag starteten auf "Ö3" die Sommergespräche in der Sendung "Frühstück bei mir" mit Claudia Stöckl. Zum Auftakt besuchte Stöckl dabei ÖVP-Chef Sebastian Kurz am Bauernhof seiner Eltern in Zogelsdorf in Niederösterreich und diskutierte mit dem Ex-Bundeskanzler über die Causa Ibiza sowie die derzeitige politische Lage. Kurz zeigte sich dabei (vorerst) sehr ablehnend gegenüber einer möglichen Neuauflage einer türkis-blauen Koalition nach den Neuwahlen.

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"Im Moment habe ich leider das Gefühl, dass bei Teilen der FPÖ nicht die richtigen Lehren aus dem Video und den Inhalten gezogen werden und dass sich Teile der FPÖ da in eine sehr negative Richtung und eine sehr radikale Richtung entwickeln. Mal schauen, welcher Zugang sich am Ende des Tages in der FPÖ durchsetzt", so Kurz.

Neuauflage keine Option

Derzeit sei eine Neuauflage also unwahrscheinlich, denn der Eindruck von Kurz sei, dass nach dem Ibiza-Skandal einigen Personen in der FPÖ die Einsicht fehle, was den Inhalt des Skandalvideos und dessen Bedeutung betreffe. Einmal mehr erklärte Kurz, er habe erst in letzter Sekunde über das Ibiza-Video erfahren, als in den Medien darüber berichtet wurde.

Am Vortag des Bekanntwerden des Skandal habe der mittlerweile aus allen politischen Funktionen ausgeschiedene Ex-FPÖ-Vizekanzler Heinz-Christian Strache ihn um ein "dringendes" Vier-Augen-Gespräch gebeten, so Kurz. Er habe damals aber "keinen Kopf für Politik" gehabt, da es zu diesem Zeitpunkt seiner Großmutter "irrsinnig schlecht ging" und er sich um sie kümmern wollte.

"Etwas Schiaches" wird auftauchen

Im doch zustandegekommenen Gespräch habe Strache ihn dann informiert, dass da "etwas Schlechtes in den Medien auftauchen" werde, "konnte oder wollte" aber laut Kurz keine genaueren Angaben machen, da er sich wohl selbst "nicht sicher" war. Strache habe ihm aber angekündigt, dass es auch "etwas Negatives", "schiaches" gegen Kurz selbst enthalten werde. Deswegen sei Kurz auch "mit einem mulmigen Gefühl schlafen gegangen an diesem Tag".

"Schockiert" und "erschlagen" habe Kurz und sein Team dann das Ibiza-Video verfolgt. "Das Schlimme war diese Offenheit für Korruption, die Bereitschaft Steuergeld zu missbrauchen, um der Partei einen Dienst zu erweisen." Hier fehle der FPÖ die Selbstreflexion und das Eingeständnis, einen Fehler gemacht zu haben.

Enttäuscht von den Reaktionen

Nach dem Auftauchen des Videos sei Kurz enttäuscht über die Reaktionen aus der FPÖ gewesen – wohl in Hinblick auf Versuche, die Inhalte und Aussagen herunterzuspielen. Dass sei letztlich auch der Tropfen gewesen, der das Fass überlaufen hätte lassen. Dass mit der Entlassung von Ex-Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) die FPÖ geschlossen aus den Ministerämtern zurücktrat und vorgezogene Neuwahlen ausgerufen wurden, ließ Kurz nach eigenen Aussagen den weiteren Weg schon vorahnen.

Wir erinnern uns: Am 27. Mai wurde der gesamten Regierung das Misstrauen ausgesprochen, die Regierung einen Tag später von Bundespräsident Alexander Van der Bellen der Ämter enthoben. "Um ehrlich zu sein" habe es Kurz dabei nicht überrascht, dass SPÖ und FPÖ ihm "auch aus Rachegelüsten" das Misstrauen aussprachen, wirklich überrascht habe ihn aber, dass das auch gegenüber der gesamten Regierung geschehe. Er trete bei der Wahl an "natürlich mit dem Ziel, dass wir diesen Weg fortsetzen".

Und Strache?

Nach dem Platzen der Regierung habe Kurz nur "ein Mal mit Strache telefoniert". Dass dieser offenbar damit spielt, bei der Wien-Wahl anzutreten, sieht Kurz kritisch: "Ich würde ihm das nicht raten, aber das ist seine Sache."

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(rfi)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MündigerWähler am 23.06.2019 13:00 Report Diesen Beitrag melden

    Hochmut kommt vor dem Fall

    Herr Kurz, Sie sind sich sehr siegessicher und glauben bestimmen zu können, mit wem Sie in die nächste Regierung gehen - aber nachdem wir in einer Demokratie leben können die Karten völlig anders gemischt werden, sofern das Wahlvolk unabhängig entscheidet und die Wahl nur nach den Ergebnissen der Arbeit misst, die Sie geleistet haben. In der letzen Regierung hat der Partner gearbeitet und Ihr Parteiprogramm, das Sie vorher von Ihrem Partner abgekupfert haben, umgesetzt, während Sie in Abwesenheit im Ausland und bei denen, die sie als neuer Messias sehen, geglänzt haben. Der Lack ist ab.

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  • Statistiker am 23.06.2019 13:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Spielchen des Exkanzlers Kurz

    Natürlich nicht ein Fünkchen Selbstreflexion, keine Erwähnung seiner eigenen Verantwortung bei der Sprengung der erfolgreichsten Koalition seit Jahrzehnten. Es muss ihm von Anfang an klar gewesen sein, dass seine machtbesoffene Forderung, das Innenministerium einzufordern, zur Sprengung führen musste und es bestätigt sich die Strategie, mit den Neos die vereinten Nationen von Europa initiieren zu wollen, bar jeglicher Demokratie und ganz im Sinne seiner Freimaurerbosse.

  • Calimero am 23.06.2019 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn man es sich mit allen anderen

    politischen Kräften in Österreich verscherzt hat und die Dampfplauderei oder die FPÖ von rechts überholen auch keine absolute Mehrheit bei der Bevölkerung findet gibt es nur 2 Optionen: Erstens die Machtergreifung oder zwotens den Ausstieg aus der Politik. Bei Letzterem wird man wohl eine berufliche Fachausbildung anzugehen haben. HC Strache hat wenigstens als Zahntechniker ein solides Handwerk erlernt. In jedem Falle wäre eine Stimme für die Kurz ÖVP eine verlorene Stimme für Österreich und Kurz wird bald Geschichte sein.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • werner.s. am 24.06.2019 19:41 Report Diesen Beitrag melden

    Partner

    Für die ÖVP wird nur die FPÖ ein möglicher Partner sein.

  • herr kurz wird das nicht lesen am 24.06.2019 18:15 Report Diesen Beitrag melden

    weil ich müsste ihm sehr deutlich sagen

    dass, wenn er eine neuauflage der letzen regierung auch nur im entferntesten andenkt, er keinesfalls mein x-erl bekommt. zu dieser etscheidung werden unzählige seiner wähler kommen, dann kann er den BK abhaken, versprochen !!

  • Lisa am 24.06.2019 11:50 Report Diesen Beitrag melden

    sehr schwierig

    Die SPÖ mit der Besetzung an mit Rendi Wagner Bedeutet Stillstand. FPÖ die mitgestimmt hat als Selbstzersörung in der Regierung Sebastian Kurz abzuwählen. Es gibt nur mehr eines, die absolute Mehrheit für ÖVP Sebastian Kurz, gebt ihm die stimme und alle werden daran profitieren. Na Klar auch die Wirtschaft wird davon gut Leben. Wir auch, ohne Wirtschaft kein JOB!

  • manola am 23.06.2019 23:39 Report Diesen Beitrag melden

    Vor eigener Türe kehren

    Kurz will nur Stimmung machen um eine Mehrheit zu bekommen . Er braucht mit den Spenden gar nicht reden denn wer glaubt denn die spenden ihm gratis so viel ohne irgendeinen Vorteil , so naiv kann man nicht sein . Die ganzen unangenehmen Themen hatte die FPÖ obwohl in einer Koalition beide Partner dies wollen müssen und Kurz ist der Verhinderer der Volksabstimmungen .Also man sollte über seine Aussagen einmal nachdenken denn eine große Koalition hatten wir jahrelang und wissen was sie gemacht hat .Er hätte durchaus weiter regieren können , aber wollte er gar nicht ,scheint ohnehin geplant .

  • Helgoland am 23.06.2019 20:31 Report Diesen Beitrag melden

    Erfolgreich die Ämter verlassen

    Erfolgreich?.... Und weil sie So erfolgreich waren haben wir jetzt eine Übergangsregierung. Für mich zählt nicht, worüber gesprochen und was versprochen wird, sondern was tatsächlich IST. Daher haben BEIDE PARTEIEN TOTAL VERSAGT.