Gelächter im Saal

21. Juni 2017 18:50; Akt: 21.06.2017 20:20 Print

Identitären-Chef blamiert sich vor Gericht

Ein deutscher Rechtsextremer stand in Halle wegen Körperverletzung vor Gericht. Der Austro-Identitäre Martin Sellner war als Zeuge geladen und blamierte sich.

Der Chef der österreichischen Identitären, Martin Sellner (l.), blamierte sich vor einem deutschen Gericht. (Bild: picturedesk.com)

Der Chef der österreichischen Identitären, Martin Sellner (l.), blamierte sich vor einem deutschen Gericht. (Bild: picturedesk.com)

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Der angeklagte Andreas K. ist Teil der rechtsextremen Gruppe "Kontrakultur". Seit Montag muss er sich vor Gericht wegen Nötigung und Körperverletzung verantworten. Ausgerechnet die Zeugenaussage seines Gesinnungsgenossen Sellner brachte ihn in Bedrängnis, wie die Tageszeitung "Zeit" berichtet.

Der Vorfall, um den es geht, hatte sich am 9. März 2016 in Halle an der Saale im deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt ereignet. Aktivisten der rechtsextremen "Identitäre Bewegung" (IB) zogen verkleidet durch die Innenstadt. Dabei sollen sie vermeintlich ausländische Passanten rassistisch beleidigt und einen CDU-Infostand bedrängt haben. Es bildete sich eine spontane Gegendemo.

Am Ende stiegen die versammelten Rechtsextremen - darunter auch der aus Österreich angereiste Martin Sellner - in eine Straßenbahn. Einen Gegendemonstranten, der auch mit in die Garnitur gestiegen war, soll der Angeklagte an den Schultern gepackt und aus der offenen Tür der Straßenbahn gezerrt oder geschoben haben, berichten Anklageschrift und der Angeklagte übereinstimmend.

Richterin wies auf Widersprüche hin

Als Sellner in den Zeugenstand tritt, beginnt er zu erzählen: Das "Identitäre Theater" sei von Linksextremen massiv bedroht und eingeschüchtert worden. An der Straßenbahn sei es zu Attacken gekommen. Die Richterin wies den 28-jährigen Studenten überrascht darauf hin, dass seine Schilderung den Aussagen aller anderen Beteiligten eklatant widerspreche. Sellner überlegte kurz und ruderte dann zurück: Die Angriffe gab es wohl doch nicht.

Gelächter im Saal

Der Gerichtsreporter der "Zeit" berichtete, im Saal sei leise gelacht worden. Auch die Justizbeamten hätten amüsiert gelächelt, während Sellners Gesinnungsgenossen ungehalten auf dessen Erfindungen reagierten. An den Ablauf des Straßenbahn-Vorfalls könne er sich "nicht wirklich erinnern", sagte er auf Nachfrage. Auch gefilmt habe er den Vorfall nicht.

Als ihn der Anwalt des Nebenklägers mit der Aussage eines Polizisten konfrontierte, Sellner hätte der Polizei gesagt, er habe alles gefilmt, schwieg der Identitäre. Die Rechtsextremen auf den Zuschauerbänken hätten daraufhin "den Kopf verzweifelt in die Hände gelegt" oder leise gestöhnt.

Sellner musste bei den Linken sitzen

Der 28-Jährige schwadronierte anschließend darüber, dass der Gegendemonstrant "ein Spion, ein Späher" der Linksextremen gewesen sein. Als er auf die Frage, woher er das wisse, erneut auswich, wurde es der Richterin zu bunt. Sie forderte Sellner auf, Fragen klar mit Ja oder Nein zu beantworten. Daraufhin gab Sellner zähneknirschend nur mehr an, er könne sich "nicht genau erinnern".

Als Sellner den Zeugenstand endlich verlassen konnte, wurde ihm sogar der Platz in den Publikumsreihen seiner identitären Gesinnungsgenossen verweigert. Er musste sich in die Publikumsreihe davor zu den Linken setzen, berichtet die "Zeit".

Ein Urteil in dem Prozess wird am 11. Juli erwartet.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • kai uwe am 22.06.2017 05:54 Report Diesen Beitrag melden

    gibt ärgeres

    na und ? österreich hat einen präsidenten der sich , sobald er den mund aufmacht , blamiert , und das nicht nur vor gericht sondern vor der ganzen welt

    einklappen einklappen
  • Leonhard am 22.06.2017 10:01 Report Diesen Beitrag melden

    Gratulation!!

    Die Rechten schön ordentlich treten, ausspotten und beschimpfen, die Linken umhegen und pflegen...nur weiter so...die Menschen da draussen nehmen dies alles in Ruhe zur kenntnis..

    einklappen einklappen
  • tanja heriger am 22.06.2017 14:17 Report Diesen Beitrag melden

    so ist

    das mit den Fußsoldaten der blauen, zum lachen

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Peter Horacek am 23.06.2017 12:00 Report Diesen Beitrag melden

    sehr objektive Berichterstattung wertes Heute-Team

    mehr oder weniger eins-zu-eins den Blog in der Zeit.de abzuschreiben ist schon sehr peinlich und zeigt das ihr nicht an einem objektiven Journalismus interessiert seid. es genügt schon folgendes über den Blog zu wissen, die sich wie unten stehend selbst beschreibt: "ÜBER DIESES BLOG Hier geht es um Neonazis. Wo sie auftreten, was sie dabei sagen und vor allem: Was man gegen sie unternehmen sollte. Mehr über dieses Blog und unsere Autoren findest Du hier. ..und weiter... "Du hast Nazis um dich herum und willst darüber berichten? Du hast ganz allgemein viel zu diesem Thema zu sagen? Dann...

  • Peter Hier. am 23.06.2017 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    Bewusst falsche Berichterstattung

    So liebes Heute Team. Ich denke mit dieser Berichterstattung habt ihr euch selbst entkarvt. Denn ihr habt nahezu eins-zu-eins den Blog eines unobjektiven linken "Journalisten" aus der Welt.de übernommen, ohne auf das wirkliche Gerichtsprotokol zu warten. Gerne würde ich dies hier mit zwei Screenshots belegen, was aber zu Eurem Glück ni möglich ist. Aber gerne hier der Link zu diesem äußerst linken Blog : http://Blog.zeit.destoerungsmelder/2017/06/21/identitaeren-chef-blamiert-sich-vor-gericht_23997#comments

  • tanja heriger am 22.06.2017 14:17 Report Diesen Beitrag melden

    so ist

    das mit den Fußsoldaten der blauen, zum lachen

  • Österreichbild am 22.06.2017 12:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Idiotischen

    Ich finde es lustig, dass nicht einmal seine eigenen Kameraden ihn mehr bei sich wollen. Wird wohl eine Splittergruppe geben!

  • Babsi am 22.06.2017 11:27 Report Diesen Beitrag melden

    Die Zeit

    Berichtet "die Zeit", alles klar