Neue Aufregung

12. Oktober 2018 16:29; Akt: 02.11.2018 10:33 Print

Lehrlings-Abschiebung mit "Nazi-Methoden"

Wieder soll ein Lehrling abgeschoben werden. Vorarlbergs ÖGB-Landeschef Norbert Loacker spricht von "Nazi-Methoden".

Der 26-Jährige machte eine Lehre in der Gastronomie (Bild: iStock (Symbolbild))

Der 26-Jährige machte eine Lehre in der Gastronomie (Bild: iStock (Symbolbild))

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Ein 26-jähriger Gastronomielehrling aus Pakistan mit einem negativen Asylbescheid ist am Donnerstag in Hard festgenommen worden. Er steht nun vor der Abschiebung.

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Bereits Anfang September wollte die Polizei den 26-jährigen Qamar Abbas an seinem Arbeitsplatz am Blauen Platz in Lustenau festnehmen. Damals tauchte der Pakistani unter.
Der Lehrling sei gut in eine Vorarlberger Familie integriert, erzählte der Wirt Marcel Lerch. "Niemand flüchtet gerne. Aber Pakistan ist gefährlich. Ich hatte Angst um mein Leben", sagte Abbas.

Kontakt verweigert


Am Donnerstagmittag machte die Polizei den Mann in Hard ausfindig, nahm ihn fest und überstellte ihn nach Bludenz ins Polizeianhaltezentrum. Der Anwalt des Lehrlings, Stefan Harg aus Bregenz, schrieb in einer E-Mail an den ORF, dass die Polizei bislang den Kontakt zu seinem Mandanten verweigert habe. Qamar Abbas kann jederzeit ins Flugzeug gesetzt werden.

Bestens intergriert


Derzeit sitzt der junge Mann in einem Polizeianhaltelager in Salzburg, wie Laura Melzer "Heute" erzählt. Bei ihrer Familie fand der Pakistani Aufnahme, er freundete sich mit ihren Eltern an. "Mein Vater ist ein Pflegefall", sagt die junge Frau Melzer, der "Herr Abbas" habe ihnen immer "irrsinnig geholfen" – sei es bei einem anstrengenden Umzug oder einfach nur im Alltag. "Er war immer da für uns. Und wir für ihn".

"Nazi-Methoden"


Massive Kritik kommt von ÖGB-Landesvorsitzende Loacker. Ein Mensch, der seit sechs Jahren in Österreich ist und immer tüchtig gearbeitet habe, werde wie ein Verbrecher mitten in der Lehre abgeholt. "So geht man mit jungen Menschen nicht um. Das ist unmenschlich und muss mit allen Mitteln bekämpft werden. Wir haben mit diesen Nazi-Methoden nichts am Hut", sagte Loacker zu "Heute". Er werde stets gegen solche Entwicklungen vorgehen. Das sei er allein schon seiner 91-jährigen Mutter schuldig, die den Nazi-Terror noch selbst miterlebt hatte.

Loaker habe am Donnerstagabend gemeinsam mit Vorarlbergs SP-Klubobmann Michael Ritsch noch das Gespräch mit Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) gesucht. Wallner unterstütze die Forderung, die Abschiebung zu stoppen. Praktisch seien ihm aber die Hände gebunden, da das humanitäre Bleiberecht vom Bund entschieden werde, meinte Loaker. Nun sei Bundespräsident Alexander Van der Bellen am Zug. Dieser müsse unverzüglich handeln und das unmenschliche Treiben stoppen: "Jetzt ist VdB gefordert."

"Dunkelste Zeiten"


"Dass über Nacht unsere unbescholtenen Kollegen und Freunde von der Polizei abgeholt werden, erinnert mich an dunkelste Zeiten in der Vergangenheit. Ich bin entsetzt darüber, dass Menschen aus unserer Mitte gerissen werden, um sie zu deportieren. Diese Praxis kennt man aus faschistischen Diktaturen. Einem Rechtsstaat ist ein solches Vorgehen vollkommen unwürdig", wettert Loacker weiter.

"Kickl muss gehen"


Von einem rechten Hardliner wie Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) sei keine menschliche Entscheidung zu erwarten, schrieb der Gewerkschafter am Freitagvormittag in einer Presseaussendung. Der Minister sei für einen Skandal nach dem anderen verantwortlich. "Er bleibt aber im Amt, während man einen integrierten Lehrling deportiert. Qamar soll bleiben, Kickl muss gehen", fordert Loacker.

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(GP)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • dsgl am 12.10.2018 17:41 Report Diesen Beitrag melden

    dauert alles viel zu lange

    Es ist mir wie immer unverständlich, wie lange sich ein Asylverfahren hinziehen kann. 6 (!) Jahre ! Wahnsinn! So entstehen dann auch diese Dramen. Die Verfahren gehören gestrafft und eine bestimmte Zeit vorgegeben, in denen sie abgeschlossen sein müssen.

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  • Ein Wiener am 12.10.2018 16:40 Report Diesen Beitrag melden

    Negativ ist negativ

    Wenn er nach seinem negativen Bescheid ausgereist währe hätte er sich die Verhaftung erspart.

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  • Christian am 12.10.2018 17:12 Report Diesen Beitrag melden

    Gesetz....

    Gesetz ist Gesetz und hat immer und für jeden zu gelten und darf auch nicht verhandelbar sein ! Moral und Ethik sind beliebig, geltendes Recht darf dies niemals sein !

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Kannitverstan am 16.11.2018 08:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erschreckende Entwicklung

    Bedenklich ist es wenn sogar Parlamentarier zum Gesetzesbruch aufrufen.

  • Baldi am 29.10.2018 07:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbstherrlich

    Der soll sich an die bestehenden Gesetze halten,sonst soll er seinen hochbezahlten Posten quittieren.Wir haben genügend qualifizierte Facharbeiter,die momentan keine Lust haben zu Arbeiten,da mit dem hohen Arbeitslosengeld kein Anreiz besteht.

  • der mit dem Golf tanzt am 28.10.2018 12:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So schauts aus

    Wenn der Herr Lerch und der Herr Loacker so besorgt sind, könnten die beiden ja ihren Schützling in Pakistan frei kaufen! Ah so, Blödsinn! Das ginge ja nur mit eigenem Geld!

  • Werner Mauser am 28.10.2018 12:06 Report Diesen Beitrag melden

    Die Lösung ist relativ einfach

    Der ÖGB und die ganze SPÖ bemüht sich wieder um die Wähler. Sie werden gewählt - haben eine absolute Mehrheit - bei 2/3 auch eine Verfassungsmehrheit - und die Welt ist wieder in Ordnung. Zauberformel: Eine Leistung erbringen und nicht "matschgern"

  • Gabi Grüner am 28.10.2018 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    Blaue Minderheit

    Wir leben in einem der schönsten und friedlichsten Ländern der Welt, gebe es diese menschenverachtende blaue Minderheit nicht wäre es das Paradies.

    • SockenRambo am 28.10.2018 13:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Gabi Grüner

      Wieviel Prozent haben die Grünen im Bund? Wieviele Mandate im Nationalrat? Wenn man dort ist braucht man nicht so herablassend von Minderheit in Blau (Regierung) sprechen..

    • Freundschaft am 29.10.2018 06:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Gabi Grüner

      Ich finde das für langfristig richtige Vorgehensweise! Man kann nicht jeden helfen und schon garnicht wenn jemand illegal hier ist

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