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12. Juni 2019 19:08; Akt: 12.06.2019 19:08 Print

'Ibiza-Falle für Strache und Gudenus war dilettantisch'

Der Detektiv, der die Identität eines Lockvogels herausfand, spricht mit "Heute.at" über Ibiza und verrät, warum der Plan in Wien besser funktioniert hätte.

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An einem heißen Abend im August 2017 fuhren Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus ihre Polit-Karrieren an die Wand. Dabei tappten sie in eine Videofalle, die geradezu dilettantisch ausgelegt war, sagt der Privatdetektiv Martin Ulm.

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Er hat den Fall für "eu-infothek" recherchiert. Die Plattform war vor der Ibiza-Affäre recht unbekannt, veröffentlichte danach allerdings teilweise als erstes neue Erkenntnisse über die Hintermänner. Ulm deckte den Namen des Begleiters des weiblichen Lockvogels auf: Julian H.

Als Ulm sich mit "Heute.at" zum Gespräch trifft, trägt er ein weißes Hemd unter einem blauen Sakko, dazu Jeans. Mit einem breiten Grinsen setzt er sich an den Tisch in einem Lokal im ersten Bezirk und lässt durchblicken, was er von der Truppe hält, die Strache und Gudenus in die Villa auf Ibiza gelockt haben soll: "Ich glaube, dass die alle nicht besonders klug sind, das sind keine Profis."

"Miserable" Kameratechnik

Bereits die mutmaßliche Kontaktherstellung zwischen der "Oligarchin" und Gudenus durch den Wiener Anwalt M. in dessen Kanzlei sei "extrem schlecht gemacht" gewesen: "Als Anwalt muss man sich eine Geschichte zurechtlegen, wie man zu der Frau gekommen ist. Für mich war klar: Wer sich für die Oligarchin eingesetzt hat, steckt in der Sache drin."

Ulm bezeichnet die Kameratechnik des Videos als "miserabel", außerdem habe der "Sicherheitsberater" Julian Thaler, der eigentlich Julian H. heißt, einen großen Fehler begangen. Der Mann mit der weißen Hose tritt nicht nur in dem Video auf, sondern ist auch dabei zu sehen, wie er die versteckten Kameras einrichtet. "Das ist ja besonders unklug", sagt Ulm. "Andernfalls hätte er behaupten können, er sei ebenfalls reingelegt worden."

Keine Reise nötig

Zudem, so Ulm, dürfte die Truppe auf Ibiza Spuren hinterlassen haben: "Wenn die Behörden ermitteln, haben sie ein leichtes Spiel." Der Flug nach Ibiza, die Miete der Airbnb-Villa: "Da gibt es sicher Kreditkartenabrechnungen. Irgendwer muss das Haus bezahlt haben."

Besonders skurril: "Für die Falle braucht man nicht nach Ibiza fliegen. In Wien wäre das viel einfacher und diskreter möglich gewesen. Bei einem Treffen in einem Lokal hätte man auch mitfilmen können – da gibt es aber keine Spuren. Das hätte man auch mit viel weniger Aufwand und Geld machen können."

Google-Suche hätte Ärger erspart

Anwalt M. soll Gudenus gefälschte Belege für die Zahlungsfähigkeit der "Oligarchin" gezeigt haben – sie gab vor, ihm ein Grundstück abkaufen zu wollen. Ulm versteht, dass der Ex-FPÖ-Politiker der vermeintlichen Vertrauensperson Glauben schenkte.

In anderen Punkten sei er aber in der Lage gewesen, die Angaben zu überprüfen: "Gudenus hätte nach 'Julian Thaler' im Internet suchen können – und hätte gemerkt, dass es einen solchen Sicherheitsberater nicht gibt." Und die "Oligarchennichte"? "Das ist ein Wahnsinn, das wäre mit einer Google-Suche in Minuten aufgeklärt gewesen." Die Frau stellte sich als "Aljona Makarowa" vor. Der russische Milliardär Igor Makarow erklärte nach Bekanntwerden der Affäre, er habe keine Nichte.

"Grenze überschritten"

In Medien werden Produktionskosten von Hunderttausenden Euro kolportiert. "Das Video wäre mit dem technischen Aufwand auch um 30.000 Euro möglich", sagt Ulm. "Bei einem Verkaufsinteresse würden anfangs nur die Spesen anfallen. Die Beute wird danach aufgeteilt."

Um dermaßen hohe Kosten anzuhäufen, müssten alle Beteiligten vorab fürstlich entlohnt worden sein. In Osteuropa habe man mit derartigen Operationen Erfahrung – auch wenn das "Kompromat" meist nicht veröffentlicht wird. Und: Seriöse Detektive in Österreich würden solches Material ohnehin niemals produzieren.

Ulm sieht mit der Ibiza-Affäre eine Grenze in Österreich überschritten. "Das haben viele Menschen noch nie gesehen – wie ein Politiker im Ruderleiberl offen redet", sagt der Detektiv. "Da werden noch ganz andere Sachen kommen."

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(lu)

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  • Martin am 12.06.2019 20:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Profis....

    ..... oder keine Profis.... wenn's stinkt sind die Geier überall....

  • Kannitverstan am 13.06.2019 09:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn die Behörden ermitteln?

    Steht im Artikel? Faszinierend, wann gedenkt man zu ermitteln? Was Strache sagte, hat er nicht umgesetzt. Doch die verbotenen Aufnahme stürzte Österreich in eine Krise. Was da noch für Filmchen über andere Parteien kommen werden?

  • DerEichbert am 12.06.2019 21:53 Report Diesen Beitrag melden

    Wer...

    ...weiss denn schon, was der Strache alles besprochen und erzählt hat, als keine Kamera lief... War sicher nicht alles zum Besten für das Volk. Nehm ich halt an. Nur weil eine Kamera mitlief und er sich in Gegenwart eines "Freundes" und der jungen Blondine stark fühlte, obwohl seinige daheim wartete... Denke, die FPÖ kann auf so einen verzichten. Ganz egal was wer das Video in Auftrag gab, oder welche Qualität es hat. Mal sehen ob er wirklich ernst zu nehmen ist, seinen Fehler nicht wiederholt und sich endlich aus der Politik zurückzieht. Strache in der EU....Nein, Danke.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Kannitverstan am 13.06.2019 09:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn die Behörden ermitteln?

    Steht im Artikel? Faszinierend, wann gedenkt man zu ermitteln? Was Strache sagte, hat er nicht umgesetzt. Doch die verbotenen Aufnahme stürzte Österreich in eine Krise. Was da noch für Filmchen über andere Parteien kommen werden?

  • Lolero am 12.06.2019 22:00 Report Diesen Beitrag melden

    Gutes Video

    Egal ob Profi oder Amateur bzw. legal oder nicht legal. Fakt ist jetzt weiß endlich jeder wie Strache wirklich über unser Polit System denkt (Das man Korrupt agiert und Aufträge nur an Spender verteilt/Geld am Rechnungshof vorbei schmuggeln kann/Meinungsmanipulation über die Kronenzeitung) Auch wenn er nichts von dem was er gesagt hat gemacht hat, stehen diese Aussagen trotzdem im Raum. Wer weiß ob er es nicht nächstes Jahr geplant hätte? Dieses Video war wichtig für die Sicherheit der Demokratie. Ich denke zudem das Strache genau wusste was er sagt, er wirkte eher angeheitert als betrunken.

  • DerEichbert am 12.06.2019 21:53 Report Diesen Beitrag melden

    Wer...

    ...weiss denn schon, was der Strache alles besprochen und erzählt hat, als keine Kamera lief... War sicher nicht alles zum Besten für das Volk. Nehm ich halt an. Nur weil eine Kamera mitlief und er sich in Gegenwart eines "Freundes" und der jungen Blondine stark fühlte, obwohl seinige daheim wartete... Denke, die FPÖ kann auf so einen verzichten. Ganz egal was wer das Video in Auftrag gab, oder welche Qualität es hat. Mal sehen ob er wirklich ernst zu nehmen ist, seinen Fehler nicht wiederholt und sich endlich aus der Politik zurückzieht. Strache in der EU....Nein, Danke.

  • Martin am 12.06.2019 20:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Profis....

    ..... oder keine Profis.... wenn's stinkt sind die Geier überall....