Geheim-Dokumente

07. April 2019 10:06; Akt: 07.04.2019 10:40 Print

Identitäre wollten Zeitungen und TV besetzen

Geheime Gerichtsakten der Identitären geben Einblick in die sektenartige Welt der Bewegung. Und auch in die geplanten Verbindungen zur FPÖ.

Ein Aufmarsch der rechtsextremen

Ein Aufmarsch der rechtsextremen "Identitären" in Wien im Jahre 2015. (Bild: picturedesk.com)

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Mitte 2018 standen in Graz führende Mitglieder der Identitären vor Gericht. Darunter auch Martin Sellner. Er und 16 andere wurden schließlich vom Vorwurf der kriminellen Vereinigung und Verhetzung freigesprochen.

Die Beweismittel von vor einem Jahr geben aber Einblick in die Welt der Identitären - und was man plante. Die "Kleine Zeitung" konnte die Unterlagen lesen und beschreibt, was man daraus lernt.

Rundfunk und Zeitungen besetzen
In einem Dokument aus dem Jahr 2015 mit der Überschrift "Die Integrationslüge" beschrieben die Identitären, dass man eine "Gegenöffentlichkeit" aufbauen müsse. Ziel sei die "Ablösung der herrschenden Ideologie durch Erosion und Subversion oder revolutionären Prozess". Als Szenarien waren beispielsweise die Ausrufung eines "Bürgerparlaments" oder die Besetzung von Pressegebäuden und Rundfunk vorgesehen.

FPÖ-Medien benutzen
Bei diesem Plan sollten auch FPÖ-nahe Medien ordentlich mithelfen. Plattformen wie "Info-Direkt", "Zur Zeit", "Aula", "unzensuriert", "Strache Facebook" und "FPÖ-TV" sollten mit "Wording und Berichten gefüttert" werden.

Zusätzlich wurden FPÖ-Politiker (und einer vom Team Stronach, der vorher ÖVP war) als "Lobby" bezeichnet. Sie sollten vorab über Aktionen informiert werden und Druck auf Ministerien und Politiker ausüben. Sogar ein eigener FPÖ-E-Mail-Verteiler war geplant.

Sellner widerspricht auf Twitter
Identitären-Chef Martin Sellner widerspricht dem Artikel der "Kleinen Zeitung" heftig auf Twitter: "Was für ein Blödsinn! Wir planten niemals "Besetzung von Redaktionen", meinte er. Die Textstellen, die die Zeitung zitiert, würden vielmehr aus einem Buch über zivilen Ungehorsam stammen.

Themenwechsel
Inwieweit dieser Plan umgesetzt wurde, kann nur vermutet werden. Nach dem Regierungswechsel zu Türkis-Blau hat man bei den Identitären Anfang 2018 begonnen, Rücksicht auf die FPÖ zu nehmen.

"Da die FPÖ als Regierungspartei ihre Vorfeldorganisationen zurückhalten wird, wird die IB (...) als einzige (...) patriotische Organisation übrig bleiben", heißt es in einem Dokument. Aus Rücksicht werde man daher Offene Debatte und nicht Remigration als Kampagnenthema 2018 wählen.

Wie die Identitären aufgebaut sind
In den Gerichtsunterlagen fand die "Kleine Zeitung" auch ein Organisationskonzept, das die Hierarchie der Identitären Bewegung detailliert.

An der Spitze soll es eine Führungsriege geben, die - den griechischen Bürgermilizen nach - "Hopliten" genannt wurden: "Wer zu diesem Kreis gehören will, muss einen Schnitt in der Biografie machen und sein gesamtes Leben nach der Identitären Bewegung ausrichten", liest man da. "Pflicht sind (...) wehrhaftes Auftreten, Schulung von Geist und Körper, Verteidigung der Ehre und des Ansehens der IBW zu jeder Zeit, Bereitschaft, mit Gesicht und Namen für die Sache zu stehen und wenn nötig mit dem Leben für sie einzutreten."

Eine Stufe unter der Führung stehen die "Spartiaten". Sie werden so beschrieben: "Die Fäuste der IBW - sie tragen unsere Aktionen auf die Straße": Also Demo-Teilnehmer und Mitarbeiter, die Verteilaktionen und andere Aktivitäten ausführen.

Noch eine Ebene darunter werden die "Sympathisanten" beschrieben. Sie "verankern unsere Gruppe im Volk". Die Sympathisanten sind keine formalen Mitglieder, sondern passiv.

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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Statistiker am 07.04.2019 10:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Konkrete Vorwürfe?

    Also entspricht der vermeintliche Aufbau der Identitären in etwa dem der in Österreich akkreditierten Parteien, die auch ihre gesellschaftspolitischen Ziele und Interessen verfolgen, inklusive möglicher Maßnahmen und Aktionen. Bei der Antifa ist es da weitaus schlimmer, da stehen noch öffentliche Gewaltakte, Zerstörungen und Angriffe auf Personen im Programm, was offenkundig niemanden aufregt. Was ist den Identitären jetzt aber bitte konkret vorzuwerfen außer haltlosen Anschuldigungen?

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  • Ehklar am 07.04.2019 11:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur ich

    Wenn diese "Beweise" stimmen würden und die Identitären den Rundfunk "übernehmen" hätten wollen, und noch einiges mehr, wären sie NIEMALS freigesprochen worden!

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  • Justus am 07.04.2019 13:01 Report Diesen Beitrag melden

    Rot

    Die Roten hätten das im Jahre 2015 oder 2016 nicht in den Medien verbreitet, das glauben nicht mal die Gebrüder Grimm

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Alex am 11.04.2019 11:08 Report Diesen Beitrag melden

    Kritik muss erlaubt bleiben

    Also die IB ist nicht einmal halb so gefährlich wie der schwarze Block der ANTIFA. Wenn man die rechten verbietet, dann muss man auch die linken verbieten. Für Extremismus darf es in KEINE Richtung Verständnis geben. Und warum dürfen die grünen ein "Tatblatt" sponsern ohne das sich wer aufregt? GLEICHES Recht für ALLE.

  • Censorship am 10.04.2019 14:40 Report Diesen Beitrag melden

    Wollten es machen, haben es gemacht...

    Der Sturm auf das Verkehrsministerium, mit bengalischem Feuer am Dach, durch die Donnerstags SA'ler, ist da nicht so schlimm, oder??

  • Dusninja am 07.04.2019 15:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So what?

    Was ist daran jetzt neu? Speziell die Ursprungsorganisation in Frankreich ist ja durch eine oder andere Besetzungsaktion aufgefallen. Wenn ich mich recht entsinne zB die Besetzung von Moscheen und. Deswegen muss jetzt der Flurfunk der FP nicht zum Halali blasen, um sich reinzuwaschen.

  • Justus am 07.04.2019 13:01 Report Diesen Beitrag melden

    Rot

    Die Roten hätten das im Jahre 2015 oder 2016 nicht in den Medien verbreitet, das glauben nicht mal die Gebrüder Grimm

  • Nazi-Hasser am 07.04.2019 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    Rechtsextremismus hat hier keinen Platz

    Wenn das stimmt,wieso verbietet man nicht endlich diese Rechtsextreme Bewegung?

    • Euren Hass könnts behalten am 07.04.2019 14:28 Report Diesen Beitrag melden

      Sie sind unschuldig

      Nicht jede Kritik ist Rechtsextremismus.

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